Solothurner Wetter
Nur wenige Hundstage, dafür eine lange, verspätete Schafskälte

Trotz einer kurzen Hitzeperiode brachte der Juni keine sommerliche Aufbruchstimmung. Im Gegenteil, er war sogar der kälteste seit 2001. Verspätet stellte sich dagegen die Schafskälte ein.

Wolfgang Wagmann
Merken
Drucken
Teilen
Sie konnten nur leicht bekleidet, aber mit einem Schirm «bewaffnet» das «Märetfescht-Gütschli» locker überstehen.

Sie konnten nur leicht bekleidet, aber mit einem Schirm «bewaffnet» das «Märetfescht-Gütschli» locker überstehen.

Felix Gerber

Die zwei grässlichsten Tage waren ausgerechnet der erste und letzte Samstag im Juni: Beide Male goss es wie aus Kübeln, am 1. Juni kamen so 25, am 29. Juni nochmals 13 Liter Regen pro Quadratmeter zusammen. Das sind rund 40 Prozent der Gesamtregenmenge des Monats in Solothurn, die mit 95 Litern leicht unter dem langjährigen Mittel geblieben ist. Schlimmer als der Regen mutete nach dem anhaltend sehr kühlen Frühling das über weite Strecken auch zu kalte Juniwetter an.

Mit einem Monatsdurchschnitt von nur gerade 17,5 Grad lag die Temperatur fast ein Grad unter dem langjährigen Mittel. So kalt war übrigens der Juni seit 2001 nie mehr gewesen – damals fiel er mit 16,6 Grad aber noch deutlich kälter aus. Eine deutliche Sprache spricht aber auch die Durchschnittstemperatur des ganzen ersten Halbjahres 2013: Mit nur gerade 7,5 Grad liegt diese um gut 1 Grad unter den langjährigen Mittelwerten. Zum Vergleich: Letztes Jahr gabs in den ersten sechs Monaten 8,4 Grad, 2011 waren es sogar 9,6 Grad gewesen.

Abgesehen vom himmeltraurigen 1. Juni liess sich der erste Sommermonat gar nicht so schlecht an. Nach dem feuchttrüben Mai wirkte die erste Juniwoche mit zunehmendem Sonnenschein und allmählich auch Mittagswerten über 20 Grad geradezu verheissungsvoll. Allerdings war die Bise vorerst noch der grosse Spielverderber. Einen herben Dämpfer brachte der 10.Juni mit einem nasskalten Regentag und rund 30 Liter Regen binnen 36 Stunden. Nach den ersten zehn Junitagen stellt sich normalerweise die sogenannte Schafskälte ein, die aber nur als kleine Temperaturdelle registriert wurde.

Denn rasch wurde es wieder wärmer, aber nicht stabil, machten doch bereits am 13. Juni abends spektakuläre Sturmböen am Eidgenössischen Turnfest in Biel, aber auch in der Region Grenchen einiges platt. Solothurn kam ungeschoren davon, und aufs dritte Wochenende installierte sich erstmals für einige Tage ein Hitzehoch, eine sogenannte Omega-Lage über der Schweiz. Vom 17. bis 20. Juni wurde die 30-Grad-Marke mehrfach durchbrochen, 32 Grad wurden zweimal erreicht.

Ja vom 18. auf den 19. Juni gab es sogar eine veritable Tropennacht, in der das Thermometer nie unter 20 Grad absackte. Das wars dann aber auch schon mit dem Sommer, denn am Abend des 20. Juni brachte ein Gewittertief einen massiven Temperatursturz und eine Superzelle mit sich, die von Genf bis Biel alles verheerte – nicht nur die Rebberge der Bürgergemeinde Solothurn, sondern auch ein zweites Mal die Turner-Zeltstadt in Biel, wo viele Verletzte zu beklagen waren.

Ausser einigen kräftigen Böen bekam Solothurn davon wenig ab, und das dreitägige Märetfescht konnte bei ein, zwei Regenschauern, aber noch angenehmer Wärme reibungslos abgewickelt werden. Die letzte Juniwoche brachte aber wieder kühles, windiges Westwindwetter mit wenig Sonne – am 29. Juni war es mittags gerade mal 13 Grad kühl, die Aare wies immerhin 15 Grad (!) auf.

Nach einem nassen Mittwoch setzt sich nun aufs Wochenende das Azorenhoch durch. Es bringt schönes, aber nicht sehr heisses Sommerwetter mit. Auch mittelfristig sieht es keineswegs nach einer grösseren Hitzewelle aus -– Hundstage hin oder her.