Es ist lange her, als sich das letzte Mal so viele aktive Närrinnen und Narren für die beiden grossen Solothurner Umzüge angemeldet haben. Zum Motto «öppe so» werden 1324 Personen mitlaufen. Zum Vergleich: Ein Tiefpunkt war 2016 mit nur 1099 Aktiven erreicht worden.

Unter den Närrinnen und Narren befinden sich heuer 382 Kinder und Jugendliche. Auch das entspricht einem Langzeithoch. In den letzten Jahren sind meist weniger als 300 Kinder an den Umzügen mitgelaufen. Dabei sind die Nummern 17 und 19, die für den Nachwuchs reserviert sind, noch nicht einmal eingerechnet.

«Hemmli» mit Grossaufmarsch

Zum Grossaufmarsch beitragen wird auch die Primarschule Hermesbühl mit 58 Kindern und 7 Erwachsenen. Die Schule hat für dieses Jahr von der Vereinigten Fasnachtsgesellschaft Solothurn (UNO) eine einmalige Ausnahmebewilligung erhalten, um an den Umzügen mitlaufen zu können. Diese Zahlen stimmen einen für die Zukunft der Solothurner Fasnacht zuversichtlich. Es scheint, als ob der Nachwuchs für einen Traditionsanlass wie die Fasnacht zu motivieren ist.

Auch punkto Gruppen wird ein neuer Höchststand registriert: Insgesamt 37 Nummern gibt es an den beiden Umzügen – notabene eine mehr als im vergangenen Jahr. 15 Zünfte bauen heuer Wagen, die vor dem Sonntagsumzug auf dem Amthausplatz präsentiert werden.

Der kleinste Wagen misst dabei 5 Meter und die zwei längsten gar stolze 30 Meter. Dazu kommen 13 Guggenmusiken, die das Publikum zum Tanzen bringen werden. Nicht vergessen darf man die Tambouren, die den Umzug traditionsgemäss anführen, und die Jungtambouren, welche die Nachwuchsgruppen ankünden.

Doch was wäre die Fasnacht ohne die weiteren fünf Gruppen, die jeweils mit ihren fantasievollen Kostümen und mitgebrachten Utensilien mit dem Publikum spielen, dieses mit Konfetti einreiben oder mit Süssigkeiten belohnen, wenn freundlich geklatscht wird.

90 Jahre jung geblieben

Eine Zunft, die etwas Besonderes zu feiern hat an dieser Fasnacht, ist die Weschtstadt-Zunft. 90 Jahre bauen sie schon ihre Wagen und bereichern damit die Umzüge. Ihr aktuelles Motto «Mit dr Stretschlimo düse mir dur d’Stadt, die 90 Johr fiire mir zäme im Takt» steht demnach ganz in Zeichen des eigenen Geburtstags.

Ebenfalls Geburtstag feiern die Guggeschränzer: «Glaub mrs, s’isch wohr – Guggemusig d’Guggeschränzer git’s sit 50 Johr!», so das Motto.

Seit nunmehr 50 Jahren sorgen sie für gute Musik in den Solothurner Gassen. Seit 30 Jahren spielen die Konfettistampfer an vorderster Front mit. Stolz dürfen schliesslich auch die Wybeeri Gugge, die Altstadt Rueche und die Tannewägzunft sein. Alle feiern ihr 20-jähriges Bestehen.

Ladensterben und Stadtmischt

Vielversprechend klingen weiter die zahlreichen politisch gefärbten Mottos. Eine besondere Hommage bereiten die Hudibras-Chutze dem Solothurner Stadtpräsidenten Kurt Fluri: «Dr KuFlu würd üs grausam fähle, drumm düe mir ihn uf Läbzyt wähle.» Damit spielen sie auf das kommende Ende der Ära Fluri an.

Ein anderes heisses Eisen sprechen die Kladeredätsch an. Ihr Motto «Lädelidätsch online-Handel wird gäng wie meh – D’Läde hei ihri beschte Zyte gseh» weist auf ein sich verschärfendes Problem in der Stadt hin. Einen weiteren wunden Punkt spricht schliesslich die Narrenzunft Honolulu an. Sie widmen sich der Stadtentwicklung unter dem Motto: «Dr Wytblick sueche mir das Johr und gseh nur Stadtmischt dur das Rohr!»