Eher eigentümlich für eine Arztpraxis: In einem Marmorkamin prasselt ein Feuer vor sich hin. «Manch ein nervöser Patient kommt hier so rasch zur Ruhe», sagt Andreas von Roll, Facharzt für orthopädische Chirurgie, der hier praktiziert. Doch prasselndes Kaminfeuer ist nicht das einzige Merkmal, welches das Praxiszentrum an der Römerstrasse eigentümlich macht. Knarrende Holz- und grobe Steinböden, alte Kronleuchter und Deckenmalereien, Bruchmauerwerk, alte Fensterrahmen und vieles mehr zeichnen den Ort aus.

Ein Schloss als Praxiszentrum

Dieses Ärztehaus trotzt dem Bild steriler Schmucklosigkeit, das man sich von einer typischen Praxis macht, und verbindet stattdessen jahrhundertealte Baugeschichte mit Wohnlichkeit. So kommt es auch nicht von ungefähr, dass das Bijou mit grosszügigem Umschwung neu den Namen «Schloss Aarhof» trägt: 15 Jahre lang war die als Sommerhaus um 1610 erbaute Residenz unbewohnt gewesen und hatte in einem Dornröschenschlaf geruht, bis es von Andreas von Roll und Ehefrau Simone im November 2016 gekauft und seither saniert wurde. Seit Anfang dieses Jahres ist nun das Ärztehaus mit Schwerpunkt auf den Bewegungsapparat in Betrieb. 

Neben Eigentümer von Roll sind mit Christian Gauss, Andreas Gluch und Alexander Müller drei weitere Orthopädieärzte im ersten Obergeschoss zur Miete eingezogen. Ein modernes Röntgengerät, ebenso wie allgemeine Infrastruktur, Sanitärräume, den Wartebereich mit breiter Fensterfront, sowie die Administration mit vier Praxisassistentinnen teilen sich die Ärzte.

Eine Etage weiter oben ergänzen Anna Streit (Spiraldynamik), Brigitte Burri (Massage, Schmerztherapie), Nina Kohler (Naturheilkunde), Simone Abplanalp (Physiotherapie), Ilse Lambregtse (Physiotherapie), Sandra Lattmann (Massage, Schmerztherapie) und Sandra Steiner (Physiotherapie) das Angebot, ferner als «fachlicher Ausreisser» Urs Kaegi (Arbeits-/Verkehrspsychologie).

Austausch unter Fachkollegen

«Damit decken wir praktisch das gesamte Behandlungsspektrum für den Bewegungsapparat ab», sagt von Roll, der auch als Chirurg in der Obach-Klinik tätig ist und zudem seine vorherigen Praxisräumlichkeiten an der Obachstrasse 1 weiter behält. «Das Arbeiten in einer Gruppenpraxis ist ausserordentlich schön.» Den fachlichen und persönlichen Austausch und die Möglichkeit zur Kollegenvertretung wertet er als grosse Vorteile. Dabei war es nicht einfach, das «Aarhof»-Team, zu dem nun auch die an der Obachstrasse eingemieteten Fachleute zählen, zusammenzubringen. «Da waren guten Geiste des Schlosses am Werk», sagt von Roll rückblickend.

Oder auch Orthopäde und Sportmediziner Christian Gauss, der als erster auf von Rolls Zug aufsprang. «Dass er so motiviert meine Idee mittrug, hat mich manche Nacht gut schlafen lassen.» Andere aus dem Kreise der «gute Geister» hatten seine Frau und er auch während des einjährigen Bauprozesses im Schlepptau. Während man auf einem Spaziergang gerne vor dem idyllischen «Aarhof»-Schlössli innehält, ist es doch noch etwas anderes, ein solches denkmalgeschütztes, sanierungsbedürftiges Bijou zu besitzen und auf Vordermann zu bringen. Was allein der 15 Jahre dauernde Dornröschenschlaf beweist. Aber: «Es ist immer ein Lust- und kein Renditeobjekt gewesen.» Und die Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege sei zu keiner Zeit eine Belastung gewesen: «Wir haben an den selben Sachen Freude – und wollen das Alte soweit wie möglich erhalten.»

«Ein lebenslanges Projekt»

Von Roll schreitet durch den Festsaal im Erdgeschoss, der stundenweise für Gruppenkurse – auch Tanzkurse – vermietet wird, und zeigt auf die Deckenplatten, die der Zimmermann aus dem verstaubten Fundus an ihren ursprünglichen Platz zurückgebracht hat. Oder auf den Holzboden des Wartesaals in der zweiten Etage, der aus ehemaligen Brettern des Alten Zeughauses gezimmert wurde. Oder auf Steinstufen aus dem lange vorher abgerissenen Schuppen im «Aarhof»-Garten.

An den meisten Orten hat die Besitzerfamilie während der Sanierung auch selbst die Ärmel hochgekrempelt: Simone von Roll übernahm tragende Aufgaben bei der Sanierung, insbesondere bei der Planung der Innenarchitektur. Andreas von Roll stieg als Kletterer auch mal mit dem «Gschtäutli» aufs Dach, um Ziegel zu ersetzen. Und von Rolls fünfköpfige «Jungmannschaft» half hie und da ebenfalls mit.

Doch mit dem Umbau geht die Arbeit keineswegs aus: «Dieses Haus ist ein lebenslanges Projekt», weiss Andreas von Roll. Und sei es nur, dass er beim Schneeschippen auf dem grossen Kiesvorplatz selbst die Schaufel in die Hand nimmt. Mit ebenso viel Elan, «wie ich auch mit Leib und Seele Orthopäde bin.» Und: «So, wie ich einem alten, kranken Knie wieder Beweglichkeit verschaffen will, wollte ich auch in dieses alte Haus neue Bewegung bringen.» Operation gelungen.