31 Jahre lang betreute sie bis April 2014 der ehemalige Werkhofmitarbeiter Otto Marrer. Die letzten sieben Jahre nach seiner Pensionierung erledigte er diese Aufgabe zusammen mit der Ornithologischen Gesellschaft Solothurn. Seine Nachfolge trat letzten Sommer Markus Morand an. «Der neue Taubenvater ist hauptberuflich Friedhofgärtner, privat Wildhüter und Jagdleiter und seit Sommer 2014 im Amt», stellt ihn der Chef des städtischen Werkhofs, Patrick Schärer, vor.

Somit sei der Werkhof an der Taubenbetreuung näher dran und kann sie effektiver unterstützen. In seine neue Tätigkeit wurde Morand durch Wildhüter-Kollege Kurt Frölicher (Riedholz) eingeführt.

Altstadtbrand sei Dank

Noch näher ans Geschehen kamen die 35 Personen, die auf Einladung der Grünen der Stadt Solothurn und ihrer traditionellen Frühlings-Naturexkursionen die zwei Taubenschläge ob der Jesuitenkirche besichtigen konnten. «Sie sind imposant und speziell über dem Kirchengewölbe», sagte der neue Taubenvater.

Als Folge des Brandes 2011 in der nachbarschaftlichen westlichen Häuserzeile der Hauptgasse wurde dieser Bereich saniert und gleichzeitig zugänglich für Besucher gemacht. Die drei anderen Standorte sind dazu nicht geeignet und den kleinsten im Prison bevölkern fast keine Tauben. Jeden Dienstag und Freitag ist der Taubenvater jeweils eine Stunde mit Reinigen und Futter Bereitstellen beschäftigt.

Tauben nie füttern!

Ein wichtiger Aspekt ist die Fütterung. «Damit die Tauben gesund bleiben, muss die Fütterung konzentriert und mit Mineralstoffen angereichert sein», erwähnte Markus Morand. Die Tauben sind Samen- und Körnerfresser, Vogelkörner sind also kein Problem. Das Picken an Kieselsteinen ist für sie lebenswichtig, weil sie daraus Kalkpartikel aufnehmen können.

Gift hingegen ist das wilde Füttern vor allem mit Brot und Reis. «Zum Beispiel auf dem Friedhofplatz, im Schwanenpark bei der Eisenbahnbrücke und in der Vorstadt machen wir vor allem ältere Leute immer wieder darauf aufmerksam», kämpft der Taubenvater gegen diese Unsitte. «Unsere Devise ist, die Leute direkt ansprechen», unterstützte ihn Patrick Schärer. Dieses wilde Füttern kann Krankheiten auslösen und zu einer Überpopulation führen. Die Böden in den Schlägen sind mit Sand bedeckt. «In diesem Sandbad entfernen die Tauben Ungeziefer», klärte Morand auf.

Rund 100 werden überfahren

Die Stadttauben sind standorttreu. Sie bewegen sich in einem Radius von mehreren hundert Metern. Wegen des Marders gibt es keinen Nachwuchs. «Er kommt über die Dächer und sein Geruch verhindert, dass Tauben dort nisten. Über ein Jahr gab es keine Nistung und es gibt auch keine Mittel, den Mardergeruch zu bekämpfen», erklärte Morand. «Sie kommen zum Schlafen, aber Nistungen stellen wir wegen Störungen nicht fest», ergänzt er. Eine Geburtenkontrolle wird nicht gemacht. Tauben werden parasitenfrei durchschnittlich 15-jährig. «Ich habe auch schon 20 Jahre alte Tauben gesehen», sagt Alt-Taubenvater Otto Marrer. In der Stadt fühlen sie sich sicherer als im Umfeld. Schwärme gibt es auf dem Rosegghof und beim Schwanenpark übernachten sie in der Eisenbahnbrücke. Pro Jahr gehen rund 150 Tauben ein, rund 100 weitere werden überfahren. «Wir bewirtschaften die Tauben, damit kein Überhang entsteht, zudem müssen wir der kantonalen Jagdverwaltung die Population melden», so Morand. Die Zählung übernimmt der Taubenvater bei seinen nächtlichen Kontrollgängen. Die Tauben schlafen auf sogenannten Sitzsädeln, die unterteilt sind, damit sie sich nicht gegenseitig stören.

Noch ein interessantes Detail: Nicht nur Tauben, sondern auch Alpensegler finden zu Jesuiten ein Zuhause. «Diese befinden sich einen Stock tiefer», sagte Gemeinderat Heinz Flück.