Ist dieser Film eine logische Folge zu Ihrem Dokumentarfilm über Federica de Cesco?

Nino Jacusso: Eigentlich schon. Ich habe mich gefragt, warum noch kein Buch von dieser Erfolgsschriftstellerin verfilmt worden ist. Bald hat sich «Shana, das Wolfsmädchen» herauskristallisiert. Anderseits: Ich habe noch nie eine Literaturverfilmung gemacht.

Was waren Ihre ersten Überlegungen?

Der Film musste gut recherchiert sein. Die Handlung musste von echten Indianern gespielt werden. Seit 30 Jahren beschäftigt mich die Frage, wie kann man Wirklichkeit auf der Leinwand darstellen. Den Film mit irgendwelchen Schauspielern im Studio zu drehen, kam nicht infrage.

Und wie sind Sie zu diesen Indianern gekommen?

Eine gute Freundin aus dem Stamm der Onodaga, Naomi Pfenninger, ist mit mir nach Kanada gereist. Gemeinsam haben wir in British Columbia im Nicola Valley den Stamm der Scw’exmx (Volk der Flüsse) kennen gelernt. Sie half mir, die nötigen Kontakte zu schaffen, und schliesslich stimmte der Ältestenrat dem Vorhaben zu. Dennoch waren sie überrascht, dass ich nicht mit weissen Stars daherkam und den Film ganz anders realisieren wollte, nämlich mit Leuten ihres Volkes. Mir war wichtig, dass sie auch am Drehbuch mitarbeiten konnten, damit ihre Vorstellungen und Riten echt sind.

Und diese Indianer waren auch bereit, mitzuspielen?

Es brauchte Aufklärungsarbeit, aber dann kamen viele zum Casting und haben Probeaufnahmen machen lassen. Schliesslich hatten wir die ganze Besetzung zusammen mit Ausnahme der Titelrolle.

Aber Sie haben sie doch noch gefunden.

Ich war verzweifelt. Da sagte mir Leona Rabbitt, eine Schamanin und Kulturvermittlerin, dass wir die Geister um Shana bitten müssten. Am nächsten Morgen begaben wir uns auf einen Hügel und baten mit einer Zeremonie um eine Darstellerin der Shana. Am Nachmittag kam Sunshine O’Donovan samt ihrer Geige ins Castingbüro. Sie habe es sich lange überlegt, ob sie sich melden solle. Aber an diesem Nachmittag hätte es sich von ihrem Stundenplan her gerade so ergeben. Ein Blick auf das Mädchen, und ich hatte meine Shana.

Trailer zu «Shana - The Wolf's Music»

Trailer zu «Shana - The Wolf's Music»

Der Film selber hat spirituelle, magische Momente. Hat sich das auch bei den Dreharbeiten niedergeschlagen?

Das Volk der Flüsse hat von Anfang an der Crew einen spirituellen Begleiter mitgegeben, der für unser Wohl besorgt sein sollte. Als an einem Tag Regen angesagt war, und ich diesen ganz und gar nicht brauchen konnte, habe ich ihm das gesagt. Er hat dann die Geister um Erfüllung dieser Bitte gebeten. Und siehe da, überall hat es geregnet, nur im Nicola Valley nicht. In einer Szene hätte ich einen Windstoss gebraucht. Wir hatten keine Windmaschine. Ich habe ihm gesagt, dass ich um vier Uhr diese Szene drehen möchte. Der ganze Nachmittag war es windstill, aber um vier Uhr kam die Böe. Wir hatten alles vorbereitet, sodass wir gleich drehen konnten. Wenn ich das nicht selber erlebt hätte, würde ich es kaum glauben. Als wir nach Vancouver Island dislozierten, kam er nicht mit, weil er auf die dortigen Geistwesen keinen Einfluss habe. Darauf hats drei volle Tage geregnet…

Und dann gab es die Story mit dem Wolf. Wie war das?

Der ursprünglich ausgewählte Wolf war verletzt, und wir mussten einen Ersatz suchen. Es musste ein Tier sein, welches in die magische Realität des Filmes passte. Letztlich wurden wir in Hollywood fündig und bekamen den Wolf, welcher bereits aus «Twilight Saga» und «Into the Wild» Filmerfahrung aufwies. Allerdings war es administrativ gar nicht so einfach, einen amerikanischen Wolf in Kanada agieren zu lassen.

Vorpremiere in Solothurn in Anwesenheit der Hauptdarsteller und der Filmcrew am Freitag, 14. März, ab 20 Uhr im Kino Capitol. Reservationen unter Tel. 032 622 25 15 oder www.kinosolothurn.ch