Ein riesiges Ensemble auf der Bühne. Davor Dirigent Markus Oberholzer. Auf den Notenpulten die «Carmina Burana» von Carl Orff. Diese begeisterte am Freitagabend in der bis auf den letzten Platz besetzten Rythalle Solothurn das Publikum.

Unter Oberholzers inspirierenden, klug disponierenden und sorgfältigen Leitung erklangen die lebensvollen Verse aus dem 13. Jahrhundert, die Carl Orff vor 80 Jahren zu seinem Meisterwerk inspiriert hatten, beispielhaft als bunter Bilderbogen: lebendig – von berührenden Pianissimo-Stellen bis zu wahren Fortissimo-«Explosionen» – sinnvoll mit vielen kleinen, visuellen Elementen angereichert.

Ohren und Augen der fasziniert mitgehenden Konzertbesucher wurden so in gleichem Masse angesprochen.

250 engagierte Sänger

Der riesige Classic Festival Chor – der Singkreis Wasseramt, der Konzertchor Leberberg und der Konzertchor Oberaargau mit gegen 250 engagierten Sängerinnen und Sängern – bewiesen gleich im ersten Teil «Primo vere», einem Loblied auf den mit elementarer Macht ausbrechenden Frühling, sorgfältigste Schulung: präzis, locker und rein in den verhaltenen Teilen und durchschlagkräftig, ohne aber je unnötig zu forcieren, in den von den vitalen Orffschen Rhythmen – hervorragend die in allen Registern glänzend besetzte Kammerphilharmonie Europa aus Köln – grundierten, gewaltigen Ausbrüchen. Ergreifende, mitreissende Hymnen auf Lebensgenuss, Jugend und Schönheit.

Von erlesener Klangqualität und durchdrungen von grosser Ernsthaftigkeit die eher verhaltenen Beiträge des Mädchenchores des Rudolf-Steiner-Schule Solothurn, aber auch der Bariton Thomas Gropper liess bereits hier mit der klugen Gestaltung von «Omnia sol temperat» aufhorchen. Reizend die Tanzeinlage von Caroline Staubli, Matthias Rossini und Nicola Kuran, die mit ihren aktuellen Tanz-Formen einen erfrischenden Kontrapunkt setzen konnten.

Von grosser Ausgelassenheit war das zweite Bild «In Taberna» mit seiner derben Folge von Trinkliedern, in denen die leiblichen Freuden des Lebens von Mönchen besungen werden; vom Bariton mit heldischen Tönen prächtig eingeleitet, während der arme Schwan – von Simon Witzig als klägliche Parodie gestaltet – im Kochtopf, trefflich begleitet vom «Küchenmeister» Oberholzer, sein trauriges Ende fand. Von deftigem Humor geprägt erklangen die Gesänge der Mönche wie das Spottlied des Baritons.

Amor flattert überall

Feinere Töne führten im dritten Teil «Cour d’amours» zurück in das Reich der Liebe. Besonders schön der Beginn, in dem sich die vorzügliche Sopranistin Carmela Konrad im berückenden Zwiegesang mit dem Kinderchor aus der Höhe vorstellen konnte: Amor flatterte wirklich überall.

In schönster Erinnerung bleiben auch die verzaubernden, silbernen Töne, mit denen die Sopranistin die Hörer in himmlische Höhen entführte. Ein leidenschaftliches Werbelied des Baritons leitete über zu immer orgiastisch werdenden Chorstellen, Burschen und Mädchen fanden sich. Und noch einmal begann sich das Schicksalsrad zu drehen.

Mit der Wiederholung des Chores «Fortuna Imperatrix Mundi» – jetzt sogar angereichert mit Feuerfontänen und einer Tanzeinlage – fand das denkwürdige Spiel seinen finalen Höhepunkt.

Mit begeistertem Applaus dankten Hörerinnen und Hörer all den vielen Beteiligten – vor allem dem souveränen Leiter und unermüdlichen Motivator Markus Oberholzer – für den eindrücklichen Konzertabend, und mit der Wiederholung des Schluss-Chores bedankten sich die «Spielleute».