Solothurn
Oberchessler schwärmt: «Es war meine bisher schönste Chesslete»

Pius Rüegger
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Reto Stampfli zieht voran.

Reto Stampfli zieht voran.

Oliver Menge

Honolulu ganz in Weiss mit roten Farbtupfern – so präsentierte sich zur frühen Morgenstunde die Ambassadorenstadt. Nein, es war kein verspäteter Wintereinbruch. Ja, es war der eindrückliche Aufbruch einer ausgesprochen fröhlich gestimmten Gemeinschaft zur Fünften Jahreszeit – der Chessleten. Weiss das Nachthemd und die Zipfelmütze, Rot das Halstuch.

Die Begleitmusik war traditionell und nicht zu überhören. Gegen Kuhglocken, Hörner, Rätschen, Pfannendeckel, Blechdosen und so weiter und so fort erheischten Extremchessler mit im Rucksack mitgetragener Stereoanlage kaum Aufmerksamkeit. Tradition ist und bleibt Tradition. Dazu gehört die Vorstadtzunft mit ihren beiden riesigen Rätschenwagen vor dem Zytgloggeturm, in jüngster Zeit auch «Geislenchlöpfer» auf der St. Ursentreppe und später auf dem Klosterplatz.

Besammlung auf dem Friedhofplatz für die Chesslete 2017
24 Bilder
Ein einsamer Chessler unterwegs
Oberchessler Reto Stampfli führt an
Chesslete Solothurn
Chesslete Solothurn
Die Chessler ziehen über die Kreuzackerbrücke
Ein schönes Bild: Chessler auf der Fussgängerbrücke unterhalb der Rötibrücke.
Er hat eine Laterne dabei
Ein Meer aus weissen Gewändern
Chesslete 2017 in Solothurn
Ein Bier nach der Chesslete

Besammlung auf dem Friedhofplatz für die Chesslete 2017

Oliver Menge

A propos Rätschen: Dem Vernehmen nach soll es in Deitingen einen Workshop gegeben haben, um zu lernen, wie man solche Dinger selber herstellen kann. Der Härtetest dürfte positiv ausgefallen sein.

Positiv ausgefallen ist das Résumée von Oberchessler Reto Stampfli von der verantwortlichen Narrenzunft Honolulu: «Es war meine bisher schönste Chesslete; die Leute wollen nach den Skiferien offensichtlich nun eine tolle Fasnacht machen». Zudem bemerkte er, dass viele Leute lange mitgelaufen seien. Dazu trug das milde Wetter wesentlich bei. Oder war es die spezielle Assistentin des Oberchesslers, das Gottenmeitschi seiner Gemahlin Monika, Mara Leisibach aus dem luzernischen Römerswil? Die Siebenjährige strahlte jedenfalls nach dem stündigen Umgang durch Alt- und Vorstadt auf dem Säulimäret über alles.

Zufrieden gestrahlt haben auch ein Heimweh-Solothurner aus Irland, eine von einer Solothurnerin eingeladenen Frauengruppe aus Belgien und Holland – sowie zwei Zürcher «Zöiftler» als Stampflis Spezialgäste. Zufrieden war auch die Stadtpolizei. Ihr Kommandant Peter Fedeli und sein Team fanden alles «problemlos und tipp-topp». Auch die Nacht über gab es keine Vorkommnisse; in den Beizen und an den zunehmenden Aussenständen wurden die Vorgaben eingehalten. «Mich hat es gedünkt, diese Chesslete war so gross wie noch nie», wollte sich Fedeli jedoch auf keine fixe Teilnehmerzahl festlegen.

Bis zum Start-Raketenknall punkt 05.00 Uhr war es ruhig auf dem Friedhofplatz. Dann ging das Urgetöse los. Der Tatzelwurm liess sich nicht aufhalten, auch nach dem Gang durch die «Hingeri Gass» vom Poller am Fuss des Zeughausplatzes nicht – wie später vor dem Solheure – und ebenso wenig vom Fahrverbotsschild mit Absperrlatte beim Einbiegen in die Hauptgasse. Auch wenn es ein Lauf- statt eines Fahrverbots gewesen wäre, die Chesslerinnen und Chessler lassen sich nicht bremsen.

Nicht nur der Fasnachtsauftakt wurde gefeiert, auch ein 35. Geburtstag. Diesen dürfte eine Eliane nicht so rasch vergessen, wurde doch ihr zur Ehre auf einem echten Leiterwägeli der Schämpis zum Anstossen mitgezogen.

Die Frage des Frühmorgens stellte ein Chessler beim Einbiegen zum Fusssteg unter der Rötibrücke, nachdem es kurz östlich von der Kreuzackerbrücke der Aare entlang ging: «Gegen was demonstrieren wir eigentlich?» Die passende Antwort dürfte es sich wohl selbst spätestens bei einer dampfenden Gratis-Mehlsuppe in einer der vielen Beizen gegeben haben.