Im Moment scheint in der Altstadt-Geschäftswelt kein Stein auf dem andern zu bleiben: Gleich serienweise verschwinden bekannte Adressen oder werden noch verschwinden – andere ziehen um und neue kommen dazu. Zumindest im «Ypsilon» finden die Ladenlokale offenbar noch recht reissenden Absatz – allerdings wie man hört, zu reduzierten Mietzinsen. So hat Ex Libris seit gestern an der Hauptgasse aus Renditegründen geschlossen – wie dies noch für 42 weitere Filialen schweizweit angekündigt worden ist.

Der Online-Handel habe dem auf Bücher und DVD spezialisierten Kettengeschäft zugesetzt, war aus der Schweizer Zentrale zu hören. Wer Ex Libris ersetzt, ist derzeit noch unbekannt. Doch gebe es einen Interessenten, der sofort nachfolge, ist seitens der Eigentümer zu hören.

Chaussure Yvonne schliesst

Bereits angekündigt ist neu auch die Schliessung von Chaussures Yvonne an der Schmiedengasse. Die Schuh-Branche leide wie die Textilbranche oder die Unterhaltungselektronik besonders, räumt auch die stv. Geschäftsführerin ein. «Eigentlich sind wir froh, können wir in Pension gehen», erklärt sie im Hinblick auf die Schliessung des Geschäfts im März ein. Denn der Überlebenskampf werde zusehends härter werden. Auch an der Schmiedengasse ist die Nachfolge noch nicht bekannt.

Konkurs und zu

Bereits im Dezember wurde bekannt, dass die Modekette Biba aufgrund eines Insolvenzverfahrens gegen das deutsche Mutterhaus mit Problemen kämpfe. Noch wurde an der Hauptgasse fieberhaft versucht, die restlichen Modeartikel zu 50 Prozent loszuschlagen. Doch am 29. Dezember abends um 17 Uhr war nach 54 Jahren bei Biba definitiv Lichterlöschen. Am 21. Dezember hatte das Zuger Konkursamt den Konkurs über die Biba Schweiz GmbH verhängt.

Nun wird Vermieter Beat Knecht wohl noch einige Zeit abzuwarten haben, bis die Konkursmasse geregelt ist. «Doch es gibt viel Interessenten für den Laden», muss er nicht um einen langen Leerstand bangen. In der östlichen Hauptgasse dagegen ist nur bekannt, dass die französische Textil-Kette Caroll ihr Geschäft Ende März schliesst. Wer das Lokal «beerbt» ist ebenfalls noch offen.

Und eine grosse Rochade

Doch Textil scheint in besonderen Bereichen noch zu laufen. So hat sich das auf Stoffe spezialisierte Fachgeschäft Stoffartig eine wesentlich grössere Lokalität als bisher am Kronenplatz angelacht. «Wir wollen dort Ende Februar eröffnen», tönt es im kleinen Lädeli oben an der Kronengasse, wo lange Zeit die In-Bar Bigoudi betrieben wurde – allerdings nur im Erdgeschoss, während «Stoffartig» auch das Obergeschoss angemietet hatte. An der neuen Adresse im Klosterhof war bis im vergangenen Sommer die auf Edel-Unterhaltungseletronik wie Bang Olufsen spezialisierte Firma Expert Solothurn zu Hause – ehe auch hier der Hammer des Konkursamtes niedergegangen war.

Seit im August 2016 das Modehaus Brühweiler an der Schmiedengasse seine Türen geschlossen hatte, war nach einer mehrmonatigen Nutzung als Pop-up-Store einmal mehr, einmal weniger Umbautätigkeit in den drei nördlichsten Liegenschaften festgestellt worden. Alle drei gehören seit 2016 der Firma Lüthi Balmer Stocker, die das Buchhaus Lüthy an der Gurzelngasse betreibt. Informationen, dass zumindest für die zwei nördlichen Geschäftslokale ein neuer Mieter auf März gefunden sei, wollen die Besitzer allerdings nicht bestätigen. «Dazu gibt es derzeit keine Informationen», heisst es auf Anfrage.

Wohnungen statt Geschäftsfläche

Gleich drei Lokale, darunter der ehemalige «Zum Fritz» stehen derzeit an der oberen Judengasse teils schon länger leer. Am 21. April soll zumindest mit dem «Display Doktor» von Markus Arni ein neuer Mieter an der Jugendgasse 6 eröffnen. Der auf Reparaturen von Smartphones und Tablets spezialisierte Jungunternehmer wird neu auch einen Shop im Erdgeschoss für den Verkauf von Zubehör und Gadgets der gängigen Marken betreiben.
Umgebaut wird derzeit auch an der Weberngasse der zuletzt noch benützte Küchentrakt des ehemaligen Altersheims St. Annahof. Die Küche wurde Ende Jahr vom Cateringbetrieb Hoch 4 der Genossenschaft Baseltor aufgegeben, und so will Liegenschaftenbesitzer Urs Rudolf dort neu eine Wohnung einbauen. Ein Modell, das zusehends bei nicht mehr gebrauchten Geschäftsflächen Schule machen dürfte.