Solothurn
Nun steht ein Verein mit 110 Mitgliedern hinter den Aktivitäten im Kapuzinerkloster

Neu unterstützt der Verein für das Kapuzinerkloster die Aktivitäten in der kantonseigenen Anlage, wo Urs Bucher das sogenannte Kloster-Team führt. Präsident des neuen Vereins ist der Solothurner Gemeinderat Beat Käch.

Wolfgang Wagmann
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Das Kapuzinerkloster Solothurn: Was geschieht damit?
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Blick in den Kreuzgang
 Ein Anlass, der in den letzten Jahren häufig dort stattgefunden hat, ist die Messe Authentica – 2017 zum letzten Mal.
Urs Bucher war Organisator. Bis er die Authentica abgab und stattdessen «Natürlich im Chloschter» durchführte.
Aufbau für «Natürlich im Chloster»
Im Kapuzinerkloster wurde auch schon Fasnacht gefeiert. Auftritt der Stedtlischiisser 2018 im Refektorium des Kapuzinerklosters Solothurn
Anlässe im Kapuzinerkloster Solothurn
Das Röstiessen der Perspektive wird ebenfalls im Kloster durchgeführt
Röstiessen der Perspektive

Das Kapuzinerkloster Solothurn: Was geschieht damit?

hanspeter baertschi

«Unser Ziel ist es, dass die Klosteranlage der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung steht, dass man beispielsweise ohne Konsumzwang im Klostergarten ein Buch lesen kann», schildert Beat Käch die Stossrichtung des neuen Vereins für das Kapuzinerkloster Solothurn, der diese Woche offiziell gegründet worden ist und bereits 110 Mitglieder zählt. Zwar müsse man noch die Statuten verabschieden, aber mittelfristig strebe man «mindestens 300 Mitglieder» an, so der Präsident.

Die Vereinsbeiträge liegen bei 50 Franken für Einzelmitglieder, 75 für Familien und möglich ist auch ein Gönnerstatus von 250 Franken. Der Verein stelle «das im vergangenen Jahr aufgeblühte Leben im Kapuzinerkloster auf eine breitere Basis», hält Vereinsmitglied Alwin Gasser zudem in einer Medienmitteilung fest.

Gemeinderat Beat Käch präsidiert neu den Verein für das Kapuzinerkloster Solothurn.   

Gemeinderat Beat Käch präsidiert neu den Verein für das Kapuzinerkloster Solothurn.   

Wolfgang Wagmann

Noch offene Fragen

Ebenfalls hofft Beat Käch neben zusätzlichen Mitgliedern auf einen allfälligen grösseren Spender, um einem weiteren Vereinsziel näherzukommen: der Unterstützung der Kloster-Aktivitäten durch die Gründung einer GmbH. Auf 20'000 Franken beziffert der Vereinspräsident das dafür notwendige Kapital. Die vereinseigene GmbH soll laut der Mitteilung ermöglichen, «den angelaufenen Betrieb mit dem bisherigen Klosterteam weiterführen».

Dieses Team gruppiert sich um Urs Bucher, der durch den Klostereigentümer, den Kanton Solothurn, vertraglich mit der Aufsicht und Nutzung der Anlage betraut ist. Zu dieser Vereinbarung habe er noch offene Fragen, die er mit dem Kanton zuerst genauso klären wolle, wie die nach wie vor hängige künftige Nutzung des Klosterareals (vgl. Kasten). «Wir möchten wissen, was möglich ist, und was nicht», meint Käch. Oder genauer: «Wir wollen uns nicht die Finger verbrennen.» Deshalb ersuche man beim Kanton, respektive dem zuständigen Hochbauamt, um einen Gesprächstermin.

Vorstand erweitern

Laut Käch sollen keine Vorstandsmitglieder des Vereins im Führungsgremium der zu gründenden GmbH vertreten sein. Er selbst kann im Vereinsvorstand aktuell auf die Unterstützung des Unternehmers Urs Rickenbacher, des Versicherungsfachmanns und Finanzexperten Stefan Ryser sowie auf den ehemaligen Leiter des Discherheims, Daniel Held, zählen. «Wir möchten den Vorstand noch um eine Juristin oder einen Juristen erweitern», hält Beat Käch dazu fest. Die erste Generalversammlung wolle der Verein zudem am 31. Januar abhalten.

Der «franziskanische Geist»

Der Verein, aber auch die spätere vereinseigene Gesellschaft oder GmbH, die das operative Geschäft führen wird, orientieren sich an einem Betriebskonzept mit zwei Grundsätzen: Das Kapuzinerkloster soll in «franziskanischem Geist» betrieben werden – Achtung und Respekt vor Mensch und Natur seien konkret zu leben. Der zweite Grundsatz: «Durch stete Belebung des Klosters das Baudenkmal vor Zerfall schützen».

Konkret will das Klosterteam Asylsuchenden, aber auch Menschen, die kein dauernd genügendes Einkommen erzielen können, und Freiwilligen Beschäftigungen anbieten. Beat Käch: «Theoretisch hätte im Kloster Platz für bis zu 20 Asylsuchenden.» Ein zweites weites Thema ist der Respekt vor Lebensmitteln. Nebst dem Anbau von eigenem Obst und Gemüse im Klostergarten – genutzt auch durch das Schulhaus Hermesbühl – steht das Einsammeln von liegengelassenen Feldfrüchten im Fokus. Diese weiterverarbeitet und verkauft werden, um der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken.

Erfolgreich sind zudem die bisherigen Suppentage verlaufen, deren Kollekten über 10 000 Franken für karitative Zwecke erbracht haben. Garten, ein Klosterladen, Catering durch das Chloschtermobil, Privat- und Firmenanlässe, ein Restaurant und oder eine Suppenstube sowie weitere Dienstleistungen sind im Konzept aufgeführt – Veranstaltungen wie «Advent im Kloster» oder die «Authentica»-Nachfolgeausstellung Natürlich im Chloschter dagegen bereits etabliert.

«Eine Jahresabgabe entlastet den Kanton von den jährlichen hohen Unterhaltskosten. Dies hilft mit, den Erhalt des einmaligen Baudenkmals mit der Gartenanlage langfristig sicherzustellen», betont man im Betriebskonzept.

Zieht der Kanton weiter?

Ebenfalls ganz oben auf der Liste von Fragen an den Kanton steht bei Vereinspräsident Beat Käch die Frage, wie es an der Einsprachenfront gegen das Kapuzinerkloster weitergeht. Bekanntlich hatte der Kanton eine Lockerung der recht rigiden Baubewilligung aus dem Jahr 2007 angestrebt und deshalb ein zurückgezogenes Baugesuch durch ein eigenes ersetzt. Damit wollte er bessere Nutzungsmöglichkeiten für seinen Vertragspartner und «Klosterwart» Urs Bucher im und um das Kloster herum erreichen.

Wie schon auf Buchers zurückgezogenes Gesuch setzte es wieder mehrere Einsprachen aus der Nachbarschaft ab. Einigungsversuche über Zugeständnisse des Kantons scheiterten, und so kam es kurz vor Weihnachten zu einem ersten Entscheid durch die Baukommission der Stadt Solothurn. Diese lehnte das Begehren des Kantons für eine vermehrte gewerbemässige, gastronomische und kulturelle Nutzung des Kloster-Ensembles ab. Eine solche sei weder quartierverträglich noch zonenkonform. «Wir werden diese Begründung genau prüfen, und bis Ende Monat entscheiden, ob wir an die nächste Instanz gelangen wollen»», erklärt dazu Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli, der sich bei der Anfrage von der Vereinsgründung überrascht zeigte. Die nächste Instanz wäre aus naheliegenden Gründen allerdings nicht das kantonale Baudepartement, sondern gleich das Verwaltungsgericht. (ww)