Die Temperaturen für die Gardisten in Uniform waren in Solothurn um einiges angenehmer als in der Bruthitze der ewigen Stadt. Doch egal wo sie sich gerade befinden, stets sind sie von Schaulustigen umringt. Kaum stimmte die «Banda» den «Solothurner Marsch» an, wurden Kameras und Handys gezückt. Wann bietet sich in schon die Gelegenheit, ausserhalb Roms Schweizergardisten zu fotografieren.

Am Infostand freute sich Thomas Marti aus Biberist über den Heimatbesuch. Er ist aktiver Gardist und brachte Werbematerial und Devotionalien mit. Sichtlich motiviert über die Reaktion der Besucher, beantwortete er Fragen, verkaufte Kerzen und Statuen. Im Museum Altes Zeughaus erinnerte sich Kommandant Christoph Graf derweil an den Moment, als Papst Franziskus ihn in Sri Lanka fragte, ob er als Kommandant zur Verfügung stehen würde. «Der Heilige Vater betonte, er wolle eine väterliche Persönlichkeit. Aber Disziplin müsse sein ...!».

Der Unterschied zu vorherigen Päpsten sei, dass Papst Franziskus nicht im Palast, sondern im Domus Sanctae Marthae, dem Gästehaus des Vatikanstaats, wohne. Dies zeuge zwar von der Bescheidenheit des Bischofs von Rom, stelle die Garde jedoch vor grössere sicherheitstechnische Anforderungen als bis anhin.

Ex-Gardist, Theologe und Autor Reto Stampfli steuerte historische Fakten bei und stellte sein Buch «Die Schwiegermutter des Papstes» vor. Olivier Sittel, Gardefotograf und Notafallseelsorger des Kantons Zürich, konnte als Deutscher zwar nicht in die Garde eintreten, aber einen tollen Bildband herausgegeben, für den er vier Monate im Vatikan verbrachte.

Exerzieren und Festgottesdienst

Am Sonntagvormittag zogen die Gardisten auf den Amthausplatz und exerzierten vor einer staunenden Menge, bevor sie durch die Altstadt in die Kathedrale einzogen. Aktive Gardisten waren sich das stundenlange Strammstehen gewöhnt, Ehemalige hielten sich wacker und kamen trotz Weihrauchschwaden nicht ins Wanken. Nach der von Bischof Felix Gmür zelebrierten Messe dankte Landammann Remo Ankli allen, denen je ein Papst sein Leben anvertraute: «Darauf dürfen aktive und ehemalige Gardisten stolz sein.» Kommandant Christoph Graf gab zu bedenken, dass es in zwanzig Jahren schwierig werden könnte, in einen zunehmend «entchristlichten Umfeld» neue Rekruten zu gewinnen.

Er prangerte die Haltung der Schweizer Kirche an, die immer mehr dem Zeitgeist folge anstatt sich für christliche Werte stark zu machen. Für seine Worte bekam er beim Apéro, wo er auch seine Vorgänger Elmar Mäder und Pius Segmüller traf, viel Zuspruch. Aktueller Chef und Vorgänger waren mit Armee-Chef Philippe Rebord und André Blattmann auch seitens des Militärs vor Ort. Beide attestierte den Bodyguards des Papstes grosse Professionalität.

Roman Angermann, Präsident der die Zentraltagung organisierenden Sektion Solothurn der Vereinigung der Ex-Gardisten, freute sich über den Grossaufmarsch von 463 Ehemaligen und Aktiven sowie am Interesse der Solothurner: «Unser Motto «Schweizergarde zum Anfassen» hat sich voll erfüllt.»