Kulturfabrik Kofmehl
Norddeutsche Kultband «Element of Crime» vermittelte eine Portion Zeitlosigkeit

Die Seemannslieder und Lebensgeschichten der norddeutschen Band «Element of Crime» liessen niemanden kalt. Im Mittelpunkt stand dabei klar der Leadsänger Sven Regener. Er zog das Publikum in seinen Bann.

Daniel Fasel
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Element of Crime im Kofmehl
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Element of Crime im Kofmehl
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Element of Crime im Kofmehl

Hansjörg Sahli

Die Welt dreht sich Tag für Tag. Und Fünf fragen nach dem Sinn: Die deutsche Kultband Element of Crime verzückte im Kofmehl das Solothurner Publikum. Eine undefinierbare Mischung aus Blues, Pop, Rock und Chanson brachten die Hörer zum vorsichtigen Mittanzen. Den vielen Liebespärchen im Publikum schienen die sanften Töne an diesem heissen Frühsommerabend zu gefallen.

Für das schweizerische Publikum gab es eine Portion Fernweh, für die Exildeutschen Heimweh. Die Seemannslieder und Lebensgeschichten lassen einfach niemanden kalt. Wer kann schon dem Gefühl von romantischer Zeitlosigkeit mit einem Hauch Selbstmitleid widerstehen?

Leben und leben lassen

Sven Regener zog die Aufmerksamkeit des Publikums rasch auf sich: «Ich denke, wir spielen noch ein Lied», verkündete er gleich nach dem ersten Song. Der Leadsänger weiss, wie man sich in Szene setzt. Sein Trompetenspiel bringt Abwechslung in die sonst sehr ruhigen Melodien, die Texte von Leben und leben lassen wirken magnetisch. Dabei geht das Können der Anderen unter.

Schade, denn das Ensemble ist eigentlich noch nicht zu alt für Rock'n'Roll: Vereinzelt blitzte und krachte es, der Schlagzeuger geriet ins Schwitzen, Gitarrist Jakob Ilja liess seine geübten Finger einige Takte lang dem Gitarrenhals entlang auf und ab sausen. Intensive Rhythmen liessen den Hauch eines Rockkonzertes aufkommen. Damit hatte es sich aber auch schon mit dem Exploit. Und die Aufmerksamkeit ging sofort wieder an Regener: Dessen rauchige Stimme zieht das Publikum in seinen Bann.

Unverbesserliche Romantiker

Fünf Alben veröffentlichte Element of Crime in ihrer Anfangsphase zwischen 1986 und 1990, alle auf Englisch. Neun deutschsprachige Alben folgten in immer unregelmässigeren Abständen. Mit dem Sprachwechsel gelang der grosse Durchbruch: 1992 tourten sie mit Herbert Grönemeyer. Das Album «Weisses Papier» gelangte 1993 in die deutschen Charts. Diese Entwicklung ist nur logisch, denn die deutschen Songs sind eingängiger.

Im Kofmehl sang Regener in beiden Sprachen, kräftigen Applaus gab es vor allem bei den neueren deutschsprachigen Hits wie «Immer da wo du bist bin ich nie». Und natürlich beim Evergreen «Delmenhorst»: Ein Song über Einsamkeit, Sehnsucht und das ruhige Leben in einer norddeutschen Kleinstadt, weit weg vom Puls der Zeit. Wer denkt, Romantik gebe es heutzutage nicht mehr, der sollte sich «Element of Crime» zu Gemüte führen.

Stets im Wandel

Ganze vier Mal kehren die Musiker von der Backstage auf die Bühne zurück. Als allerletzte Zugabe präsentierten sie «Bring den Vorschlaghammer mit» - ein schon etwas älterer Song, der für den Wandel der Band steht und den Abend versöhnlich beschloss. Die Quintessenz:
«Der ganze alte Schrott muss raus, und neuer Schrott muss rein.»

Alles unterliegt einem ständigen Wandel, nur die Melancholie bleibt. Oder kennt jemand eine Band, die öfters nach dem Sinn des Ganzen fragt? «Der Tourspass - Von Berlin in die Schweiz und zurück» nennt die Berliner Kultband ihren kurzen Abstecher in das südlichste Bundesland. Sehens- und hörenswert sind die Norddeutschen immer noch. Für alle Unglücksraben, die das Konzert am Donnerstag verpasst haben, gibt es eine gute Nachricht: Heute und morgen spielen sie gleich zweimal in Riehen bei Basel.