Solothurn

Nicht nur die Denkmalpflege konnte mit Sensationen auftrumpfen

Im Pächterhaus des Museums Blumenstein gibt es eine Ausstellung zum Umbau des Solothurner Stadttheaters. Bei der Vernissage kam Bauforscher Urs Bertschinger ins Schwärmen.

«Vorhang auf! Archäologie im Stadttheater». So heisst die neue Sonderausstellung im Pächterhaus des Museums Blumenstein mit Fokus auf den Umbau des Theaters, das kurz vor der Eröffnung steht. Die kleine, aber feine Ausstellung beleuchtet die interessanten Funde, die die Kantonsarchäologie zutage gefördert hat. Sie gibt aber auch Auskunft über die Restaurierung der barocken Dekorationsmalereien, mit der sich die Kantonale Denkmalpflege beschäftigte.

Es war der Bauforscher Urs Bertschinger, der an der Vernissage im Salon Rouge des Museums Blumenstein mit sichtlicher Begeisterung über die barocken Malereien referierte, die bei der Theatersanierung an den Brüstungen wieder entdeckt wurden. Wie man inzwischen weiss, datiert die überaus farbige Dekorationsmalerei in die Zeit von 1778/1779 und ist dem Solothurner Maler Felix Josef Wirz zuzuschreiben. «Die Holzkonstruktion kam erst zum Vorschein, als die aus dem 19. und 20. Jahrhundert stammenden Papierdekorationen vollständig entfernt waren», liess Bertschinger die zahlreich erschienenen Zuhörer wissen.

Wie der Bauforscher betonte, waren die qualitativ hochstehenden Malereien, die im unteren Rang verschiedene Embleme aus der Welt des Theaters und im oberen Rang eine illusionistische Vorhangmalerei zeigen, nur noch fragmentarisch erhalten, was die Restauratoren vor eine schwierige Aufgabe stellte. «Die in Segmente aufgeteilten Brüstungsbretter waren teilweise verschoben und mussten durch neue ersetzt werden», so Urs Bertschinger.

Die Rekonstruktion führte dazu, dass nicht nur die Malereien ausgebessert werden mussten, sondern dass es auch nötig wurde, Fehlstellen zu ergänzen und zu kitten. «Es stellte sich heraus, dass das Holz nicht sorgfältig ausgewählt wurde, was sich auch an den verschiedenen so belassenen Astlöchern zeigte», gab Bertschinger zu bedenken. Zum Vorschein kamen auch verschiedene Inschriften und Kritzeleien, die wohl aus der Hand des Publikums stammen.

Man stelle sich nur vor ...

Nebst der Geschichte über die Dekorationsmalereien schilderte der Bauforscher eindrücklich, wie der Kernbau des Theaters mehrmals umgebaut und dem Zeitgeist angepasst wurde. «Man stelle sich vor, wie verrusst es in diesem Theater ausgesehen hat, als es noch keine Gasbeleuchtung gab und der Saal und die Schauspieler mit Öllampen und Talgkerzen beleuchtet wurden.» Nicht nur das Licht, sondern auch die bemalten Stützen mit hölzernen Fratzen seien durch Eisensäulen ersetzt worden. Neu eingebaut worden seien auch Ehrenlogen und Logenzugänge und der Zeit angepasste Kulissenmalereien für die Bühne.

Nebst der Denkmalpflege kann auch die Kantonsarchäologie mit kleineren Sensationen auftrumpfen. Gefunden wurde unter anderem ein aus Kalbsleder gefertigter Schmuckschuh, der aus der Zeit um 1300 stammt und in seiner Art einzigartig ist. Der Besitzer sei wahrscheinlich ein vornehmer Herr, Adeliger oder Kaufmann gewesen, liest man in der Ausstellung, denn das einfache Volk habe hohe Schuhe getragen, die in erster Linie dem Schutz des Fusses dienten, und Bettler, Kranke oder andere Randständige hätten überhaupt keine Schuhe besessen. Doch nicht nur der Prunkschuh beschäftigte die Archäologen während der Notgrabung im Stadttheater. Sie sammelten auch neue Erkenntnisse über die Uferzone und die Ufermauer. Archäologe und Grabungsleiter Fabio Tortoli dazu: «Im späten 13. Jahrhundert standen dort Lehmfachhäuser, die später durch massiv gebaute Steinhäuser ersetzt wurden.»

Mehr zu lesen über die Ausgrabung gibt es in der soeben erschienenen Publikation «Archäologie und Denkmalpflege im Kanton Solothurn», die von Mirjam Wullschleger, Kuratorin des Museums Pächterhaus, vorgestellt wurde.

Öffnungszeiten der Ausstellung: Dienstag bis Samstag 14 bis 17 Uhr, Sonntag 10 bis 17 Uhr.

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