Einsiedelei
«Nicht gut fürs Image»: Eine Schliessung der Klause kam nicht infrage

Für die Solothurner Bürgergemeinde stand auch eine Schliessung der Klause in der Einsiedelei zur Diskussion. Dies wäre aber «nicht gut fürs Image» gewesen, meint Bürgergemeindepräsident Sergio Wyniger.

Wolfgang Wagmann
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Seit Dienstag lebt, wohnt und arbeitet Schwester Benedikta in der Verenaschlucht

Seit Dienstag lebt, wohnt und arbeitet Schwester Benedikta in der Verenaschlucht

Felix Gerber

Die Arbeitsgruppe zur Wahl der neuen Einsiedlerin hat sich auch mit dem extremsten Szenario, der Aufgabe der Einsiedelei durch die Bürgergemeinde, befasst. Warum?

Sergio Wyniger: Der Bürgerrat hat unserer Arbeitsgruppe den Auftrag gegeben, alle Optionen anzuschauen. So wurde auch dieses Szenario aufgeworfen, kurz diskutiert – aber nie ernsthaft in Erwägung gezogen.

Und was hätte das konkret bedeutet?

Wir hätten versuchen müssen, die beiden Kapellen an die Kirchgemeinde St. Niklaus zu veräussern oder allenfalls zu verschenken. Die Klause hätte man wohl als Depot für den Forstbetrieb gebraucht. Aber das Problem wäre damit nicht gelöst gewesen. Sperren könnte man die Schlucht ja auf die Dauer nicht.

Bürgergemeindepräsident Sergio Wyniger

Bürgergemeindepräsident Sergio Wyniger

Wolfgang Wagmann

Für die Bürgergemeinde ist die Einsiedelei auch ein Kostenfaktor. Was kostet sie pro Jahr?

Seit dem Jahr 2000 kostet uns die Einsiedelei jährlich rund 20 000 Franken. 3000 Franken Beitrag steuert jährlich die Gemeinde Rüttenen bei. Das ist eine interne Kostenrechnung. Sie enthält unter anderem den Lohn der Einsiedlerin und die Unterhaltsarbeiten in der Schlucht. Wenn wir diese Arbeiten auswärts vergeben würden, wären die Kosten viel höher.

Das ist nicht viel Geld ...

Die Sanierung der Klause oder die vorgenommene Instandstellung der Brücken läuft natürlich zusätzlich über die Investitionsrechnung. Doch gerade bei kulturhistorischen Renovationsarbeiten, beispielsweise an den Kapellen, werden wir durch die Gesellschaft der Einsiedelei St. Verena tatkräftig unterstützt.

Jetzt hat man sich für die Neubesetzung der Klause entschlossen. Eine Schliessung wäre ja wohl kaum verstanden worden – vor allem nach dem riesigen Medieninteresse.

Nein, das wäre für unser Image nicht gut gewesen. Die Bürgergemeinde will ja die Botschaft vermitteln: Wir stellen euch dieses wunderschöne Naherholungsgebiet zum Nulltarif zur Verfügung.

Gibt es im Aufgabenbereich von Schwester Benedikta Änderungen im Vergleich zu ihrer Vorgängerin?

Grundsätzlich nicht. Es bleibt beim bisherigen Aufgabengebiet: der Aufsicht in beiden Kapellen, dem Sakristanendienst bei Taufen und Hochzeiten, dem Sauberhalten der Umgebung und der Schlucht. Auch wird Schwester Benedikta für Auskünfte zur Verfügung stehen. Doch wollen wir schauen, dass sie sich in diesem Bereich besser abgrenzen kann. Denn für eigentliche touristische Führungen existieren in der Schlucht spezielle Angebote.

Der Druck auf die Einsiedelei wächst ständig. Kann eine Einsiedlerin – in der Schlucht hinten quasi allein auf sich gestellt – damit umgehen?

Wir haben im Zusammenhang mit dem geplanten Wengisteinpark auch schon diskutiert, ob man eine Art «Einsiedler Ranger», ähnlich dem «Witi-Sheriff», schaffen sollte. Aber eigentlich kann die Einsiedlerin dies bewältigen. Alles steht und fällt mit der Toleranz und der Rücksichtnahme der Einsiedelei-Besucher. Ich bin optimistisch, dass wie bis anhin alles gut funktioniert.

Gab es auch schon Gedankenspiele, andere Institutionen – beispielsweise die Standortgemeinden – in die Aufgabenbewältigung einzubinden?

Früher erhielten wir auch von der Stadt Solothurn einen Beitrag. Bis 2007 zahlte sie jeweils die Hälfte an den Schlucht-Unterhalt, obwohl die Schlucht völlig auf Rüttener Boden liegt. Wenn es aber ein spezielles Projekt gäbe, könnten wir die Stadt um einen Beitrag ersuchen. Im Weiteren geht die Werkstatt Wyssestei von Solodaris für eine kleine Entschädigung dreimal wöchentlich auf Abfall-Sammeltour.