Solothurner Filmtage

Nicht nur «Bla Bla»: Das läuft hinter den Kulissen der Filmtage

Hauptprobe und Handwerker: Was spielt sich an den Solothurner Filmtagen ab, bevor die Filme laufen? Wir haben für einmal einen etwas anderen Blickwinkel auf den Eröffnungstag geworfen.

Der Eröffnungsfilm eröffnet die Filmtage. Klar. Der Eröffnungstag beginnt aber schon viel früher. Bereits um acht Uhr sind Urs Alber und sein Team vor der Reithalle. Das Zelt, in dem später die Ehrengäste der Filmtage unter Blitzlichtgewitter eintreffen werden, ist schon aufgebaut. Der rote Teppich, über welchen in einigen Stunden Bundesrat Alain Berset schreiten wird, muss noch ausgerollt und an den Zeltwänden angepasst werden. Und fertig ist der VIP-Eingang der Filmtage.

Bodenleger Markus Wirz verlegt vor der Reithalle den Roten Filzteppich zur Filmtage-Eröffnung – «Die Folie bleibt noch bis am Abend drauf»

Bodenleger Markus Wirz verlegt vor der Reithalle den Roten Filzteppich zur Filmtage-Eröffnung – «Die Folie bleibt noch bis am Abend drauf»

Etwa zur gleichen Zeit wartet ein Chauffeur mit einem Schild mit der Aufschrift «Solothurner Filmtage» bei Gleis 1 am Solothurner Hauptbahnhof. Manuel Studer wartet auf Fernand Melgar – der Regisseur des diesjährigen Eröffnungsfilms. Dieser nächtigt im Hotel Ramada, das sich nur wenige Fussmeter vom Bahnhof entfernt befindet. Weil Melgar und seine Begleitung, die Produzentin Joëlle Bertossa, aber Koffer mit haben, werden sie chauffiert.

Regisseur Fernand Melgar erzählt, dass er an diesen Filmtagen zum ersten Mal ein sonniges Solothurn erlebt.

Regisseur Fernand Melgar erzählt, dass er an diesen Filmtagen zum ersten Mal ein sonniges Solothurn erlebt.

«Schon bemerkenswert», erzählt Melgar auf Französisch. Jetzt sei er doch schon so viele Male in Solothurn gewesen. Heute erlebe er zum ersten Mal, dass in der Ambassadorenstadt die Sonne scheint – bisher habe sie stets Nebel verhüllt. Zeit für einen Stadtrundgang hat der Regisseur aber nicht. Im Hotel H4 angekommen gibt er bereits sein erstes Interview. Dabei wird er auf Schritt und Tritt von einer kleinen Brünette begleitet. Sie heisst Ursula Pfander und ist die Medienverantwortliche der Filmtage. Den ganzen Tag über geht sie vom einen Interview zum nächsten, ist auf Achse zwischen Hotel, Reithalle und Landhaus.

Hauptprobe für den Film

Dort herrscht inzwischen Gedränge – wie jedes Jahr. Journalisten und Filmmitarbeiter, die sich für die Filme akkreditiert haben, holen hier ihre Ausweise ab. Dafür muss man auch schon mal 20 Minuten Schlange stehen. Mit dem Ausweis geht es danach dafür schneller zu und her. So kommen wir zum Beispiel in die Reithalle – bevor die Eröffnung stattgefunden hat.

Die Sitze für das Filmpublikum sind zwar noch leer, und doch spielen sich schon einige interessante Bilder auf der Bühne ab. «Bla bla bla», sagt die Direktorin der Filmtage, Seraina Rohrer, in das Mikrofon. Es ist Hauptprobe. Und dabei werden nicht etwa die Reden von Filmtagepräsident Felix Gutzwiller, der Direktorin oder dem Regisseur geprobt.

Vor der Eröffnung der 53. Solothurner Filmtage findet die offizielle Hauptprobe statt.

Die Hauptprobe vor der Eröffnung der 53. Solothurner Filmtage

Die Verantwortliche Ines Meyer, erklärt, auf was es ankommt: Die Redner müssen auf das rote Licht bei der Kamera schauen, damit es auf der Übertragung auf der Leinwand nicht so aussieht, als würden sie über das Publikum hinweg reden. Das Licht muss auf den richtigen Punkt strahlen, damit keine Schatten auf die Redner geworden werden. In der Gruppe wird zudem besprochen, wer wem wann wie das Wort übergibt, und wann die Blumensträusse als Dank an das Filmteam übergeben werden.

All das überwachen zwei Techniker im Kabäuschen, ganz hinten in der Reithalle. Dann spielen sie den Film ab – aber nur kurz, während sie den Ton und Bild auf ihren Bildschirmen überprüfen.

Medienrummel vor dem Start

Sein Herz klopfe langsam etwas stärker, erzählt der Regisseur Melgar. Er freue sich vor allem darauf, nach dem Film seine Familie in die Arme zu schliessen. Auch die Direktorin Rohrer ist nervös. «Aber viel weniger im Vergleich zu den ersten Malen», erklärt sie. Dann wendet sie sich wieder ihrem Handy zu. Sie müsse noch einige Mails erledigen, Zitate autorisieren. Auch die Direktorin hat nämlich den ganzen Tag über Interviews gegeben.

Bald bald beginnt die Eröffnung der 53. Solothurner Filmtage. Auch die Direktorin Seraina Rohrer ist ein bitzeli nervös.

Auch die Direktorin Seraina Rohrer ist ein bitzeli nervös vor der Eröffnung.

Um sich mental noch richtig auf die Eröffnung vorzubereiten geht sie danach noch mal nach Hause – in die Maske. Während sie geschminkt und ihre Haare gestylt werden, geht sie im Kopf noch mal ihre Rede durch. Auch die anderen Redner haben jetzt noch Zeit sich frisch zu machen, etwas in den vollen Restaurants in der Stadt zu essen, bevor es dann ernst gilt. Und zwar um 17 Uhr.

Vor dem Zelt und um den roten Teppich, auf dem mittlerweile keine Folie mehr klebt, tummeln sich Kameraleute, Journalisten, und Schaulustige. Erwartet werden die Verantwortlichen der Filmtage, Schauspieler und Familienangehörige, und schliesslich Bundesrat Alain Berset. Sobald ein Promi in Sichtweite ist, beginnt das Blitzlichtgewitter. Jeder versucht, sein Mikrofon möglichst nahe an die VIPS zu strecken und ein paar Töne zu kriegen.

So geht es eine halbe Stunde lang. Dann geht es in die Reithalle, in der schon die Gäste warten. Als auch der Letzte seinen Platz eingenommen hat, wird es ruhiger. Wie im Kino: Langsam geht das Licht aus, Gespräche werden zu Gemurmel, alle Blicke sind nach vorne gerichtet. Ein Scheinwerfer erhellt die Bühne. Showtime.

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