Traders
Nur die verflixte «Gretchenfrage» blieb unbeantwortet

Roberto Conti, Lehrer an der Kantonsschule und Gemeinderat von Solothurn, stellte sich den Fragen und Deals der neuen SF-Quizshow. Sein Fazit: Auf dem Sofa zuhause sieht das alles viel einfacher aus als vor laufender Kamera.

Andreas Kaufmann
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«Insgesamt war ‹Traders› für mich eine wunderbare Erfahrung.» ak

«Insgesamt war ‹Traders› für mich eine wunderbare Erfahrung.» ak

Solothurner Zeitung

«Das sieht vom Sofa immer viel einfacher aus, als es wirklich ist», so die Erkenntnis, die Roberto Conti aus «Züri Leutschebach» mit nach Solothurn genommen hat. Der 52-jährige Gemeinderat und Kantonsschullehrer im Fach Wirtschaft und Recht war Anfang Januar in zwei Folgen der Quizshow «Traders» mit Roman Kilchsperger im Schweizer Fernsehen SF 1 zu sehen. Dabei konnte er die Perspektive des Fernsehguckers mit jener des Quizkandidaten tauschen.

Und wer es einmal erlebt hat, weiss: Die Anspannung unter dem Scheinwerferlicht hat viele Gesichter. Ist das Lampenfieber erst mal im Griff, peinigen da noch Quizfragen und lockt die Aussicht auf Preisgeld. Und da wäre noch das für die Sendung bezeichnende «Märten» um richtige oder gebluffte Antworten ...

Der Teufel steckt in der Quizfrage

Während sich also Conti durch die Quizfragen aus unterschiedlichen Themengebieten kämpfte, schien er stets stoische Ruhe zu bewahren – ebenso wie beim Feilschen. «Doch die Anspannung war gross. So eilte der Kameramann im richtigen Moment mit dem Frottétüchlein heran, damit ich mir die Schweissperlen von der Stirn tupfen konnte.»

Auf dem Weg zur Zehntausenderfrage wollte Conti seine Antworten oft durch die Unterstützung der Traders bestätigt wissen. Bei der Frage Nummer zehn – einer Gretchenfrage im wahrsten Sinne des Wortes – geriet er allerdings ins Straucheln: «Wer stellt Faust die Frage nach der Religion?» Die rettende, weil richtige Antwort eines Traders – nämlich «Gretchen» – hätte ihm aus der Patsche geholfen.

Doch ein Deal für die erkaufte Antwort kam nicht in der dafür vorgesehenen Frist von 20 Sekunden zustande. 6000 Franken hatte der Trader verlangt, 5500 hatte Conti angeboten. Mit dem «Teufel» als Antwort tippte Conti allerdings daneben, sodass er nach neun richtigen Antworten und 44 Minuten leer ausging: «Was mich wurmt, ist nicht das Ausscheiden an sich. Vielmehr ist es die Tatsache, dass wir den Handel um die richtige Antwort nicht haben abschliessen können.» Kirchspergers Fazit nach der Sendung: «Roberto, über diese 500 Stutz Differenz wirst du dich noch lange ärgern.»

Kilchsperger mal anders

Insgesamt zählt Roberto Conti den Abstecher vor die Kamera aber zu einer wunderbaren Erfahrung: «Die Fernsehleute waren allesamt gut gelaunt und niemand wirkte gehetzt. Ich fühlte mich auch vor- und nachher gut betreut und keinen Moment alleingelassen.» Das positive Bild gilt aus Sicht von Conti sogar für Roman Kilchsperger, den Moderator, dessen Humor nicht jedermanns Sache ist: «Auch ich musste mein Bild über ihn revidieren. Ich habe ihn als sympathischen Menschen erlebt.»

Dass er nach seiner Anmeldung im vergangenen August und dem entsprechenden Casting gar als Einzelkandidat für «Traders» eingeladen wurde, hatte ihn völlig überrascht: «Ich hatte mir bestenfalls Chancen ausgerechnet, als Trader mitzuspielen.» Zu Hause haben indes viele seiner Schülerinnen und Schüler vor dem Bildschirm mitgefiebert. Mit einigen Klassen hatte er auch schon die «Arena» besucht oder nach seinem eigenen Auftritt auch «Traders». Die TV-Show hat Conti übrigens auch didaktisch inspiriert: «Manchmal setze ich das ‹Traders›-Prinzip im Unterricht ein – mit Quizfragen rund um Wirtschaft und Recht.»