Solothurner Fasnacht
Noch ist die gemeinsame Wagenbauhalle nur eine Idee

Bei der Badi Solothurn wollen Fasnächtler eine gemeinsame Wagenbauhalle realisieren. Die Stadt ist nicht grundsätzlich abgeneigt und fordert ein Nutzungskonzept. Gebaut würde eine mobile Konstruktion, die einfach rückgebaut werden könnte.

Pius Rüegger
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Folgen auf die «Wagabunten» die bunten Wagen der honolulesischen Kreativnarren?

Folgen auf die «Wagabunten» die bunten Wagen der honolulesischen Kreativnarren?

Andreas Kaufmann

Heute stehen die bunten Wagen der «Wagabunten» dort. Sollen dort mittelfristig ebenso bunte und kreative Wagen gar entstehen? Ober-Ober Max Kaeser ortet auf diesem Kiesparkplatz nördlich der Badeanstalt einen geeigneten Standort für eine von mehreren Zünften genutzte Wagenbau-Halle. Hintergrund ist, dass es immer schwieriger wird, geeignete Hallen zu finden.

Mit diesem Anliegen ist Kaeser an Stadtpräsident Kurt Fluri herangetreten. Die Stadt signalisiert, diese Anfrage als Variante im Sinne eines Provisoriums zu prüfen. «Provisorisch deshalb, weil bei einer Realisierung des Projektes Wasserstadt dieser Standort vermutlich wieder aufgegeben werden müsste», so der Stadtpräsident. Kaeser wird aufgefordert, ein Nutzungskonzept mit den Finanzierungsvorstellungen als Projekt-Voranfrage einzureichen.

Wirds eine mobile Halle?

Dem überzeugten Fasnächtler schwebt vor, dieses Land im Baurecht zu erhalten. Die Basis soll eine Trägerschaft (z. B. als GmbH) bilden. Gedacht ist nicht eine feste Baute, sondern eine mobile Konstruktion, die einfach zurück gebaut werden kann. «Diese Halle müsste offen für alle interessierten Zünfte sein», fügt der Ober-Ober an. Mit dieser Lösung sieht der Wagenbau-Spezialist auch die Möglichkeit, diese ausserhalb der Fasnachtssaison zu bewirtschaften: «Es könnten gedeckte Parkplätze angeboten und somit Einnahmen generiert werden». Kaeser sieht eine Realisation auf den Spätherbst 2015. Somit könnten für die Umzüge 2016 die ersten Wagen dort gebaut werden.

Nictum nicht mehr im Umzug

Die Suche nach einer Halle forderte mit der Narrenzunft Nictum ein erstes Opfer. «Anfang Januar mussten wir den Entscheid fällen, auf einen Umzugswagen zu verzichten», sagt Ober Patrick Amerzin. Er habe viel herum telefoniert, auch bei seinem Arbeitgeber, der Carrosserie Hess, nachgefragt, und musste zur Kenntnis nahmen, dass es im Riverside Business Park in Zuchwil keinen Platz für eine dritte Zunftgab. «Wir durften einige Jahre im Rosegg-Hof bauen, aber nach dem Umbau dieser Halle wollen die Betreiber keinen Wagenbau mehr», bedauert Amerzin. Die Absagen sollen jedoch nicht das Aus der 2003 gegründeten Zunft in ihrem elften Jahr bedeuten. «Wir schauen weiter, denn wir wollen weiter machen», gibt sich der Chef-Nictümler kämpferisch. Er hat schon ein Objekt bei seinem Arbeitgeber im Auge. «Da die Bus-Produktion gegenwärtig stockt, versuche ich, in der deshalb leer stehenden Kaeser-Halle unter zu kommen», erklärt Amerzin. «Wohl hatten wir einen gewichtigen Abgang, aber wir haben Junge, die weiter ziehen wollen», sagt er. Konkret soll es an der Generalversammlung werden. Ganz ohne Fasnacht wird es nicht abgehen für die Nictümler. «Wir haben die Kostüme bereits, gehen zusammen an den Umzug und treffen uns wie gewohnt zu unserem Essen am Fasnachtssonntag im Astoria», sagt Amerzin.

Das Projekt Kaeser für eine gemeinsame Wagenbau-Halle findet der Nictum-Ober grundsätzlich gut. «Wir sind nicht abgeneigt, die grösste Frage für uns als kleine Zunft mit jungen Mitgliedern wäre jedoch die finanzielle Seite», gibt Amerzin zu bedenken. (PRS)

Bei den UNO-Stammzünften verfügen der Hauptgassleist und die Hudibras Chutze über keine fixe Heimbasis. «Wenn es mit dem Bau der neuen Strassen und der Realisierung des Renaturierungsprojektes mit dem Abriss der Halle in Flumenthal los geht, müssen wir eine neue Lösung haben, wobei dieser Zeitpunkt noch offen ist», sagt Kaeser.

Nur Jahr für Jahr planen können die Hudibras Chutzen, seit sie nach der Fasnacht 2010 das Attisholz verlassen mussten. «Dank Werner Baumgartner und dessen guten Draht zum Liegenschaftsverwalter des Richner-Areals können wir jeweils dort eine Halle für zwei Monate nützen», sagt ihr Ober Charlie Schmid. «Wir leben nach dem Prinzip Hoffnung, denn jedes Jahr könnte dort das letzte sein», fügt er an.

Allerdings sorgen die Hudibras Chutzen vor, sollte sich eine Chance für eine finanzierbare Halle auftun: «Wir gründeten vor vier Jahren den Verein «Casa Hudibras» und schaffen uns damit eine finanzielle Basis». Gegen eine Halle mit anderen Zünften bleibt Schmid allerdings skeptisch. «Wenn es nichts anderes gibt, würden wir wohl oder übel mitmachen, wir haben unsere Fühler ausgestreckt, erhielten jedoch nur Absagen, wobei ich das Projekt Kaeser sinnvoll finde», verbleibt Schmid.

Von Jahr zu Jahr neu planen

Auch die Zuchwiler Sans-Gêne-Zunft kann nur Jahr für Jahr schauen. «2007 konnten wir das letzte Mal bei Astrada in Subingen bauen, seither suchen wir jedes Jahr aufwendig einen neuen Standort», sagt ihr Ober Andreas Kofmel. «Nachdem wir letztes Jahr erst Mitte Dezember in Obergerlafingen die Zusage erhielten, überlegten wir uns, für 2014 ein Zelt aufzustellen», ergänzt der Zuchler.

Soweit kam es nicht, denn heuer erhielten die Sans-Gênler im Riverside Business Park zusammen mit der Tannewägezunft Gastrecht. Mit dem Projekt Kaeser hat sich seine Zunft noch nicht beschäftigt. «Nein, wir haben darüber noch nicht gesprochen, wobei für uns als eine Zunft, die nicht auf Rosen gebettet ist, entscheidend sein würde, was es kostet», will Kofmel diese Möglichkeit intern nach der Fasnacht besprechen.

Für die nächsten fünf Jahre entschärft hat sich diese Problematik für die Schanzennarren. Weil der Neubau des Werkhofs der Bürgergemeinde im Bargetzi-Steinbruch sistiert ist, ergab sich eine neue Situation. Und ein neuer Vertrag ab 1. April 2014. «Uns ist ein grosser Stein vom Herzen gefallen, denn wir wussten nie, wie es mit dieser Überbauung weiter geht», äussert sich Schana-Ober Stefano Monopoli erleichtert.