Direkt betroffen von einer Schliessung der Papierfabrik Biberist wäre auch die Regio Energie Solothurn: Der Energiedienstleister im Besitz der Stadt Solothurn ist ein grosser Lieferant von Erdgas an Sappi. «Auch wir haben zuerst an das Schicksal der 550 Mitarbeitenden gedacht», erklärt Direktor Felix Strässle – doch dann musste man sich am Ritterquai selbst mit den unangenehmen Konsequenzen einer Produktionseinstellung in Biberist befassen. «Es käme zum gleichen Fall wie schon bei der Borregaard-Schliessung 2008», zieht Strässle einen Vergleich heran, der noch in bester, oder vielmehr unguter Erinnerung ist. «Das Werk in Biberist würde wie damals im Attisholz geordnet geschlossen. Es käme also zu keiner Insolvenz, wir hätten einen Vertragspartner, der seinen Verpflichtungen weiterhin nachkommen müsste und könnte», betont der Direktor der Regio Energie, der übrigens auch am runden Tisch zur Sappi-Schliessung Einsitz hat.

Die Verpflichtungen bestehen in langfristigen Gas-Lieferverträgen in Millionenhöhe. «Diesen Verpflichtungen ist sich Sappi Europe wohl bewusst.» Doch die Gretchenfrage für Strässle lautet in diesem Fall: «Es kommt vor allem darauf an, wie lange Sappi noch produziert.»

Eklatanter Absatzverlust

Schon im Vorjahr, also für das Betriebsjahr, hatte die Regio Energie einen Absatzrückgang beim Erdgas von 1695 auf noch 1350 Gigawattstunden vermelden müssen, jetzt veranschlagt Felix Strässle den möglichen Wegfall durch das Sappi-Volumen auf «20 bis 30 Prozent» der bisherigen Gesamt-Absatzmenge. «Damit würde das Einkaufsvolumen etwas kleiner, aber dramatisieren würde ich das nicht.» Denn nach wie vor gehöre die Regio Energie Solothurn zu den grösseren Gasplayern der Schweiz – derzeit dürfte sie laut Strässle auf Platz 4 oder 5 schweizweit liegen.

Neben dem Gas-Absatz würden aber auch «Deckungsbeiträge von jährlich einigen hunderttausend Franken für uns wegfallen», sieht Felix Strässle weitere Konsequenzen Die andere Folge: Wegfallen würde auch ein grösserer Risikoposten, wie ihn alle Grosskunden im Fall einer Insolvenz darstellen. Noch nicht abschätzbar sind für den Direktor der Regio Energie auch «indirekte Markteffekte», die durch den Wegfall der bisherigen AEK-Dampf- und Fernwärme-Leitung nach Biberist eintreten könnten. Näher zu diesen weiteren allfälligen Folgen für die regionale Energieszene wird die AEK heute Vormittag im Rahmen ihres Jahresabschlusses eingehen. Das erwähnte Engagement des Solothurner Konkurrenten bei Sappi hatte jedenfalls für die Regio Energie schon vor Jahren zu einer merklichen Reduktion der Gasliefermengen für die «Papieri» geführt.

Gas bleibt Schlüsseltechnologie

Felix Strässle ist von seiner vor zehn Jahren lancierten Strategie der Diversifizierung beispielsweise in den Bereich Contracting, in Energie-Service-Dienstleistungen und in das aktuell vorangetriebene Fernwärmenetz überzeugt. Im Weiteren hat die Regio Energie unabhängig von der damals noch gar nicht bekannten Sappi-Drohung eine Verdichtungs-Aktion lanciert, um kostengünstig weitere Liegenschaften in und um Solothurn am Erdgasnetz anzuschliessen. «Denn Erdgas», so Strässle, «bleibt eine Schlüsseltechnologie» – dies nicht zuletzt auch mit Blick auf die aktuelle Alternativen-Diskussion zur Kernenergie.