Genau vor zwei Monaten öffnete das McDonald’s-Restaurant am Hauptbahnhof seine Tore und wurde so entlang der Achse Bahnhof–Innenstadt zum grossen Mitstreiter um hungrige Mägen und durstige Kehlen. Nicht zwingend muss dabei der Fastfood-Riese zur Bedrohung der anderen Player auf Platz werden. Eine Bestandesaufnahme bei Betrieben, die sich seit Jahren ebenfalls um das leibliche Wohl der Passanten kümmern.

Gefestigt dank Stammkunden

Schon ein Jahrzehnt mit dabei ist Efem Imbiss GmbH an der Niklaus-Konrad-Strasse. Auf die Frage, ob er mit Umsatzeinbussen zu kämpfen habe, winkt Inhaber Cemal Özsönmez ab. Man habe im Gegenteil sogar rund 5 Prozent zugelegt: «Wenn bei McDonald’s eine starke Kundenfrequenz herrscht und es dort zu Stau kommt, strömen viele Jugendliche zu uns. Also profitieren wir unter dem Strich davon», so seine Beobachtung. Zudem verzeichne Efem Imbiss einen Stammkundenanteil von schätzungsweise 95 Prozent, «das sind Leute von Grenchen bis Olten». Über den Mittag setzt sich seine Kundschaft zusammen aus Berufs- und Kantischülern sowie aus Handwerkern und Bürolisten aus der Umgebung. Darüber hinaus ist Özsönmez überzeugt, dass der grosse Mitstreiter mit dem gelben «M» in Sachen Qualität, Menge und Preis mit seiner Ware nicht mithalten kann: «Der ‹Mac› ist für uns keine Konkurrenz. Wir sind für den ‹Mac› die Konkurrenz.»

«Bis jetzt keine spürbaren Einbussen», so resümiert Recep Kücükerdogan von der R&B Caféteria an der Berthastrasse. Auch er spricht von einer Stammkundschaft, die den Umsatz stabilisiere, «es sind vor allem Gewerbeschüler, die mir trotz ‹Mac› treu geblieben sind».

«Mac» ist nicht immer günstiger

Ebenfalls nichts von einem allfälligen Umsatzeinbruch gemerkt hat Ueli Trüssel. Auch er zieht eine ähnliche Zwischenbilanz wie Özsönmez: «Gerade im Snackbereich haben wir gar mehr Umsatz.» Jedoch gibt er zu, dass es insgesamt schwer sei, die weitere Entwicklung vorherzusehen. Der Januarumsatz 2011 schlage lediglich besser zu Buche als der Januarumsatz 2010, ein besseres Resümee lasse sich aber wohl erst im Herbst ziehen. Zwei Vorzüge zieht er gegenüber McDonald’s ins Feld: «Die Nähe zur Aare hat sich bisher als sehr vorteilhaft herausgestellt. Gerade wenn Schüler, die dort über den Mittag verweilen, sich bei Trüssel verpflegen.» Ausserdem stuft er die Preise – gerade im McCafé-Angebot – nicht unbedingt als günstiger ein als die seinen: «Ein Kaffee mit Tortenstück ist dort nicht unbedingt preiswerter als bei uns.» Sortimentsanpassungen stehen für Ueli Trüssel aufgrund der neuen Konkurrenzsituation folglich nicht zur Diskussion.

Hausgemachtes als Vorzug

«Wir haben eine andere Kundschaft als McDonald’s. So gesehen ist es weder ein Vor- noch ein Nachteil», betont Sazdili Ahmet vom Restaurant Akropolis bei der kaufmännischen Berufsschule: «Von da her kommen wir gut aneinander vorbei: Denn unsere Gäste schätzen ja, dass wir Hausgemachtes anbieten.»

Auch eine anderen Kundenstruktur macht man beim Rosengarten-Coop-Restaurant geltend, wie Stephanie Weiss, Kommunikationsleiterin Coop Nordwestschweiz, ausführt. Auch beim «schnellen Brötli» seien keine Auswirkungen zu spüren.

Am Bahnhof selbst ist die Anwesenheit des Mitstreiters offenbar zu spüren. «Am Mittag haben wir es schon gemerkt, in Sachen Kaffee auch am Morgen», so Brigitte Leuenberger, stellvertretende Geschäftsleiterin des Avec. Gerade die Kundschaft an Gewerbeschülern, die über den Mittag an den Bahnhof pilgerten, sei nach ihrer Wahrnehmung zurückgegangen: «Gerade Snacks wurden sicher weniger eingekauft.»