Das Inserat der Ausgabe der az Solothurner Zeitung vom Donnerstag lässt aufhorchen und einen sportlichen Anlass grösseren Kalibers vermuten: der «Ladedörfler Brunnen-OL», der am Samstag von 9 bis 13 Uhr in der Solothurner Altstadt stattfinden wird, lädt jedermann zu einem Parcours entlang der Stadtbrunnen ein. Gerade aber der besucherintensive und oftmals nicht ganz überschaubare Samstagsmäret könnte der Bezeichnung «Orientierungslauf» eine gänzlich neue Bedeutung verleihen.

Auf Anfrage hin versichert aber Stephan Bielser, Zentrumsleiter des Langendörfer «Ladedorfs», das als Veranstaltungspartner mitwirkt: «Es handelt sich um keinen Wettkampf, bei dem auf Zeit gespielt wird. Der OL richtet sich auch nicht an Profis, sondern soll den Sport dem breiten Publikum näherbringen.» Er zeigt sich überzeugt, dass dieses Event und der Märet aneinander vorbeikommen. Die Leute seien damit auch angehalten, vorsichtig zu sein und den Spass über den Sporteifer zu stellen.

Plausch statt Wettkampf

Dass es sich wohl eher um einen «Orientierungsgang» statt -lauf handeln dürfte, bestätigt sinngemäss Walter Lüdi, Dienstchef Sicherheit und Verkehr bei der Stadtpolizei Solothurn: Er sieht wenig Chancen, dass man die Strecke rennend zurücklegen kann. «Der Anlass ist wie eine Volkswanderung. Natürlich wäre die Situation anders, wenn es sich um einen Wettkampf handeln würde.» Ausserdem sei man seitens Polizei laufend im Gespräch mit den Veranstaltern gewesen und habe sie stets daran erinnert, die Sache nicht zu gross werden zu lassen. Für Aktionen, die einem gesteigerten Gemeingebrauch – also eben einem Wettkampf – entsprechen, braucht es eine Bewilligung.

Bewilligungspflichtig und seit Januar auch bewilligt ist lediglich die Standpräsenz der OL-Gruppe Biberist, die auf dem Märetplatz den Ausgangspunkt des Brunnen-OLs bildet: «Klar kann man während des Märets keinen Orientierungslauf im eigentlichen Sinne machen», sagt Jost Hammer von der OL-Gruppe. Die Interessierten bekommen lediglich eine OL-Karte in die Hand gedrückt, um die elf Solothurner Brunnen «anzuspazieren», informierte er.

Hauptteil vor den Stadttoren

Wettkampfeifriger dürfte es derweil ausserhalb der Stadtmauern zu- und hergehen, wo der eigentliche Kernanlass stattfindet: So macht die schweizweite OL-Stafette «Lac-O-Lac» auch in Solothurn Halt. Diese bot denn auch für die OL-Gruppe Biberist Anlass, sich an einem Märet-Stand an einem Rahmenanlass zu präsentieren. Bei «Lac-O-Lac» wird eine der Stafettenetappen im Bereich der Chantierwiese abgehalten werden. Ursprünglich geplant war aber, die am Freitagabend ankommende Stafette am Samstagmorgen aus der Altstadt starten zu lassen – durch eine Orientierungsläuferin. «Gerade wegen des Märets wäre dies zum Knackpunkt geworden», sagt Walter Lüdi weiter.

Dazu wären nämlich auch Abschrankungen inmitten des Märet-Rummels nötig gewesen. Weil beides offensichtlich unvereinbar ist, verwies die Stadtpolizei den Kernanlass vor die Tore der Altstadt. Ein weiterer Rahmenanlass ist der Nacht-Stadtsprint der OL-Gruppe Biberist, der heute Abend ab 21.30 Uhr über die Bühne gehen soll. «Das wird aber eine stille Sache», versichert Lüdi.

Über den Brunnen-OL nicht informiert war übrigens die IG Märet selbst. Deren Präsident Niklaus Bolliger sieht den semisportlichen Aktivitäten jedoch gelassen entgegen: «Grundsätzlich ist es für den Angebotsmix nicht schlecht, wenn jemand was veranstaltet. Die Frage ist nur: Passt es in den Rahmen?» Ein Problem wäre es dann, wenn sie über den Märet «speeden statt gehen würden». Was die mögliche Konkurrenzsituation der Ladedorf-Präsenz für den Markt selbst angeht, setzt er «auf eine langjährig treue Märet-Kundschaft».