Stand Up Paddling ist kein wirklich neuer Trend mehr. Trotzdem habe ich den Sport bis jetzt noch nicht ausprobiert. Als ich die Ausschreibung für das Aareschwimmen 2018 lese wird mir klar: Das muss sich ändern. «Wollen Sie wie ein polynesischer Fischer oder eine hawaiianische Königin durch Solothurn gleiten?», steht in der Beschreibung der neuen Kategorie SUP. Eine hawaiianische Königin. Natürlich will ich das. Ich beschliesse, am diesjährigen Aareschwimmen nicht zu schwimmen, sondern zu paddeln.

Das Paddle Board kann ich im Pipeline Solothurn ausleihen. Dort werden auch regelmässig Kurse angeboten, aber dafür bleibt mir jetzt keine Zeit mehr. «Ich kann ja vor dem Wettkampf noch trainieren», beruhige ich mich, und hole das Board schon um 13. 30 ab. Ich erhalte die letzten Instruktionen, dann steige ich bereits oberhalb der Wengibrücke auf das Brett. Das Ding ist viel zu schwer und zu unhandlich, um es bis zur Badi zu schleppen. Vermutlich hatte die hawaiianische Königin Bedienstete, die ihr das Brett hinterhertrugen.

Downloadpdf - 237 kB

Noch stehe ich nicht auf dem Brett, sondern ich knie. Ich will mich erst ein bisschen an das Gefühl gewöhnen und nicht schon nach wenigen Metern ins Wasser fallen. «Eigentlich ist das gar nicht so schwer», denke ich, paddle gemütlich in Richtung Badi und geniesse den Blick auf Solothurn, den ich von der Aare aus habe.

Ich überlege mir aufzustehen, bis ein Motorboot vorbeifährt. Die Wellen bringen mein Board ziemlich ins Schwanken und ich bleibe dann doch lieber auf den Knien. Mein linker Arm fängt schon auf der Höhe der Velobrücke an zu schmerzen und erinnert mich daran, dass ich tatsächlich Sport mache. Zum Glück ist die Badi nicht mehr weit und ich kann mich vor dem Start noch ein bisschen ausruhen.

Erlebnisbericht vom Aareschwimmen Solothurn von Rebekka Balzarini.

Erlebnisbericht vom Aareschwimmen Solothurn von Rebekka Balzarini.

Ausser mir sind noch sieben andere Paddler am Start. Ich habe noch genug Zeit zum Üben und schaffe es sogar, ohne Sturz aufzustehen. Noch wenige Sekunden bis zum Start, wir bringen uns in Position, auf Kommando paddeln wir los. Alle paddeln in Richtung Ziel, nur ich nicht. Ich paddle in Richtung rechtes Aareufer. Irgendwie klappt das nicht mehr mit dem Lenken. Mit Mühe schaffe ich es, mein Brett schliesslich zu drehen. Die anderen sind bereits auf und davon.

Unauffällig hinterherpaddeln

Na super, denke ich mir. Unauffällig hinterherpaddeln und so tun, als hätte ich mit dem Wettkampf nichts zu tun, funktioniert nämlich nicht: Vor dem Start wurde mir mit dickem, schwarzem Filzstift meine Startnummer auf den Oberarm gekritzelt. Vielleicht hätte ich doch lieber schwimmen sollen. Da hätte ich zwar auch verloren, aber mit Badekappe und Schwimmbrille hätte mich immerhin niemand erkannt.

Nun denn, ich gebe mein Bestes. Leider nützt das nicht viel, die anderen sind schneller. Alle. Ich hoffe ein bisschen, dass meine Gegner ins Wasser fallen und so Zeit verlieren. Die Einzige, die immer wieder gefährlich wackelt, bin aber ich. Meine Beine sind ganz schön müde vom ständigen balancieren. Ich gebe also auf, paddle in meinem Tempo und profitiere vom Mitleid der Zuschauer, die mich von der Wengi- und der Fussgängerbrücke aus anfeuern. Immerhin komme ich sturzfrei ins Ziel, wenn auch wenig königlich. Und ich habe trotzdem richtig viel Spass gehabt.