Zu früh gefreut hatte sich Markus Moerler, seit dem Spätsommer Betreiber des In-Treffs Dock an der Aare, in seinem Newsletter, dem «Flaschengeist»: Es sind Filmtage, also haben wir jeweils Freinacht! Doch da irrt er sich. «Freinächte gibts an den Filmtagen nur für jene Bars und Restaurants, die mit den Filmtagen auch zusammenarbeiten», hält dazu Stadtschreiber Hansjörg Boll fest.»

Was Moerler nervt. Denn das bedingt, dass der jeweilige Betrieb Gönner der Filmtage wird und dafür eine Pauschale von 500 Franken berappt. «Die zahle ich nicht. An den Filmtagen soll jeder öffnen können, wenn er will», so sein Standpunkt. Was ihn besonders stört: dass die Filmtage bei der Gönneranfrage gleich noch ein Gesuchsformular für die Freinacht an die Stadtpolizei mitliefern, die Filmtage also quasi eine behördliche Bewilligung als Sponsoring-Leistung verkaufen können.

Keine generelle Bewilligung

Doch Hansjörg Boll verweist auf einen Beschluss der Gemeinderatskommission GRK vom Mai 2018. Dort ist festgehalten: «Die Stadtpolizei kann nach Rücksprache mit dem Stadtpräsidium an wichtigen städtischen Anlässen wie beispielsweise den Filmtagen, den Literaturtagen oder dem Märetfescht von den ordentlichen Öffnungszeiten abweichende Bewilligungen erteilen.» Und weiter: «Die verlängerten Öffnungszeiten gelten dabei nicht generell für alle Betriebe, sondern nur für diejenigen, die mit den Organisatoren zusammenarbeiten.»

Dies ist auch nach dem kantonalen Arbeits- und Wirtschaftsgesetz möglich. Jonas Motschi, Leiter des Amtes für Wirtschaft: «Die Gemeinden können Freinächte bewilligen. Sie haben aber die Möglichkeit, diese zu auf gewisse Quartiere zu beschränken oder auch nur im Rahmen einer einzelnen Anlassbewilligung zu genehmigen.»

Das Gönner-Paket der Filmtage

Ursula Pfander, Medienchefin der Filmtage, erklärt das Gönner-Paket des Festivals wie folgt: «Wir fragen jeweils die Bars und Restaurants an, ob sie Gönner werden wollen. Sie können für die 500 Franken in unseren Kommunikationsmitteln erwähnt werden, im offiziellen Stadtplan aufgeführt werden und eben um eine Freinacht-Bewilligung ersuchen.» Dass diese über die Filmtage eingeholt wird, begründet sich vor allem mit dem knappen zeitlichen Vorlauf bei der Herstellung der Kommunikationsmittel.

Übrigens: Die Gönnerbetriebe können auch wählen, ob sie das offizielle Festivalbier «Abspann» der Öufi-Brauerei ausschenken möchten. Ursula Pfander: «Nicht alle Betriebe machen von sämtlichen Möglichkeiten Gebrauch.»

Wie was geregelt ist

Im Gegensatz zu den Filmtagen ist die Fasnacht im GRK-Beschluss klar geregelt: Freinacht gilt für den Schmutzigen Donnerstag, den Freitag und Samstag sowie den Fasnachtssonntag und -dienstag. Am Hilaritag, 13. Januar, darf bis 2 Uhr geöffnet sein, am Fasnachtsmontag auf Dienstag bis 3 Uhr. Freinächte gibts generell auch an Silvester und Neujahr, am 1. Mai und 1. August darf bis 2 Uhr gefeiert werden.

«Letztes Jahr hatten wir erstmals eine Anfrge im Rahmen der Literaturtage. Und auch das Märetfest und die Kulturnacht sorgen für Anfragen», weiss Hansjörg Boll. «Bei der Kulturnacht berücksichtigen wir ebenfalls nur Gesuche von Restaurants oder Bars, die sich in dieser Nacht auch kulturell engagieren.» Was mitunter wohl eher schwierig zu kontrollieren sei. Ohnehin findet er die neue Regelung im Rahmen des Wirtschafts- und Arbeitsgesetzes «hanebüchern». Die frühere Lösung, bei der jeder Betrieb Freinacht-Kontingente habe beanspruchen können, sei viel besser gewesen. «Seither haben wir viel mehr Probleme.» Wobei die Stadt nach wie vor restriktiv bleibt: Ohne durchlaufenes Baubewilligungsverfahren gibts die im Gesetz vorgesehene Öffnungszeit an Wochenenden bis 4 Uhr nicht.

So muss wohl auch Markus Moerler auf Freinächte an den Filmtagen verzichten – ausser er wird Filmtage-Gönner. Nach Rücksprache mit dem Leiter Rechtsdienst, Urs F. Meyer, hält Boll jedenfalls fest: «Er kann ein Gesuch stellen. Aber wir können es nicht bewilligen.»