«An einem Ausbau halten wir fest», schreibt Andrea Lenggenhager, Leiterin des Stadtbauamtes in einem Brief an die Grundeigentümer der Kreuzenstrasse. Der Brief liegt der Redaktion vor.

Nicht mehr zeitgemäss?

Die Kreuzenstrasse ist eine Schotterstrasse. Aus Sicht der Stadt ist dies in einem Stadtquartier nicht zeitgemäss. «Es ist eine absolute Ausnahme, dass Strassen in städtischen Gebieten noch nicht asphaltiert sind», sagt Lenggenhager auf Anfrage.

Ziel sei es, einen einheitlichen Ausbaustandard zu erreichen, damit sowohl die Nutzung als auch der Unterhalt effizient sichergestellt werden könne.

Ein weiteres Problem ist gemäss der Stadt auch, dass die Entwässerung einer Schotterstrasse nicht möglich ist: «Die Einlaufschächte werden immer wieder verstopft», so Lenggenhager.

Bei starkem Regen werde die Strasse ausgespült, der Mergelbelag werde die Strasse herunter geschwemmt und lagere sich auf dem Asphalt ab.

Die Anwohner lassen diese Argumente nicht gelten. Ihnen liegt die Schönheit ihres Quartiers am Herzen. «Im Bestreben, Altes und Bewährtes zu bewahren wäre es fast eine Sünde, die alte Strasse zu entfernen – die Umgebung verlöre damit ihre ästhetische Wirkung», schreiben die Anwohner in ihrem Brief ans Stadtbauamt.

Den Brief haben alle Betroffenen unterzeichnet und auch dieser liegt der Solothurner Zeitung vor.

Eine Strasse für 115000 Franken

Auch zur Entwässerung nehmen die Anwohner Stellung: «Die Entwässerung ist notwendig und gewünscht», schreiben sie. Allerdings seien sie der Ansicht, dass es bei pflichtgemässer und gründlicher Reinigung der Abflüsse einer Schotterstrasse zu keinen Verschwemmungen kommen würde.

«Den Arbeitsaufwand erachten wir als sehr gering und er steht in keinem Verhältnis zu den horrenden Baukosten», so die Anwohner.

Die Gesamtkosten des Umbaus betragen 115000 Franken. Davon bezahlt die Stadt lediglich 15 Prozent. Der Rest wird den Grundeigentümern in Rechnung gestellt.

Sie müssen pro Partei zwischen 3000 und 14000 Franken bezahlen, je nach Grundstückgrösse (siehe Kasten). «Die finanzielle Belastung für die einzelnen Grundeigentümer ist sehr hoch», schreiben die Anwohner. Sie würden den Nutzen einer Strassensanierung nicht sehen können, wohl aber die vielen Nachteile.

Ein weiterer Punkt stösst bei den Anwohnern auf Unverständnis: Zwar soll die Kreuzenstrasse geteert werden, der daran anschliessende Grafenfelsweg aber nicht.

«Der Grafenfelsweg ist weniger steil und kann vorübergehend noch eine Schotterstrasse bleiben», sagt dazu Andrea Lenggenhager. Die Entwässerung funktioniere zwar, aber nicht einwandfrei. «Es ist eine Übergangslösung.»

Vorgehen der Stadt wird kritisiert

«Was uns am Bauvorhaben besonders ärgert, ist das Vorgehen des Stadtbauamtes», sagt Nicole Herzog, eine der Anwohnerinnen. So habe der Chef Tiefbau, Benedikt Affolter, bei einer Orientierung im Januar gesagt, das Bauvorhaben könne mit grosser Wahrscheinlichkeit verhindert werden, falls alle Parteien eine betreffende Erklärung unterschreiben würden.

«Entgegen unseren Befürchtungen haben wir alle Unterschriften zusammenbekommen», sagt Herzog. Es sei nicht fair, dass die Stadt ihr Vorhaben jetzt aber trotzdem durchführe.

Benedikt Affolter war für eine Stellungnahme zu diesem Vorwurf nicht zu erreichen. Andrea Lenggenhager sagt auf Anfrage: «Das ist eine Fehlinterpretation – uns ist nicht bewusst, dass Herr Affolter dies verbindlich versprochen hätte.»

Die Grundeigentümerbeiträge liegen bis Mitte Oktober bei der Gemeinde auf und die Anwohner der Kreuzenstrasse können Einsprache erheben. Der Umbau ist aber beschlossene Sache. Als letzte Hoffnung bleibt so den Anstössern jetzt nur noch ein Wiedererwägungsgesuch.