Weihnachtsverkauf
Noch zuwarten ist seliger denn schnell kaufen

Die Solothurner Shoppinglaune kommt Jahr für Jahr später. Ein Grund dafür: Die Wirtschaftslage stimmt die Konsumenten vorsichtig. Der Euro-Effekt ist spürbar. Bei den einen Geschäften mehr, bei den anderen weniger.

Andreas Kaufmann
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Das Kaufverhalten ist vorsichtiger, aber bei Kindergeschenken wird zuletzt gespart.Hanspeter Bärtschi

Das Kaufverhalten ist vorsichtiger, aber bei Kindergeschenken wird zuletzt gespart.Hanspeter Bärtschi

An Konsumbeschleunigern mangelt es auch heuer nicht: Festtagsgerechte Beleuchtung soll nicht nur Stimmung verbreiten, sondern auch die Kauflaune ankurbeln – zusammen mit Rabattplakaten und Sonntagsverkauf. Doch über besagte Laune gelangt man bei den Altstadtgeschäften zu unterschiedlichen Aussagen. Ein Shoppingfaktor sind die Einfahrtszahlen bei den Parkhäusern Biel-, Basel- und Berntor.

Während die Parking AG vom 1. bis 20.Dezember im Vergleich zum Vorjahr einen unwesentlichen Rückgang von 0,5 Prozent aller Einfahrten registriert, fällt die Bilanz für die Sonntagsverkäufe klarer aus. Geschäftsleiter André Daumüller spricht von 4 Prozent mehr Einfahrten gegenüber 2010: «Zum Teil sind die Autos angestanden.»

«Verhaltener Konsum»

Ganz auf Sonntagsverkäufe verzichtet Daniela Jäggi, Geschäftsinhaberin der Bekleidungsgruppe Cristina’s. Sie gönnt ihrem Personal auch diese freien Sonntage im Dezember. Auch sonst seien ihre Geschäfte keine «Gschänklädeli». Aktuell spricht sie von einem durchzogenen Verkauf. «Angelaufen ist er erst mit dem Schnee vor ein paar Tagen.» Auch sei im Textilhandel der Euro generell zu spüren – sowie wirtschaftliche Unsicherheiten: «Die Leute sind in Sachen Konsum verhaltener. Und an Kleidern oder Schmuck wird zuerst gespart.» Die Wirtschaft sei noch nicht unten angekommen, «man muss nun den Schnauf haben, durchzuhalten».

«Nur minim» sei der Euro-Effekt im «Chuchilade» spürbar: «Dazu sind wir zu weit von der Grenze entfernt», sagt Geschäftsinhaberin Christine Wagmann. Allerdings mache es sich in den Währungsrabatten der Lieferanten bemerkbar; Preisvorteile, die man an den Kunden weitergebe. «Gerade für Waren im Lager wird so die Marge tiefer.» Zu den allgemeinen Umsatzzahlen zeigt sich Wagmann zufrieden, stellt aber auch eine Verschiebung der intensiven Zeit fest: «Diese konzentriert sich auf die letzten Tage.» An der Kauflaune hapere es nicht.

Nicht beklagen

Auf Währungsprobleme angesprochen, winkt Regula Hofer, Geschäftsführerin der Bijouterie Hofer, ab. Ins Ausland ausweichende Kundschaft vor den Feiertagen ist für sie ein Problem: «Wir heben uns durch Fachberatung und Qualität von grossen Warenhäusern ab. Das ist unser Plus.» Aufgrund des hohen Goldpreises setzen die Kunden stattdessen vor allem auf Silber und Perlen. «Unter dem Strich aber dürfen wir uns über den Umsatz nicht beklagen», so Hofer weiter.

Gerade auf den Qualitätsaspekt verweist auch Willy Reinmann, Geschäftsführer der Stadt- und Gewerbevereinigung Solothurn (SGSo): «Je nachdem kann man im Ausland schon frappant billiger einkaufen, halt eben oft nur zu geringerer Qualität.» Nichtsdestotrotz stellt auch er fest, dass das Kaufverhalten im Vergleich zu den letzten Jahren zögerlicher geworden sei. Das Geld sei da, man setze es einfach gezielter ein. Dazu zählen die SO.GUTscheine des SGSo, die sich konstanter Beliebtheit erfreuen. Gehts um Produktgruppen, so stellt auch Reinmann fest: «Für Spielwaren und alles, was mit Freizeit zu tun hat, wird eher Geld ausgegeben als für Kleidung.»

Das etwas andere Kindergeschenk

Den Run auf Geschenke für die Kleinen kann auch Mathis Furrer, Filialleiter einer der beiden Spielzeuggeschäfte «Bim Müggli» an der St.Urbangasse, bestätigen: «Wir haben gute Umsatzzahlen» – Tendenz steigend: «Viele Eltern fragen uns, welche Alternativen zur Unterhaltungselektronik wir bieten können.» Dies bestätigt auch «Müggli»-Geschäftsinhaberin Verena Furrer: «Obwohl etwas abseits von der Weihnachtsbeleuchtung, strömen die Leute wegen des pädagogischen Spielzeugs dennoch auch zu uns.» Und auch die Sonntagsverkäufe habe sich «Bim Müggli» als vorteilhaft erwiesen. Gleiches stellt Verena Holzer vom Spielwarengeschäft Bohnenblust fest: «Sonntagsverkäufe sind für uns immer gut, da viele Familien in der Stadt sind.»

Eine Rückkehr zum eher klassischen Kindergeschenk erwähnt auch Elle Steinbrecher, Mediensprecherin bei Manor: «Plüschtiere, Experimentierkästen und Brettspiele gehören dazu.» Ansonsten sind Schmuck, Accessoires und Artikel im Multimediabereich Kassenschlager – ebenso wie Geschenkkarten. Für eine Gesamtbilanz für Solothurn sei es aber noch zu früh: «Unsere wichtigsten Verkaufstage sind der 23. und 24.» Daraus leite sich die Tendenz ab, «dass sich die Weihnachtseinkäufe immer stärker an die Festtage heranschieben».

So sei der Starttermin des Manor-Weihnachtsverkaufs, der 18. November, bereits eine Anpassung. Ein späteres Einsetzen des vorweihnachtlichen Kaufrummels stellt auch Andrea Zeltner, Pressesprecherin bei Calida, fest: «Das Weihnachtsgeschäft hat wiederum später als im Vorjahr eingesetzt.» Ebenfalls habe das Wetter dafür gesorgt, dass sich die Lust zum Weihnachtsshopping verspätet habe. «Aber wir sind mit dem Verlauf zufrieden, auch an beiden Sonntagen haben wir gute Umsätze erzielt.» Der negative Einfluss des Euro sei aber nicht spürbar.

Maria-Anna Höhle, Geschäftsinhaberin von «Novum – Wohnen und Schenken», wartet für eine aussagekräftige Bilanz ebenfalls die zwei, drei letzten Tage vor Weihnachten ab: «Dies sind die allerbesten Tage.» Darüber hinaus stellt auch sie ein zurückhaltenderes Einkaufsverhalten fest: «Im letzten Jahr waren die Leute spontaner», erinnert sie sich. Gleichzeitig vermutet Höhle, dass warme Temperaturen und schönes Wetter die Weihnachtsstimmung etwas hinausgezögert haben mögen. Die Konsumentenflucht ins angrenzende Ausland kommt für sie als Faktor hinzu: «Gerade die Taschen sind teilweise in Deutschland massiv billiger und bleiben bei mir liegen.»

Mitarbeit: Lea Durrer