Kaffee gilt zwar als beliebter «Energieträger». In dieser Funktion liefert er aber nicht den eigentlichen Grund, weswegen der diesjährige Energiepreis der Regio Energie Solothurn (RES) an die Kaffeerösterei Oetterli & Co. geht.

Denn honoriert werden am Energieforum traditionsgemäss Unternehmen, die sich umweltgerechtes Handeln und einen vorbildlichen Umgang mit Energie auf die Fahne schreiben. So erläuterte Stadtpräsident Kurt Fluri als RES-Verwaltungsratspräsident im Landhaussaal vor 360 Gästen die Gründe für die diesjährige Auszeichnung, erinnerte dabei an die Neuansiedlung des ehemals Vorstädter Unternehmens im November 2017 auf Biberister Boden nahe der Stadtgrenze im Gebiet Dribischrütz.

Mit Biogas aus der Region

«Mit dem Neubau wurde ein Gebäude erstellt, das nicht nur den neuesten energetischen Vorgaben entspricht, sondern diese um 25 Prozent übertrifft», würdigte Fluri den neuen Firmensitz. Geheizt wird zur Hälfte mit erneuerbarem Biogas.

Der Strom für Administration, Lagerräume sowie Logistik und Abpackungsanlage stammt von einer Photovoltaikanlage auf dem Fabrikdach. Die moderne Röstanlage ihrerseits arbeitet effizienter als die vorhergehende und spart somit Energie. Und: Die Beleuchtung im ganzen Betrieb wird durch Bewegungsmelder gesteuert und der Verbrauch somit bedarfsgerecht reduziert. Lobend erwähnte Kurt Fluri auch die Firmenchronik: «Das Unternehmen ist Gründungsmitglied von Max Havelaar.» Ausserdem sei es ‹Fairtrade›-und «Biosuisse»-zertifiziert. In Zukunft soll noch eine Wärmerückgewinnungsanlage hinzukommen.

«Der Preis bestätigt unseren Weg»

Bernhard Mollet, der vor sechs Jahren die operative Führung und die Aktienmehrheit der Kaffeerösterei übernommen hatte, bedankte sich im Namen seiner zwölf Mitarbeitenden für den Energiepreis. «Der Preis bestätigt den Weg, den wir eingeschlagen haben.» Er erinnerte an die Zeit, als Abfall im Boden vergraben wurde statt getrennt und rezykliert, als Melkfett statt Sonnencrème verwendet wurde und als es noch Usus war, im Fernsehstudio zu rauchen. «Heute wissen wir vieles, aber nicht alles besser», so Mollet.

Auch was den Blick auf den Klimawandel angehe, der kein «Märli» sei. «Es ist wichtig, dass wir das Thema nicht Schülern oder der Politik allein überlassen», ermahnte er. «Ich bin kein Ökofanatiker und auch kein Weltverbesserer. Aber was antworten wir unseren Kindern in 20 Jahren auf die Frage, was wir fürs Klima gemacht haben?», so sein Appell zu mehr Mut.

Mit 1,5 Mio. Kalorien über den Atlantik

Begleitet wird die Preisverleihung traditionsgemäss durch Worte des RES-Direktors Felix Strässle und einen Vortrag. Dieses Mal ging es um nicht weniger als 1,5 Mio. Kalorien Energie in Form von Trockennahrung und Shakes, die vier junge Studenten auf ein Ruderboot gepackt hatten, um damit von den Kanaren bis zur Karibik 4800 Kilometer zurückzulegen.

Swiss Mocean

Luca Baltensperger und Yves Schultheiss, die zusammen mit Marlin Strub und Laurenz Elsässer im Dezember 2017 «naiv, ohne Geld, ohne passendes Sponsoringkonzept und ohne Hochseeerfahrung» die Idee hatten, von La Gomera aus loszurudern, erzählten von ihrem Abenteuer. Geprägt von Seekrankheit, technischen Pannen, hohem Wellengang, Gewitterzellen und Hitzetagen, sowie freudloser Gastronomie, aber auch Sonnenauf- und -untergängen, sternenklaren Nächten und Heavy Metal Musik war nach 30 Tagen Antigua in Sicht.

Richtung Energiewende navigieren

Die Geschichte nahm Felix Strässle als Beispiel für die Fahrt durch schwierige Gewässer, wie sie auch die Regio Energie auf dem Weg zur Energiewende durchqueren müsse. Und er nannte die Bedingungen für dieses Unterfangen: «ein Ziel, Seekarten, Navigationsinstrumente, ein starkes Boot mit standhafter Crew, intelligente Lösungen und Sportgeist.»