Solothurner Persönlichkeit
Oberfeldarzt Gianpiero Lupi hinterlässt in Solothurn eine grosse Lücke

Gianpiero Lupi starb nach schwerer Krankheit mit 71 Jahren. Der Solothurner bekam gar das grosse Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Er war bis zuletzt immer «an der Front» und setzte sein Herzblut in vielen Sachen ein.

Wolfgang Wagmann
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Gianpiero A. Lupi
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Sehr verbunden war Lupi auch der Stiftung Swisscor und dem Herzspezialisten Thierry Carrel - hier an der HESO-Eröffnung 2011
Gianpiero Lupis Abschied vom militätischen Dienst 2009 im Landhaus
Grosser Auftritt am Sechseläuten 2008
Der Oberfeldarzt in einem unterirsichen Armeespital
Als Präsident der Stiftung profitierte die Akademie der Generationen im Sommerhaus Vigier von Lupis guten Kontakten
Als Präsident der Stiftung profitierte die Akademie der Generationen im Sommerhaus Vigier von Lupis guten Kontakten
2001 beim Empfang durch Regierungsrätin Ruth Gisi

Gianpiero A. Lupi

Solothurner Zeitung

«Man spürte es im Landhaussaal: Da ging einer, der gemocht wurde.» Niemand ahnte am 4. März 2009, dass dieser Satz unserer Berichterstattung zum Abschied von Gianpiero Lupi als Oberfeldarzt schon bald eine neue, endgültige Dimension bekommen würde. Damals hatten sich sichtlich bewegte Mitarbeitende in eigens kreierten T-Shirts verabschiedet, und gezeigt: «Wir mögen Dich Chef!» Nun hat sich dieser nach nur dreimonatiger, schwerer Krankheit definitiv abgemeldet, mit noch nicht einmal 71 Jahren. Bis zuletzt habe er Interesse an Anliegen wie der Organisation Swisscor gezeigt, sagte am Dienstag ein erschütterter Alt-Bundesrat Adolf Ogi, bis zuletzt in Kontakt mit Lupi.

Immer «an der Front»

«Humorvoll und herzlich» erlebten auch Marco, Melania, Claudio und Ursulina ihren Vater, vor allem wenn es zusammen mit Mutter Beatrice ins Lupi-Feriencamp nach Bergdietikon ging. Gianpiero Lupi war eine Frohnatur, nahm die Handorgel, das Schlagzeug oder die Gitarre zur Hand wenn es ihm passte - und sang auch dazu. «Er war ein grosser Fan der Pfadi» erinnert sich Sohn Marco weiter. Denn Pflichterfüllung waren für Gianpiero Lupi mehr und mehr zum Lebensinhalt geworden, seit er 1969 bis 1972 seine medizinische Karriere als Assistenzarzt am Universitätsspital Zürich gestartet hatte.

Nach einem Forschungsaufenthalt in den USA wurde er 1976 als Oberarzt ans Bürgersspital berufen, 1983 als Leitender Arzt der Interdisziplinären Intensivstation. Der Facharzt FMH für Intensivmedizin mit dem bezeichnenden Hobby «Kriminologie» war auch als Dozent an der Universität Bern tätig, ehe ihn Adolf Ogi als Oberfeldarzt holte. «Er war auch im Ausland sehr präsent, und stets dort, wo man ihn brauchte.» Seine internationalen Kontakte brachten Gianpiero Lupi sogar das grosse Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ein.

«Man kann das Risiko nie auf Null schrauben»

Wenige Tage nach der Tsunami-Katastrophe Ende 2004 war der Oberfeldarzt beispielsweise im Katastrophengebiet in Indonesien unterwegs. Und meinte in einem Interview zu den Risiken der Schweizer Helfer: Diese bestünden «täglich. Schliesslich trage ich als Oberfeldarzt die Verantwortung. Man kann das Risiko nie auf Null schrauben und muss mit den Mitteln, die zur Verfügung stehen, das Beste machen.»

Engagement auch nach der Pension

«Das Beste machen» und auch unbequeme Entscheidungen so treffen, dass alle mitziehen, das gehörte zu Lupis Grundsätzen. Legendär die telefonische Beratung seines Vorgesetzten Samuel Schmid, als diesen bei der Abschiedsrede vor den TV-Kameras das Nasenbluten befiel. Herzblut fliessen liess Lupi aber auch nach der Pensionierung in der Stiftung Swisscor, sowohl dort als Präsident wie in der Akademie der Generationen Solothurn. Gianpiero Lupi gab vielen alles; sie alle haben jetzt vieles verloren.