Chlausemäret Solothurn
Nur zwei Esel stehlen dem Samichlaus und dem Schmutzli die Show

Wenn der Samichlaus zusammen mit dem Schmutzli auf dem Friedhofplatz Hof hält, schlagen nicht nur Kinderherzen höher. Der Chlausemäret mit adventlich ausstaffierten, rot bedachten Märetständen ist die erste grosse Duftmarke des Advents in Solothurn.

Wolfgang Wagmann
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Was es da alles gibt
14 Bilder
Susi Egli und Barbara Gisiger sind ein eingespieltes Glühwein- Verkaufsteam
Nach dem Värsli ists immer am schönsten
Chlausemäret Solothurn 2014
OK-Mitglied Max Kaeser freut sich über glitzernden Weihnachtsschmuck
Klein-Klaus und die Polizei
Im Reich der Grittibänzen
Gruppenbild mit Damen
Es gibt auch eine Chlausekrippe
Er lässt sich gerne striegeln
Die Vereinigung Pro Friedhofplatz organisiert den Chlausemaret
Der Friedhofplatz gibt einen stimmungsvollen Rahmen für den Chlausemäret ab
Die Glühweinproduktionsbrigade mit (v. l.) Pascal Miniat, Roland Hubli, Thomas Schmelzer und Kurt Gantenbein.
Die Heilsarmee spielt auf

Was es da alles gibt

Wolfgang Wagmann

Die Bise pfeift unbarmherzig durch die Kronen der beiden Platanen, wirbelt die letzten Blätter über den Friedhofplatz. Die beiden Esel im Gehege werfen nervös die langohrigen Köpfe hin und her. Wo bleibt nur der Samichlaus? Längst haben sich auf dem Friedhofplatz – sein alter Spitzname Söilimäret wäre angesichts der beiden Grautiere deplatziert – mit Menschentrauben gut gefüllt.

Und die Kinder warten nur auf ihn, den Namensgeber des Chlausemärets: den Samichlaus, mit dem Schmutzli als willkommene Staffage. Denn wer das Värsli vor dem rotweissen, bärtigen «Kapuziner» mehr oder weniger gekonnt aufsagt, erhält vom Kollegen in der braunen Kutte den Lohn. Nüssli, manchmal ein Mandarinli.

Doch es ist wie immer: Die Verweildauer bei den Eseln ist länger. Die wollen keine Värsli hören, die ohnehin meist nur noch dahingehastete Vierzeilerli sind. Was etwas irritiert: Neben dem Thron und dem Zelt der beiden bärtigen Kinderfreunde prangt gross ein gelbes Warnschild der Stadtpolizei: «Achtung Taschendiebe!» Offenbar langt am «Chlauemäret» nicht nur der Samichlaus in den Sack ...

Gut für den Glühweinverkauf

Seit 15 Jahren schon hütet Urs Gysin seinen Lederwarenstand auf der Südseite des Friedhofplatzes. Frieren? Das ist für ihn ein Fremdwort. Auch wenn es ab diesem Jahr vier Stunden länger hinter dem Stand stehen heisst. «Die Bise ist gut für den Glühweinverkauf», weiss Gysin aus Erfahrung. Er gehört dem Chlausemäret-OK an, das neu von Philipp Hofer präsidiert wird. Conny Grossenbacher ist für die Auswahl der 70 Stände verantwortlich, Rolf Grau nicht etwa – wie der Name vermuten lässt – für die Esel, sondern fürs Elektrische. Die Kasse obliegt Carmen Schmelzer, das Sekretariat Carmen Merz und last but not least hilft Max Kaeser als «Mann für alle Fälle» mit.

Die meisten Standinhaber «sind Wiederholungstäter», so Conny Grossenbacher, die zwei kurzfristige Absagen managen musste. «Für einen ist sehr kurzfristig Daniel Boutellier mit dem Weissensteinbier eingesprungen, der andere Stand wird heute noch besetzt.» Daneben sind sechs neue Angebote am Chlausemäret aufgetaucht, so neben dem «Blumenraum» gleich ausserhalb des Söitörlis auch «Altbooken» aus St. Gallen mit Notizblöcken aus Altpapier oder von Basel «The Beachhouse» mit weissen Retro-Vintage-Möbelchen. Klassiker aber bleiben der Beinschinken von Ruedi Wälchli in der Platzmitte, die goldglänzenden Hofer-Bänzen nebenan oder, ein Eycatcher der besonderen Art, der Stand mit verblüffend echt wirkendem Schoggi-Werkzeug.

Aktive Glühweinbrigade

Der Anziehungspunkt für die Erwachsenen ist jedoch der Glühwein-Ausschank zwischen den beiden Platanen. Wie immer sind Susi Egli und Barbara Gisiger ehrenamtlich aus Plausch dabei und schenken im Akkord die wärmende Mixtur in den Chlausemäret-Tassen aus. «Der Erlös wird für die Platzbeleuchtung eingesetzt, und davon haben schliesslich alle Anwohner des Friedhofplatzes etwas», erklärt OK-Präsident Philipp Hofer. Nicht mehr aktiv dabei ist Bethli Reinhard, die jahrzehntelang den Märet zusammen mit ihrem verstorbenen Mann Hanspeter organisiert hatte. «Aber sie stellt uns immer noch ihre Garage für die Glühweinproduktion zur Verfügung. Und darüber sind wir sehr froh», so Hofer.

Dort erinnert einiges an eine Alchemistenküche: dampfende Töpfe, Schläuche und Batterien von Flaschen mit Rotwein und Orangensaft. «Beim Wein achten wir auf eine gute Qualität.» Das ist das Einzige, was sich Kurt Grossenbacher zur Rezeptur des würzigen Gebräus entlocken lässt. Mit seinen Kollegen Pascal Miniat, Roland Hubli und Thomas Schmelzer hat er nur ein Ziel: den letztjährigen Ausschank zu toppen. «Damals waren es 1184 Liter und 3 Dezi, verrät Roland Hubli. Die Chancen dafür stehen gut: Denn wie gestern fängt der Chlausemäret mit einem Abendkonzert des Posaunenchors Biberist neu bereits um 12 Uhr an und dauert bis 21 Uhr.