Solothurn
Novizen führen an Hilari Politikerinnen vor

Zum Aufgalopp begrüsste Markus Wälti, Ober-Ober der Vereinigten Fasnachtsgesellschaft Solothurn UNO, die Narrenschar zu einem Film-Happening im Werkhof-Depot. Und auf dem Märetplatz gabs eine Gant der besonderen Art.

Wolfgang Wagmann
Merken
Drucken
Teilen
Der Hauptgassleist in Hilarilaune
14 Bilder
Hilari-Morgen in Solothurn
Ober-Obert Markus Wälti begrüsst die Narrenschar.
Stadtschreiber hansjörg Boll und Altehrenober Fritz Rickli im Gespräch.
Charlie Schmid nimmt Brigit Wyss aufs Korn.
Umberto Ferrari hats wieder einmal geschafft und die Ratshausgasse heisst Eselsgasse.
Aufgeräumte Stimmung am Märetplatz.
Remo Ankli, Esther Gassler und Roland Heim vertreten die Regierung am Märetplatz.
Marianne Meister, Brigit Wyss und Franziska Roth im Märetplatzbrunnen.
Die Narrenschar amüsiert sich.
Kurt Fluri übergibt seinen Büroschlüssel Honolulu-Ober Samuel Hofer.
Franziska Roth wird vereidigt.
Max Kaeser und Rolf Grau sorgten für einige Pointen.
Der Statpräsident und der Stadtschreiber feiern in ihrem Werkhof-Depot Hilari.

Der Hauptgassleist in Hilarilaune

Wolfgang Wagmann

Gut gelaunt bei Noch-nicht-Schnee fanden sich am Amthausplatz Heerscharen von Närrinnen und Narren ein, um sich mit einem Becher Glühwein eben «vorzuglühen». Mehr war da nicht drin, denn irgendwann gab Ober-Ober Markus Kälti, Pardon, Wälti natürlich, den Marschbefehl Richtung Bieltor aus. Die leicht durchfrorene Narrentruppe landete zuletzt im Nictumgässli und dortigen Depot des Werkhofs, was die vielen «Brügi-Wagen» mit Märetstand-Material am Vortag auf dem Klosterplatz erklärte. Ein wirklich wunderschöner Raum, der eigentlich ein bessereres, repräsentativeres Dasein verdient hätte. Doch Noch-Stadtpräsident Kurt Fluri reagierte auf diesen Einwurf pragmatisch: «Nun ja, der Märet ist halt auch wichtig.»

800 Kilo Sprengstoff

Mit Tranksame und italienischen Knabbereien aus der Centro-Küche reichlich versorgt, wurde die Lachmuskulatur der Fasnächtler bald einmal arg strapaziert. Powerhouse-Inhaber Markus Wälti hatte einmal mehr keinen Aufwand gescheut, um mit seinem reichlich vorhandenen technischen Rüstzeug für Heiterkeitsausbrüche zu sorgen. Ein fingierter Spot(t) von Radio 32 nahm speziell die pyromantischen Abenteuer der Narrenzunft Honolulu vom letzten Aschermittwoch aufs Korn – so stünden Rolf Grau und seinem kompetenten Team diesmal nur noch läppische 800 kg Sprengstoff für den Böögg zur Verfügung.

Unter Beschuss gerieten aber auch die hallen-, und deshalb wagenlosen Hudibras-Chutzen und die sich selbst hochgelobte UNO kam auch nochmals auf den Fasnachtsdienstag ohne Wagen zurück. Wobei eine These aufgestellt wurde: «Das Problem ist, man kann nur eine Stammzunft ohne Wagen am Umzug fahren lassen.» Ebenfalls breiten Raum für Spöttereien und entsprechende Interpfuis bot der Glaubenskrieg um die richtige Schreibweise des hüürigen Süschées: Die UNO-Mitglieder kämpften mit allen Mitteln für das gewählte «ou» statt «chunnsch au», wie es die mittlerweile ausgerotteten Solothurner, darunter beispielsweise Heimatdichter Josef Reinhart, früher noch geschrieben hatten.

Gant auf dem Märetplatz

Traditionell gibts um 11 Uhr – sofern es gibt – Aufnahmeprüfungen von Novizen für die Narrenzunft Honolulu. Unter den kritischen Blicken von mehr als der Hälfte des Regierungsrates – zugegen war die bürgerliche Mehrheit – meisterten Patrick Zimmermann (vormals Vorstadtzunft) und Charlie Schmid (zuletzt noch gewesener Hudibras-Chutze-Ober) ihre Aufgabe meisterlich.

Mit dafür verantwortlich waren drei charmante Damen im Becken des Märetplatz-Brunnens: die Regierungsratskandidatinnen Marianne Meister und Brigit Wyss, sowie Stadtpräsidiumsanwärterin in spe, Franziska Roth. Aufgezogen war die ganze Prüfung als Gant, wobei nie ganz klar wurde, ob jetzt die Politikerinnen oder ausrangierte Fasnachtskostüme unter den Humor-Hammer kamen.

Und so endete auch dieser Hilari-Morgen, wie er stets endet: In einem eigentlichen Blizzard mutierte unter den Händen von Kurt und Umberto Ferrari die Ratshausgasse zur Eselsgasse. Und im Stadtpräsidium an der Baselstrasse 7 vollzog sich der übliche Machtwechsel für diesmal ganze 47 Tage: Kurt Fluri dankte zugunsten von Honolulu-Ober Samuel Hofer ab und erhielt dafür von diesem einen Ohrenschoner mit Loki obendrauf – ein so genanntes «Durzügli».