Tourismusforum
Noch halten die Hotels in der Stadt Solothurn die Spur

Der Solothurner Tourismusdirektor Jürgen Hofer hatte am Tourismusforum für das Jahr 2015 3,8 Prozent weniger Übernachtungen zu vermelden. Das Podium befasste sich mit Chancen und Risiken für die Hotellerie der Region Solothurn.

Wolfgang Wagmann
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Zur Situation der regionalen Hotellerie äusserten sich am Tourismusforum (v. l.) Thomas Allemann (hotelleriesuisse), Leonie Liesch (Chur Tourismus), Martin Volkart (Genossenschaft Baseltor), Moderatorin Anita Panzer, Roland Furrer (Aaregarte/Hotel an der Aare) und Daniel Siegenthaler (langjähriger Ramada-Direktor).

Zur Situation der regionalen Hotellerie äusserten sich am Tourismusforum (v. l.) Thomas Allemann (hotelleriesuisse), Leonie Liesch (Chur Tourismus), Martin Volkart (Genossenschaft Baseltor), Moderatorin Anita Panzer, Roland Furrer (Aaregarte/Hotel an der Aare) und Daniel Siegenthaler (langjähriger Ramada-Direktor).

Wolfgang Wagmann

In drei Tagen jährt sich die Aufhebung des Euro-Mindestkurses, von der die Hotellerie speziell und der Tourismus generell betroffen sind. Einen «Kritischen Blick auf die Zukunftsperspektiven» warf eine kompetente Podiumsrunde am Tourismusforum unter der Gesprächsleitung von Anita Panzer. «Zarte Bremsspuren» hatte in der Begrüssung schon René Hohl, Präsident von Region Solothurn Tourismus, in der Stadt-Hotellerie ausgemacht.

Später sollte Direktor Jürgen Hofer diesen Rückgang in Zahlen bestätigen: 3,8 Prozent weniger Übernachtungen waren es 2015, «ohne die Gesamtsanierung der Ramada-Zimmer wären es 2,8 gewesen.» Im Gegensatz dazu ergaben die 1408 Stadtführungen mit 22 000 geführten Gästen «das zweitbeste Ergebnis seit 2013», hielt Hofer in seinem touristischen Tour-d’Horizon quer durch Kanton, Stadt und Region Solothurn fest.

Wie freundlich ist Solothurn?

Thomas Allemann, Geschäftsleitungsmitglied von hotelleriesuisse, lieferte quasi den «Aufgalopp» zum Kernstück des Abends im Alten Spital, dem Podium um die regionale Hotellerie. Die Bergdestinationen hätten ungleich mehr unter dem Frankenschock gelitten als die Stadthotellerie. «1000 bis 1500 Betriebe, vor allem kleinere private, mussten in den letzten Jahren schliessen» verwies Allemann auf den ohnehin stattfindenden Strukturwandel.

Dazu gehört die zunehmende Bedeutung von Buchungsplattformen sowie die Angebote der privaten Parahotellerie, insbesondere des marktbeherrschenden Portals AirBnB, die der traditionellen Hotellerie zusetzen. Ein besonderes Augenmerk richtete Thomas Allemann auf die Gastfreundschaft und Freundlichkeit – «diesbezüglich steht die Schweiz gar nicht so schlecht da.» Immerhin liege Solothurn in einem entsprechenden Ranking «im oberen Mittelfeld», ganz im Gegensatz etwa zur Nachbarstadt Biel, die sich mit einem Platz in den letzten Rängen vorlieb nehmen muss.

Ein Thema, das auch das Podium wenige Minuten später beschäftigen würde – wobei Allemann bei den Schweizer Hoteliers «Zuviel Selbstkritik» ortete, sie seien besser und freundlicher als man sich selbst einschätze.

Der Preis fürs Zimmer spielte eine zentrale Rolle insbesondere bei Hotelier Roland Furrer: So habe der Frankenschock bei seinem teuereren Angebot, dem Hotel an der Aare, sofort durchgeschlagen, im billigeren «Bären» dagegen habe er sogar zulegen können.

Churs Tourimusdirektorin Leonie Liesch bestätigte den markanten Rückgang der Logiernächte in ihrem Kanton, wünschte sich zuletzt jedoch einen Ersatz für das verloren gegangene Hotel in ihrer Stadt. Da sieht es in Solothurn deutlich besser aus, kommt es doch mit dem Umbau der «Krone» mitsamt Garagenanbau zu insgesamt 37 neuen Zimmern.

Martin Volkart, Gastro-Planer, meinte für die Betreiber-Genossenschaft Baseltor: Wichtig sei, in historischen Bauten «spannende» Stadthotels mit innovativen Lösungen zu kreieren. Daniel Siegenthaler hielt nüchtern fest: «Man muss dem Gast geben, was er wünscht», während Thomas Allemann warnte: «Wenn wir uns nur noch über den Preis und die Infrastruktur definieren, werden wir austauschbar.»

Kaum ein Thema sind offenbar in Solothurn chinesische Touristen, weil in Gruppen zu Dumpingpreisen unterwegs, wie Roland Furrer feststellte. Er kritisierte auch harsch die Überregulierung im Gastgewerbe: «Wenn alles in der neuen Lebensmittelverordnung so durchkommt wie vorgeschlagen, dann müssen wir aufhören, zu wirten.»

Weissensteintunnel «existenziell»

In ihren Grussworten unterstrichen Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler und Stadtpräsident Kurt Fluri ihre Bereitschaft, gute Rahmenbedingungen für den Tourismus zu schaffen. Inhaltlich am markigsten gestern Abend Fluris Bemerkung: «Der Weissensteintunnel ist existenziell für den Weissenstein. Ohne ihn kommt alles ins Wanken. Man müsste wieder über das Sonntagsverbot nachdenken.»

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