Solothurn

«Nüt über late»: Die neue Late-Night-Show scheut auch heikle Themen nicht

Matthias Schoch talkt mit Gast Anna Rosenwasser.

Matthias Schoch talkt mit Gast Anna Rosenwasser.

Late-Night-Shows sind in Solothurn en vogue: Nebst «11 nach 9» in der Kulturgarage lädt nun auch «KreuzKultur» zu genüsslichen Abenden ein.

Kein Schnickschnack auf der Bühne des Kreuzsaals: ein Sofa, ein runder, mit Zeitungen belegtes Tischchen, ein Stuhl und etwas in die Jahre gekommene Teppiche. Am Piano begrüsst Matthias Schoch, bekannt auch als Hauptdarsteller im Film «Jeune Homme» von Christoph Schaub, das vorwiegend weibliche Publikum. Vor ihm das Maskottchen, das er Jens Wachholz, seinem Schauspielkollegen, in der Kulturgarage geklaut hat und das dieser im Laufe des Abends klammheimlich zurückerobern wird. «Nüt über Late» nennt sich die neue Show, was auch «nüt überleit» heissen könnte.

Ein hervorragender Musiker

Der Schauspieler, der auch am Stadttheater Solothurn tätig ist, entpuppt sich im Laufe des Abends einmal mehr als hervorragender Musiker. Das weisse Hemd und die schwarze Weste stehen im Kontrast mit den knallroten Socken, die unter dem Hosenbein hervorgucken. «Es ist der Abend, auf den alle gewartet haben», gibt er sich selbstbewusst. Die Genres «Comedy und Talkshow» sind elementare Standards der ritualisierten Shows. Matthias Schoch mit Sidekick und Kaspar Rechsteiner von der KreuzKultur-Leitung am Regiepult halten sich präzise an die Vorgaben.

Schoch beginnt mit einer Ode an die Kleinstadt Solothurn, in der er zu Hause ist – einer Trump-freien Zone, wie er es nennt. Eine Oase, die sich abhebt vom schlechten Zustand der Welt, von einer Börse, die im Augenblick bachab geht, einem Stadtpräsidenten, der sich als Flüchtlingshelfer geoutet hat, dem Rossmetzger, der einen Nachfolger sucht und dem Versuch von Anwoh-nern, in der Altstadt eine Ballermann-Zone zu verhindern. Der Einzige, der ihn laufend unterbricht ist ein Fax, der ständig neue Schlagzeilen aus der Zei-tungswelt ausspuckt. Der Einbezug des hellwachen Publikums stellt dieses vor knifflige Aufgaben. Wer bei einem der Ratespiele auf Glasscherben tippt liegt falsch. Das Geräusch kommt von Holzbausteinen eines Kaplaspiels, die in sich zusammenfallen.

Sich outen kostet Energie

Ein wichtiges Element der klassischen Late-Night-Show, sie wurde bei Schoch auf 20 Uhr angesetzt, ist jeweils der Talkteil. Mit Anna Rosenwasser, der neuen Geschäftsleiterin der Lesben-Organisation Schweiz (LOS), als Talkgast hat der versierte Moderator nicht nur ein heikles, sondern auch ein interessantes Thema aufgegriffen. Bisexuell und sozusagen als Lesbe von Beruf ist die auch als Journalistin tätige Rosenwasser an diesem Abend nicht nur eine überaus lebenslustige, sondern auch eine Schwung in den Talk bringende Gesprächspartnerin, die kein Blatt vor den Mund nimmt.

«Schwul ist immer noch ein Schimpfwort», bedauert sie und plädiert unter anderem für eine Ehe für alle statt eingetragene Partnerschaften. «Die Leute müssen ermutigt werden sich zu outen, was viel Energie kostet», gab sie zu bedenken.

Reaktionen aus dem Umfeld seien noch heute nicht immer einfach. Ihr Ziel bei der LOS ist deshalb, dazu beizutragen, dass Frauen, die auf Frauen stehen, in der Gesellschaft stärker wahrgenommen werden. Die Vorstellung endete mit einem herrlichen Gesangsduett zwischen Rosenwasser und Schoch.

«Die zweite Ausgabe vom 8. November wird wahrscheinlich noch besser als die erste», meint Matthias Schoch zuletzt selbstkritisch. Zu Gast sein wird dann die Journalistin Anja Conzett, die den Bauskandal im Bündnerland aufgedeckt hat.

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