Sportzentrum
Nicht nur die Gemüter kochen rund ums CIS: Sportler trainieren bei 35 Grad

Trotz der hohen Temperaturen im CIS Sportzentrum schweigt der Verwaltungsrat zum Sanierungsbedarf.

Andreas Kaufmann
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Das Quecksilber in der CIS-Halle stieg am Mittwoch auf 35 Grad Celsius.

Das Quecksilber in der CIS-Halle stieg am Mittwoch auf 35 Grad Celsius.

Andreas Kaufmann/zvg

Unter den Betonkuppeln des CIS Sportzentrums herrscht gerade ein Klima, das seinen Benutzern aufs Gemüt schlägt: Weit über 30 Grad Celsius, defekte Dachluken, ausserdem wird das Lehrlingsturnen kurzerhand an einen anderen Ort verlegt und zum Lehrlingsschwimmen umfunktioniert. Gnade all jenen also, die sich trotzdem für körperliche Betätigung in den sportlichen Glutofen hineinwagen.

Dazu zählt beispielsweise der TV Solothurn Handball. «Es ist mörderisch heiss in der Halle – und schon aus gesundheitlichen Gründen sollte man sich dort nicht aufhalten», bestätigt Stefan Blaser, seines Zeichens Handballer-Präsident. Am Mittwochabend liess er zum Beweis die Temperatur in der Mehrfachturnhalle messen: 35 Grad Celsius.

«Saunamässig heiss» findet es auch Günter Weber, Präsident des Badminton-Clubs Ambass Drops: Der Verein trainiert neben der eigentlichen Badminton-Halle auch in der grossen Halle. Da der Öffnungsmechanismus zur dortigen Dachluke im Kuppeldach defekt sei, könne die Hitze nur notdürftig über offene Türen abgeführt werden – «wenn es denn Wind hat», so Weber. Eine Reparatur der Vorrichtung, so habe ihm die Geschäftsführung mitgeteilt, gebe es indes keine.

Bloss ein kurzes Aufblühen?

Ein Indiz dafür, dass der kurz aufblühende Sanierungswille der CIS Solothurn AG nun wieder vormaliger Lethargie Platz macht? Nach dem Wechsel des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung im vergangenen Herbst sah es nämlich für die Nutzniesser plötzlich wieder vielversprechend aus.

Mehr als eine Viertelmillion wurde unter neuer Führung für die notdürftigsten Arbeiten auf der langen Pendenzenliste investiert: Nachdem defekte Bodenhülsen, die zu richtiggehenden Stolperfallen geworden waren, repariert worden waren, wurden nun auch verwahrloste Garderoben saniert. Ferner wurde der Gastrobereich umgebaut, punktuelle Flickarbeiten an der undichten Aussenhülle wurden durchgeführt, und eine neue Lüftung für die Halle wurde eingebaut.

So sieht es im CIS nach dem Umbau Anfang 2017 aus Blick auf den erneuerten Eingangsbereich
5 Bilder
Die Garderoben und Duschen wurden funktionsgerecht saniert
Die Garderoben und Duschen wurden funktionsgerecht saniert
Auch in den Gängen wird die Auffrischung sichtbar
Die Sportbar mit neuem Anstrich

So sieht es im CIS nach dem Umbau Anfang 2017 aus Blick auf den erneuerten Eingangsbereich

Andreas Kaufmann

Zurzeit in Arbeit sind Instandstellungen am Flachdach. Erstmals fühlten sich die Sportvereine wieder ernstgenommen – auch in der Zusammenarbeit mit der CIS-Geschäftsführung unter Marcel Weidmann. «Die Crew ist perfekt und kommunikativ», weiss Stefan Blaser die operative Seite zu loben.

Auf der anderen Seite kann Stadtpräsident Kurt Fluri der neuen strategischen Führung unter Antoine Bonvin selbiges nicht attestieren. Denn ungleich der Hallentemperatur verhält sich das Klima zwischen dem Verwaltungsrat der CIS Solothurn AG und der Stadt Solothurn, die als Mieterin und Eigentümerin des Grundstücks auftritt: Es herrscht Eiszeit. Der neue Verwaltungsratspräsident Bonvin sei nie erreichbar, monierte Fluri kürzlich.

Man erwarte insbesondere, dass der neue Verwaltungsrat bei der Stadt vorstellig werde. Und wenn die Vereinbarungen zur Unterhaltspflicht wieder nicht eingehalten würden, so werde man die Miete künftig auf ein Sperrkonto überweisen – wie bereits schon in der Vergangenheit. Ein Kontingent von 1300 Stunden à 138 Franken Miete hat die Stadt jährlich für ihre Vereine reserviert, hinzu kommen Mehrkosten von 48'000 Franken. Macht also 227'400 Franken pro Jahr, die die Stadt jährlich hinblättert und an die nutzniessenden Vereine weiterverrechnet – knapp drei Viertel davon fallen an den TV Solothurn Handball, weitere Anteile an die «Ambass Drops», die Floorball Association Solothurn und den Basketball-Club.

Verpflichtungen vernachlässigt

Gemäss Baurechtsvertrag, der nach einer 2010 vereinbarten Verlängerung nun bis 2074 andauern wird, sei die CIS Solothurn AG ihrerseits als Baurechtsnehmerin verpflichtet, «die Mehrzwecksporthalle inklusive Garderobe und Konsumationsmöglichkeit, sowie eine Tennishalle und Aussenanlage für Tennis zu erhalten, soweit nötig zu erneuern und zu betreiben.» Genau das würde auch Blaser befürworten: «Die Stadt und der Kanton müssen aufhören, jetzt auch nur einen Franken zu zahlen.»

Schliesslich habe die CIS bislang nur Miete gezogen, ohne zu investieren. Notabene: Von der CIS wird der Sanierungsaufwand für einen Betrieb auf 3,5, von den Behörden auf 5 Mio. Franken beziffert. Unter «absolut notwendig» wird gemäss einer Kostenstudie die Zahl 1,3 Mio. Franken genannt. Dagegen sind die bisher investierten 250 000 Franken ein Tropfen auf den heissen Stein.

Dennoch: Es seien jetzt vorerst keine konkreten Schritte geplant, wieder ein Sperrkonto für die Mietzahlungen einzurichten, sagt Christine Krattiger, Leiterin des Personal- und Rechtsdiensts der Stadt. «Uns liegen gegenwärtig keine Reklamationen seitens der Vereine vor.»

Verwaltungsrat ausgewechselt

Unklar ist, wie es mit der Geschäftsleitung unter Marcel Weidmann und seinem Team weitergeht. Den Hut nehmen mussten Joshua Steffen, der bis Mai Verwaltungsratspräsident war, zusammen mit Beat Mani als Verwaltungsrat. Steffen selbst war auch operativ vor Ort aktiv. «Wir hatten auf alle Fälle ein gutes Gefühl, in einem konstruktiven Dialog mit der Stadt und dem Kanton zu sein.»

Über die Gründe des Weggangs äussert er sich allerdings nur zurückhaltend. Fakt ist, er wurde anlässlich der Generalversammlung von Dinett Holding, der Eigentümerin der CIS Solothurn AG, abgewählt. Offizieller Grund seitens Verwaltungsrat: Man wolle alle Firmen der Dinett-Gruppe unter derselben strategischen Führung vereinheitlichen. Über seine Abwahl erfuhr Steffen aber erst nachträglich.

Offenbar hat der Verwaltungsrat die Absicht, sich kommenden Dienstag vor Ort vorzustellen und dabei Gespräche mit der Geschäftsführung, der Stadt und diversen Handwerkern zu führen. Klärungsbedarf besteht in erster Linie für die Stadt, denn: «Die Probleme mit dem Betrieb der CIS-Halle haben sich erst seit Übernahme der CIS Solothurn AG durch die Dinett Holding ergeben», sagt Krattiger.

Unbeantwortet bleiben bis dahin mehrere Fragen, die diese Zeitung Antoine Bonvin bereits vergangene Woche gestellt hat: Bleibt das Team von Marcel Weidmann weiterhin operativ tätig? Was ist am Vorwurf dran, dass die CIS Solothurn AG nur Miete aus der Anlage zieht – ohne gleichzeitig zu investieren? Und vor allem: Welche CIS-Investitionen dürfen die Sportvereine erwarten?