Solothurn

OK-Präsident vier Monate vor HESO-Beginn: «Wir sind jetzt schon ausverkauft»

SRG-Generaldirektor Gilles Marchand beschäftigte sich im HESO-Forum nochmals mit der erfolglosen «No-Billag»-Initiative.

SRG-Generaldirektor Gilles Marchand beschäftigte sich im HESO-Forum nochmals mit der erfolglosen «No-Billag»-Initiative.

Drohenden Wolken am Detailhandel-Himmel begegnet das OK der HESO mit einem attraktiven Messe-Mix.

Es hat Tradition, denn schon zum 20. Mal lud das Messe-OK zum HESO-Forum in die Reithalle ein. Vor vielen Ausstellern durfte OK-Präsident Urs Unterlerchner verkünden: «Diverse Publikumsmessen kämpfen mit grossen Problemen. Einige von ihnen, auch grössere, werden sogar verschwinden. Wir dagegen sind jetzt schon, vier Monate vor dem Beginn, ausverkauft», freute er sich auf die nächste Herbstmesse Solothurn, die vom 21. bis 30. September dauern wird.

Allerdings warnte er vor der Krise im Detailhandel, von der vor allem kleinere Geschäfte betroffen sind, die mit «viel Herzblut» agierten. «Noch schaut man tatenlos zu», sah Unterlerchner baldigen Handlungsbedarf, denn «der stationäre Handel erfolgt künftig online.»

Doch noch immer suche der Kunde das Kauferlebnis, denn der Online-Handel sei «emotionslos». Dank einem aktiven Rahmenprogramm dürfte die HESO jedenfalls weiterhin auf der Erfolgsspur bleiben. Und mit einem Blick auf andere, an Schwindsucht leidende Messen, meinte er: «Es wird kopiert, was für uns schon lange selbstverständlich ist.»

Die wachgerüttelte SRG

Bereits auf ein Erfolgserlebnis zurückblicken konnte Hauptreferent Gilles Marchand, seit 2017 Generaldirektor der SRG und Nachfolger von Roger de Weck. Denn noch immer beschäftigte ihn zur Hauptsache der abgewehrte Totalangriff auf die SRG durch die «No-Billag»-Initiative.

Eine «extrem radikale Debatte» sei er gewesen, der Abstimmungskampf auf den 4. März hin – «und Ende Jahr standen wir vor dem Aus», verwies er auf die damalige 51-prozentige Zustimmung zur Initiative. Dabei sei es tatsächlich um die Existenz der SRG gegangen – nicht weniger als 6000 direkte und 7000 indirekt von der SRG abhängige Jobs wären auf dem Spiel gestanden. Marchand zeigte auch die Konkurrenzierung der SRG mit einem Umsatz von 1,6 Mrd. Franken durch globale Medienplayer wie Disney, Amazon oder Apple (Gesamtumsatz von 230 Mrd. Franken!) auf und erläuterte das Gebühren-System, das auf der Solidarität der einzelnen Landesregionen beruhe.

Ausgiebig würdigte der SRG-Generaldirektor mit schon fast pathetischen Beispielen die riesige Solidaritätswelle, die unabhängig von der SRG selbst vor allem Kulturkreise für das identitätsstiftende Schweizer Medienunternehmen losgetreten hatten. Und erinnerte daran, dass auch 34 private Radio- und TV-Sender durch die Billag-Gebühren unterstützt würden. Doch für Gilles Marchand beginnt trotz der «Rettung» am 4. März die Debatte um die Zukunft der SRG erst. Und zwar wegen der Herausforderungen in der digitalen Medienwelt. «Die Nachrichten sind heute alle in Echtzeit verfügbar. Wir müssen einen Mehrwert bieten», zeigte er die verschiedenen Kanäle auf, die in der heutigen Medienwelt professionell bespielt werden wollen.

Und belegte dies mit eindrücklichen Bildern: Bei der Wahl von Papst Benedikt 2005 wurde auf dem Petersplatz noch noch kaum ein Handy gezückt. 2013 beim weissen Rauch für Nachfolger Franziskus blitzten Hunderte von Smartphones auf.

Sonderschau auf Erfolgskurs

Ein Highlight jeder HESO ist die Sonderschau, doch diesmal wird sie noch einen Tick spezieller: «Kraftort Wald», so der Thementitel, findet nämlich nicht nur auf dem Areal vor dem Baseltor statt, sondern zusätzlich im Wald selbst. «Und es wird auch kein Zelt geben», verrät Liliane Herzog, visuelle Gestalterin aus Solothurn, die das Konzept rund um einen Wunsch-Eichenbaum umsetzt.

Zurück zum Wald: Bereits hätten sich 92 Klassen mit rund 1600 Schülerinnen und Schülern für die während der HESO stattfindenden Themen-Führungen durch die Waldungen der Bürgergemeinde Solothurn angemeldet, verriet Sonderschau-Projektleiter Geri Kaufmann, der schon 2004 bei der damals ebenfalls dem Wald gewidmeten Sonderschau mitgewirkt hatte.

Bestritten wird die Ausgabe 2018 übrigens durch den Bürgergemeinden- und Waldeigentümerverband Kanton Solothurn BWSO, das kantonale Amt für Wald, Jagd und Fischerei sowie das Forstpersonal Kanton Solothurn. Und dass Regierungsrätin Brigit Wyss als OK-Präsidentin amte, «wird für uns sicher einige Türen öffnen», freute sich Kaufmann.

Attraktive Gäste

Wie bunt die HESO-Palette im September ausfällt, bewiesen drei Kurzpräsentationen von speziellen Gästen. Mit einem HESO-Stand vertreten ist Heilbronn, Solothurns offizielle Partnerstadt seit 1971. Steffen Schoch, Geschäftsführer von Heilbronn Marketing, zeichnete ein interessantes Bild der aufstrebenden Neckar-Metropole, die ab dem Frühling 2019 für ein halbes Jahr die Bundesgartenschau Buga beherbergen wird. Mit einem herzlichen «Hoppid!», dem üblichen Gruss in der Region Brienz, wartete Marianne Rodi in ihrem sympathischen Berner Oberländer Dialekt auf und warb für die Gastregion Brienz mit See, Rothorn-Bähnli und natürlich der dortigen «Holzschnätzler»-Tradition.

Und «HESO mit Herz» steht dieses Jahr ganz im Zeichen der Stiftung Solodaris, deren Geschäftsführer Daniel Wermelinger aufzeigte, wie man Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen begleitet.

Impressionen der HESO 2017:

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