Solothurn

Ob für Forellen oder Christbäume: Viele Stiftungen sind nicht mehr zeitgemäss

Neu soll die Bürgergemeinde mit dem Geld des Spezialfonds zu den Einsiedelei-Forellen schauen.

Neu soll die Bürgergemeinde mit dem Geld des Spezialfonds zu den Einsiedelei-Forellen schauen.

Viele Stiftungen und Legate erfüllen den Verwendungszweck kaum mehr und sind unter der Lupe. Die Gemeinde-versammlung wird am 17. Dezember über deren Auflösung entscheiden.

Schon einmal etwas vom Lack’schen Christbaumfonds gehört? Ende letztes Jahr waren 10 000 Franken im Fonds, 6000 mehr als der am 29. Dezember 1865 verstorbene Urs Josef Lack, ehemaliger Direktor der von Roll’schen Eisenwerke, der Stadt vermacht hatte. Schon 1884 hatte der Fonds dank Schenkungen und Zinsen die 10 000 Franken erreicht, und seither wurden die Zinsen der Schulverwaltung für die Christbaumfeier zur Verfügung gestellt.

Doch eben: mit dem heutigen Zinsertrag von 200 Fränkli ist es unmöglich, eine ordentliche Christbaumfeier zu organisieren. Und so kam der Christbaumfonds wie 22 andere Stiftungen und Legate unter die Lupe von Finanzverwalter Reto Notter. Fazit: Der Nachlass des Herrn Lack wird in den nächsten drei Jahren anteilmässig aufgelöst und der Schulverwaltung «zur vermächtnisgemässen Verwendung» gutgeschrieben.

Zugunsten der Schule

Auffallend viele Nachlässe kamen armen Schulkindern zugute, über deren Auflösung nun die Gemeindeversammlung vom 17. Dezember das letzte Wort hat. So sollen unter anderen folgende Fonds aufgelöst und der Schulverwaltung die zweckgerechte Verwendung der Gelder überlassen werden: der Brunner-Fonds von 1872 mit einem Bestand von 3750 Franken, die Wetzel-Kaufmann-Stiftung für die Ferienversorgung armer Schulkinder von 1906 dotiert mit 6850 Franken, der Greder-Brunner-Fonds und der Professor Zschokke-Fonds von 1911 und 1926 mit zusammen über 28 000 Franken oder der Otto Haeflin-Fonds von 1928, ausgestattet mit 10 450 Franken.

Etwas spezieller ist die Situation beim Wittmer-Fröhlicher-Fonds aus dem Jahr 1872 mit immerhin 8900 Franken in der Kasse: Da der Fonds nur römisch-katholische Kinder unterstützen soll, wird er zwar aufgelöst, aber dem römisch-katholischen Pfarramt zur stiftungsgemässen Verwendung übergeben. Die älteste, die Ruossinger’sche Stiftung, wurde übrigens vom gleichnamigen Chorherrn schon 1693 gegründet, und weist immerhin den stolzen Kassenbestand von über 188 000 Franken aus, der zur Unterstützung der studierenden Jugend bestimmt ist. Im Gegensatz zu den anderen erwähnten Fonds wird die auch «XII. Kanonikat» genannte Stiftung weitergeführt.

Und die edle Kunst

Etliche Nachlässe haben hochherzige Solothurner früher der Kultur und edlen Kunst vermacht. Bestehen bleiben beispielsweise der 1916 errichtete Franz Anton-Zetter-Fonds für das Museum mit über 66 000 Franken Bestand oder der Brosi’sche Gründungsfonds von 1917, dotiert mit 23 500 Franken. Heute fliesst dessen Zinsertrag in die Gemeindestubenkommission, die immer noch eine Volksbibliothek im Haus Hirschen führt.

Dagegen sollen der 1926 errichtete Hungerbühler-Fonds für das Museum, ausgestattet mit über 70 000 Franken, sowie der ähnlich dotierte Bally-Fonds aus dem gleichen Jahr aufgelöst werden – profitieren würden davon das Kunstmuseum, das Museum Blumenstein und das Naturmuseum. Immer vorausgesetzt, die Gemeindeversammlung vom nächsten Dienstag, 17. Dezember, stimmt dem Vorgehen zu.

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