Der Erfolg reisst nicht ab: Bereits zum vierten Mal konnten Jens Wachholz und Vera Probst ihre Late Night Show in der Kulturgarage vor ausverkauften Rängen zelebrieren. Achtmal insgesamt stellen sich dort einmal im Monat Gäste aus Kultur, Politik, Sport und der Gesellschaft den Fragen der beiden Theatermenschen. «11 nach 9» ist eine witzige Plattform, bei der gelacht werden darf und wo an der stets geöffneten Bar genüsslich konsumiert wird. Zu Besuch waren diesmal Stadtpräsident Kurt Fluri und Filmtage-Direktorin Seraina Rohrer, die auf das Geschehen in und um Solothurn etliche Fragen zu beantworten hatten.

Der ominöse weisse Fleck

Nachdem Seraina Rohrer ihre Gastgeschenke in Form eines frisch gedruckten Filmtagekatalogs und einer Flasche Filmtagewein aus einer nigelnagelneuen blauen Filmtage-Stofftasche ausgepackt hatte, kam Jens Wachholz gleich auf den weissen Fleck im Filmtage-Plakat zu sprechen, der zurzeit in der Öffentlichkeit für Irritation sorgt. Damit kam unweigerlich die No-Billag-Initiative auf den Tisch. «Wir müssen darüber nachdenken, was geschieht, wenn die Initiative angenommen wird und nur noch ein weisser Fleck da ist», gab die Direktorin zu bedenken und kündigte Kurzfilme über das Thema an, die von Filmschaffenden kurzfristig gedreht wurden. «In einer vielfältigen Gesellschaft wie der Schweiz muss man solidarisch sein und verstehen können, wie andere leben und fühlen.» Eine Annahme der Initiative sei auch für die Filmbranche «einschneidend», stellte sie klar.

«Das Publikum kann sich auf viele schöne Filme freuen», warb Seraina Rohrer danach für den kommenden Event. Vor allem die Experimentalfilme seien etwas, das man nicht überall zu sehen bekomme. «Es ist wunderbar, dass es in einer kleinen Stadt wie Solothurn überhaupt so etwas zu sehen gibt.»

Sachlich und gleichzeitig witzig stellte sich Kurt Fluri den Fragen von Jens Wachholz. «Wie kann man Kultur besser unter die Leute bringen?», wurde der Stadtpräsident gefragt. Auch er ein Gegner der No-Billag-Initiative, betonte, dass die Vielfältigkeit der Schweiz erhalten werden müsse und die Toleranz ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft sei. Wie aber steht es mit der Kultur in Solothurn, wollte Wachholz ferner wissen und wie mit der Vielsprachigkeit? «Wir sind keine frankofone Stadt, aber unsere Kultur wurde von den Jesuiten und den Ambassadoren geprägt», so Fluri. Deshalb gelte es die Vielfältigkeit, die Verträglichkeit und die Toleranz auch hier zu pflegen.

Auf das Maskottchen und Eichhörnchen «Kurti» angesprochen, das vom Bühnenrand her das Publikum überwachte und eine Krawatte trug, antwortete Fluri. «Ich habe keine farbigen Krawatten und bin auch noch nicht ausgestopft.» Damit ist wohl das Thema über die abhandengekommenen Kleintiere des Naturmuseums endgültig vom Tisch.

Viel Gelächter ernteten Jens Wachholz, Vera Probst, Hofmusiker Basil Medici und Musiklehrer Jacques Späti, die Letzteren bei der Kuga-Libre-Band engagiert, im ersten Teil der unterhaltsamen Talkshow mit ihren satirisch aufgezogenen, theatralen Einlagen und den vielsagenden Videos. Mit dem Gedenken an den vor 100 Jahren beendeten Ersten Weltkrieg, den vor 170 Jahren gegründeten Bundesstaat sowie mit Feuerwehr- und Zentralbibliotheksumzügen und aktuell mit den schönsten Bildern vom Sturm Burglind war das Programm in Sachen Komik reich befrachtet.

Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel sandte per Video Grüsse an die Solothurner, was für weiteres Gelächter sorgte. 11 nach 11 zeigte die Uhr, als das Spektakel zu Ende war.