Ökologisch wohnen
Wohnen auf 38 Quadratmetern – das Tiny House in Bellach ist bezugsbereit

An einem einzigen Tag wurde das Tiny House in Bellach aus drei fertigen Modulen zusammengebaut. Der Prototyp der Firma minim2 ist ausgestattet mit Solaranlage und Pellet-Ofen von Regio Energie Solothurn. Mieter werden noch gesucht.

Anja Neuenschwander
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Architekt Johannes Iff, Schreiner Philip Aeschbacher, die hinter der Firma minim2 stecken und Thomas Gesierich von Regio Energie Solothurn.(v. l.)

Architekt Johannes Iff, Schreiner Philip Aeschbacher, die hinter der Firma minim2 stecken und Thomas Gesierich von Regio Energie Solothurn.(v. l.)

José R. Martinez / Solothurner Zeitung

«Genau hier sind wir gestanden, als das Gashüsli noch stand», sagt Architekt Johannes Iff, als er fürs Foto posiert. «Lang ist's her», meint Schreiner Philip Aeschbacher. Seit September steht nun anstelle der Gasdruckreduzierstation, also dem Gashüsli, ein dreistöckiges Tiny House.

Die Idee dazu hatte das Ehepaar Dreyer, welches das Land von Regio Energie gekauft hatte. Iff und Aeschbacher schlossen sich für das Projekt zusammen und gründeten daraufhin die Firma minim2. Ihr Ziel: Tiny Houses auf leeren Parzellen bauen – maximale Raumnutzung auf minimaler Grundfläche.

Regio Energie Solothurn beteiligte sich am Projekt mit ihrem SOclever-Konzept: Auf dem Dach des Tiny Houses produziert eine Fotovoltaikanlage den Strom, der unter anderem den Wärmepumpeboiler aufheizt. Im Wohnzimmer im Erdgeschoss brennt ein gemütliches Feuer im Pellet-Ofen und an der äusseren Hauswand hängt eine Ladestation für ein Elektroauto. Eine Herausforderung sei gewesen, die ganze Technik auf so kleinem Raum zu verstauen – es habe ja keinen Keller oder ein extra Zimmer dafür, sagt Thomas Gesierich, Leiter Liegenschaftskunden von Regio Energie.

Links die Vorlage von minim2 , rechts das fertige Tiny House in Bellach

Links die Vorlage von minim2 , rechts das fertige Tiny House in Bellach

zvg / José R. Martinez

Lieferengpässe verzögerten den Bauprozess

Das Tiny House in Bellach ist der Prototyp dieser Zusammenarbeit und steht ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit. «Holz ist unser primärer Baustoff», erklärt Iff. Und genau deshalb hatte sich der Bau des Hauses um einige Monate verzögert: Eigentlich hätte alles Ende Juli schon fertig sein sollen. Dann kamen Lieferschwierigkeiten mit dem Holz wegen Corona dazwischen – und die Arbeiten an Fassade und Innenverkleidung mussten unterbrochen werden.

Als man dann alles zusammen hatte, wurden die drei Stockwerke einzeln als Module «unter freiem Himmel» vor Aeschbachers Werkstatt zusammengebaut. Aeschbacher meint dazu:

«Das nächste Mal würden wir die Module nicht mehr draussen zusammenbauen. Aber die Werkstatt war einfach zu klein.»
Im Parterre, links geht es raus auf die Veranda. Links die Vorlage, rechts die Umsetzung in Bellach.

Im Parterre, links geht es raus auf die Veranda. Links die Vorlage, rechts die Umsetzung in Bellach.

An einem Donnerstagmorgen Anfang September seien dann drei Lastwagen und ein Kran aufgekreuzt, die alle Module nach Bellach transportierten. Dort wurden sie auf dem 150 Quadratmeter grossen Grundstück aufeinandergestapelt und fixiert – alles innerhalb eines Tages. Für den Feinschliff brauchte es etwas länger Zeit: «Die Duschwand haben wir gestern noch eingebaut», sagt Iff schmunzelnd.

Direkt unter dem Dach ist Platz für ein Bett, eine Waschmaschine und den Wärmepumpeboiler.

Direkt unter dem Dach ist Platz für ein Bett, eine Waschmaschine und den Wärmepumpeboiler.

zvg/José R. Martinez

Das Konzept mit den Modulen macht das Tiny House flexibel: «Das Haus kann auch schnell wieder abgebaut werden», meint Iff. Für weitere Tiny Houses haben die beiden Kollegen schon Ideen. Ein zweistöckiges Tiny House wäre eine Möglichkeit. Oder man würde die Module nebeneinander platzieren, um altersgerechte Wohnungen zu schaffen. Sogar ein Tiny House auf Rädli könnten sich Iff und Aeschbacher vorstellen.

Interessenten für weitere Tiny Houses gebe es bereits:

«Wir haben einen Nerv getroffen»,

sagt Aeschbacher. Sie seien selbst überrascht gewesen, wie viel echtes Interesse die Leute an dieser alternativen Wohnform haben. «Mit unserer Firma wollen wir so diese Nachfrage abdecken», meint Iff. Konkrete Projekte seien bei minim2 aber noch keine in Planung.

Das Ehepaar Dreyer wohnt momentan am Thunersee. Die beiden planen aber, nach der Pensionierung ins Tiny House einzuziehen. Bis dahin wollen sie die 38 Quadratmeter Wohnfläche vermieten. Im Moment ist man noch auf der Suche nach einem Mieter.

Das Tiny House an der Lommiswilerstrasse 21 in Bellach ist offen für Besichtigungen am Samstag, 30.10., von 10 bis 14 Uhr.

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