Solothurn
Norwegische Gastkünstlerin malt Güterzüge und die Aare in ihrem eigenen Stil

Seit einer Woche lebt die norwegische Künstlerin Solfrid Olette Mortensen im Atelier des Alten Spitals. «Das Farbensammeln» bezeichnet sie als Ziel ihres dreimonatigen Werkaufenthalts.

Hans Peter Schläfli
Drucken
Teilen
Gastkünstlerin Solfried Olette Mortensen blickt auf die Aare.

Gastkünstlerin Solfried Olette Mortensen blickt auf die Aare.

hps

«Ich hatte gehofft, im Fluss baden zu können», sagt Solfrid Olette Mortensen mit einen Blick aus dem Fenster des Studios hinunter auf die reissende Aare.

Hier lässt sich die norwegische Künstlerin seit einer Woche von den wechselnden Farbenspielen inspirieren. «Und von den Geräuschen», ergänzt die 62-Jährige, als ein Zug über die Aarebrücke fährt. «Vor allem die Güterzüge machen einen gewaltigen Lärm, das hat mich schon etwas geschockt.»

Mortensen zeigt ihr neustes Bild. Mit einfachen, vertikalen Streifen hat sie die Beschleunigung eines dieser Züge auf Leinwand festgehalten. Der Anblick erinnert an einen Dopplereffekt.

«Was man nicht ändern kann, muss man in etwas Positives umwandeln, deshalb will ich sie irgendwie in meine Arbeit integrieren», sagt sie, und macht keinen Hehl daraus, dass sie die Züge gar nicht mag. «Man hat mir gesagt, dass man sich an sie gewöhnt und dass ich den Lärm der nächtlichen Güterzüge am Ende meiner Zeit hier sogar vermissen werde.»

Zurück zu den Farben

«Jetzt sammle ich Farben», sagt Mortensen, «nachdem ich viele, viele Jahre ohne ausgekommen bin, haben mich die Farben wieder eingefangen.» Sie wolle die Natur nicht widerspiegeln, sondern mit Streifen und verschiedenen Tönen derselben Farben die Bewegung und die Wirkung der Farben ausdrücken.

Gerade fertig geworden ist die Aare beim Sonnenuntergang, ein zweiteiliges Gemälde mit erdig-grünlichen Streifen, welche die Aare repräsentieren sowie roten Streifen verschiedener Pastelltöne, die das reflektierte Sonnenlicht darstellen.

«Die Farben verblassen und der Fluss ist in Bewegung», erklärt sie, «jemand hat mir gesagt, dass sei naive Malerei. Diese Bezeichnung gefällt mir gut, obwohl es nie meine Absicht war, naiv zu malen.»

Auch die visuellen Effekte und optischen Täuschungen, die durch die Streifen mit verschieden intensiven Farbtönen entstehen, möchte sie ergründen. A

n der Küste, wo sie lebt, seien die Farben ganz anders. «Entweder stürmt es und alles ist grau und dunkel, oder wenn die Sonne scheint, sind die Farben grell und mit der Gischt geht alles ins Weisse über», beschreibt die Norwegerin ihre Heimat. «Hier sind auf dem Schweizer Festland sind die Farben meistens sehr dezent, ganz anders als bei mir zu Hause.»

Beworben habe sie sich, weil sie derzeit mit einem Basler Architekten an einem Landschaftskunst-Projekt für Dänemark arbeite und so auf die Möglichkeit eines Werkaufenthalts im Alten Spital aufmerksam wurde. «Ich hatte sehr viel Glück, dass ich akzeptiert wurde», sagt Mortensen.

«Ein Werkaufenthalt in einer vollkommen fremden Stadt ist so wertvoll. Die Schönheit, die man jeden Tag sieht, nimmt man manchmal gar nicht mehr wahr.» Was genau mit den Werken nach ihrem Aufenthalt passieren soll, weiss sie noch nicht. «Ich bin keine gute Geschäftsfrau», sagt Solfrid Olette Mortensen, «ich werde die Arbeiten im Künstlerhaus S11 ausstellen und wenn sie jemand kaufen möchte, dann wäre das schön. Aber es ist geplant, dass ich sie nach Hause nehme und dort ausstellen werde.»