Stadt Solothurn
Nicht nur vor Kinos stehen Filmtage-Besucher Schlange

Das Hotel ist längst nicht mehr die einzige Übernachtungsart für Filmfans. Bed and Breakfast stellen eine angemessene Alternative dar. Aber der Platz für Überachtungen während der Solothurner Filmtage ist knapp.

Fabiana Seitz
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Neben den Spielstätten wappnen sich auch die Hotels und «Bed and Breakfast»-Angebote auf den Besucheransturm.

Neben den Spielstätten wappnen sich auch die Hotels und «Bed and Breakfast»-Angebote auf den Besucheransturm.

Hanspeter Baertschi

Die Tage, welche voll und ganz im Zeichen des Schweizer Films stehen, rücken immer näher. Doch nicht nur für die Tage, sondern auch für die Nächte will vorgesorgt sein. Während den einheimischen Filmtage-Besuchern ein Bett im trauten Heim sicher ist, haben es auswärtige Filmfans nicht ganz so einfach. So wird die Suche nach einer geeigneten Schlafgelegenheit wohl vom einen oder anderen als Sisyphusaufgabe empfunden.

Flexibel mit «Bed and Breakfast»

Eine angemessene Alternative zu den zahlreichen Hotelbetrieben in und um Solothurn stellen Bed and Breakfast (B&B) dar, also Gästezimmer bei Privatleuten, verbunden mit Frühstück. Doch auch da muss schnell sein, wer in der Nacht nicht ohne Dach über dem Kopf dastehen will. So zeigt sich Eva Beck, Besitzerin des Gästehauses Sonne in Zuchwil, mit der Nachfrage zufrieden. Während es Anfang Januar jeweils noch eher ruhig zu- und hergeht, sind in der Zeit der Filmtage beinahe alle ihre fünf Doppelzimmer ausgebucht. Doch was macht den Charme von B&B aus? Beck: «In erster Linie sind es der persönliche Kontakt und der Austausch. Ausserdem sind die Gäste dank einer gut eingerichteten und zur freien Benützung bereitstehenden Küche flexibler, was besonders Familien mit Kindern zu schätzen wissen.»

Falls da das Gemüt immer noch schwankt, können die Preise überzeugen. Marlies Emch, welche ein B&B führt, das auf den schönen Namen Aimée hört und mitten in der Solothurner Altstadt liegt, muss aufgrund des starken Ansturms gar klare Regeln setzen. So vermietet sie ihre Zimmer an eine Person erst ab drei Nächten und an zwei Personen ab zwei Nächten. Auch Doris Weyeneth kann nicht klagen. Besonders während des Filmtage-Wochenendes bleibt kaum ein Bett im Kulturhof Weyeneth in Nennigkofen leer. Trotzdem sei es schon so, dass Filmtagebesucher in erster Linie Ausschau nach einem Schlafplatz in der Stadt möglichst nah beim Austragungsort halten und erst danach ihre Suche auf die Region ausweiten. Alle drei erleben Filmtagegäste als angenehm und interessant, besonders wenn die Möglichkeit besteht, Kontakte zu knüpfen und auch das eine oder andere bekannte Gesicht zu erkennen.

Mi casa es su casa

Wohl noch näher an Filmschaffende und -interessierte ran kommen diejenigen, welche ihr Zimmer oder gar ihre ganze Wohnung über die Onlineplattform www.airbnb.ch vermieten. Eine davon ist Theres Kurmann, die ein Zimmer für zwei Personen in ihrem Haus in Zuchwil vermietet. Als sie Mitte Januar vor einem Jahr das Zimmer auf «Airbnb» stellte, war es für die Filmtage im Nu ausgebucht. Leute aus aller Welt kommen gerne für Arbeit, Ferien oder Veranstaltungen zu Kurmann, und besonders solche, die viel unterwegs sind, schätzen an Unterkünften via «Airbnb» den heimeligen Charakter im Unterschied zu so manch sterilem und unpersönlichem Hotelzimmer. Kurmann, welche auch schon selbst mit «Airbnb» unterwegs war, hat nur beste Erfahrungen gemacht, denn «es beruht ja auf einer Gegenseitigkeit.»

Auch über Solothurn Tourismus werden Zimmer von Privatpersonen an Festivalbesucher vermittelt. Hier kann sich jeder melden, der Interesse hat und dessen Unterkunft gewisse Standardanforderungen erfüllt.

Filmtage bringen Hotelgäste

Bitte hinten anstellen. Wie jedes Jahr stehen die Gäste auch im Jubiläumsjahr vor den Hotels Schlange. «Wir sind schon seit Monaten ausgebucht. Wer jetzt ein Hotelzimmer bei uns will, kommt auf die Warteliste», lässt Samuel Ritschard vom Hotel Kreuz verlauten. Viele Stammgäste reservieren nach den Filmtagen gleich wieder für das Jahr darauf. Auch der Direktor des Hotels Ramada Daniel Siegenthaler bestätigt, dass eine grosse Nachfrage besteht. Dank dem 50-Jahre-Jubiläum seien die Filmtage sogar noch schneller ausgebucht gewesen als in den Jahren zuvor. «Es kommt zwar immer wieder zu kurzfristigen Stornierungen, aber frei gewordene Zimmer sind schnell wieder besetzt.» Für volle Zimmer sorgt auch schon die Filmtageorganisation selbst mit vorab reservierten Kontingenten. Im Jubiläumsjahr werden für Filmschaffende und Ehrengäste 509 Nächte freigehalten.
Wie der Vizedirektor des Hotels Astoria Markus Stebler vermeldet, erweise sich die erste Januarhälfte als eher ruhig und da kämen die Filmtage gerade recht. Beinahe alle der 40 Zimmer seien ausgebucht. Besonders seitdem die Filmtage vor fünf Jahren auf das Wochenende verlegt wurden, also jeweils Donnerstag bis Donnerstag andauern, werden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: «Früher blockierten die Filmtage die Geschäftsleute, nun können wir unsere Zimmer die Woche hindurch an Businessleute vermieten und übers Wochenende an die Filmtagebesucher.»
«Bed and Breakfast»-Angebote oder die Unterkunft bei Privatleuten werden von den Hotelbetreibern während der Filmtage noch nicht als Rivalen wahrgenommen. Auch Solothurn Tourismus sieht darin eher eine Alternative als eine Konkurrenz, da man ein anderes Zielpublikum anvisiert. (fso)