Solothurn Classics will künftig mit einem Partner im Zweijahres-Rhythmus eine Oper in Solothurn realisieren. Diese Ankündigung machte Peter Kofmel, Leiter des Opern-Events, in diesem Juni. Heute Dienstag wird der neue Kooperationspartner in Olten vorgestellt und Insider wissen, dass es sich um die Oper Schenkenberg handelt. So weit, so gut. Doch wie sich in den vergangenen Tagen zeigt, sind die Probleme des «Classics» mit der Ankündigung eines neuen Partners noch lange nicht gelöst.

Vor wenigen Tagen erreichte nämlich einige Solothurner Geschäftsinhaber ein Brief des Solothurn Classics mit einem nicht sehr vor Zuversicht sprühenden Inhalt. Darin schreibt Peter Kofmel, dass lediglich 50 Prozent, statt den budgetierten 70 Prozent an Besuchern 2015 erschienen sind. Deshalb sei der Verein Solothurn Classics, trotz «Ausschöpfung aller Möglichkeiten und bei Gleichbehandlung aller Gläubiger» zurzeit nur in der Lage, bis Mitte September 2015 30 Prozent des offenen Rechnungsbetrages zu überweisen. Man werde aber alle Möglichkeiten nutzen, die fehlenden finanziellen Mittel zu beschaffen, um die offenen Rechnungen komplett begleichen zu können, schreibt Kofmel. Bis Mitte Dezember müsse dem «Classics» Zeit gelassen werden und man werde die Gläubiger über das Ergebnis der Bemühungen umgehend informieren.

«Kein Geld mehr da»

«Drei Wochen lang nach dem Anlass war Peter Kofmel nicht erreichbar. Weder per Mail noch per SMS. Das fand ich komisch», erzählt Dominique Pochelon, der am «Classics»-Festival mit seiner Solothurner Firma VIP Security den Ordnungsdienst sichergestellt hatte. Nun kontaktierte er die anderen insgesamt zehn Lieferanten, die alle noch kein Geld gesehen hatten. «Es folgte die Einladung auf den heutigen 1. September, an dem die Zusammenarbeit mit der Oper Schenkenberg bekannt gegeben werden sollte. Und einen Tag später die Ankündigung, man werde vorerst nur 30 Prozent der offenen Rechnungen bezahlen können», so Pochelon.

Ein Anruf bei Kofmel ergab lediglich, dass kein Geld mehr da sei, ausser die Beitragszahlungen von Stadt und Kanton. Die ausstehenden Zahlungen aller Gläubiger beziffert der Geschäftsmann auf 150 000 Franken, 15 000 davon würden seine Dienstleistungen ausmachen. Mit dem Versprechen, alles zu tun, um die ausstehenden Beträge doch noch einzutreiben, kann Dominique Pochelon nicht viel anfangen. «Nach einem durchgeführten Anlass für diesen zu weibeln, bringt nichts», ist er überzeugt. Kofmel habe aus seiner eigenen Sicht «nie etwas falsch gemacht», kritisiert Pochelon den Festival-Organisator. «Doch nach dem schlechten Vorverkauf hätte er den Mut haben müssen, den Anlass zu canceln.» Dabei musste der Security-Dienst noch Spezialwünsche des «Classics»-Organisators erfüllen: Ein Künstler war in Mailand mit einer genau vorgeschriebenen Limousine abzuholen – Kostenpunkt 1500 Franken. «Dabei handelte es sich um einen Spezialpreis. Der Chauffeur war zehn Stunden unterwegs.»

Offenbar wussten jedoch einige Leute schon von der klammen Kasse beim Festival-Organisator: Ein Solothurner Hotel hatte seine Zimmer für «Classics» nur gegen Vorauskasse reserviert. Dominique Pochelon lakonisch: «Die haben ihr Geld.» Und: Es gehe ihm nicht um seinen allfälligen Verlust. «Für mich ist wichtig, dass er (Peter Kofmel) nicht einfach so weitermachen kann.» Eine Anfrage per E-Mail an Peter Kofmel blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Dass das Solothurn Classics mit finanziellen Problemen kämpft, ist nicht neu. Besonders die Ausgabe von 2013 war ein finanzielles Fiasko. Bei einem Budget damals von 1,4 Mio Franken wurden aus dem Lotteriefonds 100 000 Fr. als Produktionsbeitrag gesprochen und weitere 80 000 Franken als Defizitdeckungsgarantie zugesichert. 2014 wurde für ein abgespecktes Programm 60 000 Franken Lotteriefondsgeld zugesichert. Dieses Jahr waren es laut Regierungsratsbeschluss vom 26. Mai 2015 60 000 Franken als Produktionsbeitrag und 20 000 Franken als Defizitdeckungsbeitrag, die jetzt sicher ausgeschöpft werden. Das alles bei einem Gesamtbudget 2015 von 617 000 Franken. Wenigstens, so kann argumentiert werden, wird damit kein Steuergeld eingesetzt.

Politische Misstöne

Anders sieht es in der Stadt Solothurn aus, die in den vergangenen Jahren ebenfalls Beträge zur Defizitdeckung einsetzte. Solothurn hat für dieses Jahr einen Beitrag von 40 000 Franken an das Opernfestival gesprochen. «Dieser Beitrag ist auch jährlich im Finanzplan aufgelistet», erklärt Finanzverwalter Reto Notter. Dies sei rein routinemässig erfolgt, «im Budget 2016 ist der Betrag jedoch nicht enthalten.» Dies würde dem Umstand Rechnung tragen, dass das «Classics» nächstes Jahr gar nicht stattfindet. Ob die Stadt den Anlass künftig überhaupt noch mit Steuergeldern unterstützt, wird angesichts der jetzigen Situation immer ungewisser. «Unter diesen Umständen bin ich klar für eine Streichung des Beitrags. Und wenn sich nichts ändert, dürfte das auch Stadtpräsident Kurt Fluri so sehen», glaubt Gemeinderat Marco Lupi, der auch in der einflussreichen Gemeinderatskommission einsitzt.

Wohl kann auch die neue Kooperationspartnerin dem Solothurn Classics in finanzieller Hinsicht nicht sehr viel weiterhelfen: Die Oper Schenkenberg hat selber mit finanziellen Nöten zu kämpfen.