Solothurn
Opposition gegen Stadt-Theater-Umbau existiert, wird aber kaum aktiv

Bei 21 Mio. Franken steht das Unternehmen Stadttheater-Sanierung inzwischen, rechnet man die Auslagerungskosten dazu. Das offizielle Solothurn stellt sich hinter das Vorhaben; Opposition auf den 11. März ist kaum auszumachen. Doch es gibt sie.

Wolfgang Wagmann
Merken
Drucken
Teilen
Das Stadttheater Solothurn spürt wenig Gegenwind.

Das Stadttheater Solothurn spürt wenig Gegenwind.

Wolfgang Wagmann

«Theater»-Fahnen auf sämtlichen Brücken, Pro-Plakate des gestern vorgestellten Unterstützungskomitees überall, ein Stadtpräsident und ein Theaterdirektor, die seit Monaten für den Umbau «weibeln» und eine Gemeindeversammlung, die mit über 300 Ja- gegen bloss drei Nein-Stimmen im Dezember den Eindruck vermittelte: L’opposition n’existe pas. So wurde auch eine geplante Podiumsdiskussion nächsten Montag abgesagt und durch eine Theaterführung mit Theater-Direktor Beat Wyrsch ersetzt. Begründung: Niemand wolle am Podium den Gegenpart übernehmen. Und tatsächlich bleibt seit Monaten die eigentlich bekannte Gegnerschaft in Deckung – auch an der Gemeindeversammlung war sie weder zu sehen noch zu hören.

FDP-Mehrheit «gegen Tunnelblick»

Es brauchte schon eine Anfrage der Redaktion, um überhaupt noch eine Aussage der FDP-Politikerinnen und -Politiker, die gegen den Umbau waren, zu erhalten. Und so äussert sich Fraktionschef Marco Lupi: «Eine knappe Mehrheit unserer Fraktion hat gegen dieses Projekt gestimmt. Dies nicht, weil wir grundsätzlich gegen das Theater sind. Es geht bei dieser Abstimmung nicht um ein Ja oder Nein zum Stadttheater, wie dies von den Befürwortern nun suggeriert wird. Auch wir wollen ein Theater – aber wir wollen keine Sanierung um jeden Preis.» Man erachten die Umbaukosten von netto rund 14 Millionen Franken sowie die steigenden jährlichen Kosten als zu hoch: Diese lägen bereits jetzt bei netto rund 1,5 Millionen Franken im Jahr «und werden um mehrere 100000 Franken steigen, plus die Million für die Auslagerung während des Umbaus», argumentieren die FDP-Gegner.

Auch in der Kulturstadt Solothurn seien die Ressourcen für Kultur «leider nicht unendlich. Hier geht es immerhin um happige 14 Millionen – daran ändert sich nichts, nur weil wir schon einiges vorfinanziert haben. Wir dürfen auch als Kulturstadt, die wir zweifellos neben Filmtagen, Literaturtagen, KreuzKultur, Kofmehl, Theater Mausefalle, Kulturm und anderen Institutionen auch dank dem Stadttheater sind, bei kulturellen Ausgaben nicht den Tunnelblick bekommen», meint Lupi für die FDP-Mehrheit weiter. Es gebe viele Begehrlichkeiten und notwendige Ausgaben im Bereich Bildung, Sport und Freizeit, die auf die Stadt zukämen. «Da gilt es, die Gelder fair zu verteilen. Deshalb lehnen wir die Theatersanierung in dieser Form und in diesem Umfang ab. Das ist sicher nicht populär und auch keine einfache Entscheidung.»

Und ein Einzelkämpfer

Im Gemeinderat hatten vorgängig der einseitig verlaufenen Gemeindeversammlung sechs FDP-Mitglieder gegen die Sanierung gestimmt, zwei Ratsmitglieder enthielten sich der Stimme. Von den «Oppositionellen» hat sich einzig FDP-Gemeinderätin Susanne Asperger mit zwei Leserbriefen offiziell gegen den Umbau geäussert. Daneben war nur noch ein Kontra-Leserbrief des jungen, erst 20-jährigen EVP-Politikers Elia Leiser zu registrieren. Das Vorstandsmitglied der EVP Solothurn-Lebern hatte auch an der Gemeindeversammlung teilgenommen und war dort einer der drei Nein-Stimmenden gewesen.

Leiser hatte sich aktiv an die Redaktion gewandt, auch um seine Verärgerung über das Schweigen der Opposition kundzutun. «Ich mache dieses Spiel nicht mit», denn er habe nichts zu verlieren, begründet er seinen Widerstand gegen fast «tout Soleure». Auch Leiser sieht das Hauptproblem in den immer wieder kehrenden Kosten nach dem Umbau, «die 1,8 Mio. Franken im ersten Jahr werden sich noch erhöhen. Denn die Schauspieler und Techniker arbeiten zu Hungerlöhnen», sieht der Jungpolitiker Handlungsbedarf, die Löhne zu erhöhen. Auch bei den Auslagerungskosten geht er davon aus, dass sich diese zuletzt «verdoppeln» würden. Es gehe nicht an, so viel Geld in «ein Luxusobjekt» zu stecken, denn vielenorts müsse investiert werden, bei den Schulhäusern Brühl und Schützenmatt beispielsweise, «und auch die Kosten für die Stadtmist-Sanierung sind noch nicht geregelt.»

Das Geld, das man fürs Stadttheater ausgebe, «wird anderswo fehlen, oder muss über eine Steuererhöhung wieder beschafft werden», glaubt Elia Leiser. Dass als letzte Konsequenz eines Neins das Aus des Stadttheaters stehen könnte, stört ihn nicht: «Viele Solothurner kennen das Theater nur vom Hörensagen.» Und ohnehin seien die Auslastungszahlen des Theaters falsch, «es sind nur 54 und nicht 63 Prozent. Zudem müssen viele Schulklassen ja das Theater besuchen».