Hallenbad
Nicht Füfi und Weggli für Schwimmer

Ab 2014 ist das Schwimmbad der Pädagogischen Hochschule (PH) mieterlos. Ihren Ausstieg begründet die Fachhochschule Nordwestschweiz, der die PH angegliedert ist, mit einem schlechten Kosten-Nutzen-Verhältnis. Springt nun die Stadt in die Bresche?

Andreas Kaufmann
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Das PH-Hallenbad bietet wettkampftaugliche 25 Meter für Sportler. ul

Das PH-Hallenbad bietet wettkampftaugliche 25 Meter für Sportler. ul

Solothurner Zeitung

Zwei Hallenbäder für die Stadt, das ist eines zu viel. Über diesen Sachzwang ist man sich im Gemeinderat mehrheitlich einig: Ein neues Lehrschwimmbecken mit 16 Metern Länge beim Schulhaus Hermesbühl und das bestehende 25-Meter-Hallenbad in der Pädagogischen Hochschule (PH) wären «sFüfi» und «sWeggli», und beides zusammen kann sich die Stadt kaum leisten. Diese Haltung hat die Gemeinderatskommission (GRK) mit einem Beschluss bestärkt, der Anfang 2011 an den Gemeinderat weitergereicht wird: Das Schulhaus Hermesbühl soll zwei übereinandergebaute Turnhallen erhalten, aber kein Lehrschwimmbecken.

Im Finanzplan war das Schwimmbecken als Variante bei der Sanierung der Hermesbühl-Turnhallen vorgesehen. Die Stadt stand vor der Qual der Wahl: Wo können und sollen Stadtsolothurner Wasserratten künftig ihrer Leidenschaft frönen? In einem Neubau beim Hermesbühl-Schulhaus oder im Schwimmbad der PH, deren Hauptnutzniesserin ohnehin schon jetzt die Stadt ist?

Eine fast schon griffbereite Lösung

Die Antwort auf diese Frage könnte der Stadt nun in den Schoss gefallen sein. Genau vom letztgenannten Bad, das dem Kanton gehört, will sich die PH als Mieterin nämlich trennen, wenn möglich vor Ablauf des Mietvertrags Ende 2013. Ihren Ausstieg begründet die Fachhochschule Nordwestschweiz, der die PH angegliedert ist, mit einem schlechten Kosten-Nutzen-Verhältnis. Gemäss Statistik von 2009 wird das Hallenbad zu 68 Prozent von der Stadt in Anspruch genommen, zu 7,5 Prozent von den Stadtschulen. Derweil schöpfen die Kantonsschule 13,5 Prozent und die Pädagogische Hochschule lediglich 11 Prozent der 2600 Betriebsstunden aus. Während sich alle Nutzniesser fairerweise an den Betriebskosten beteiligen, bleibt die PH aber auf den Mietkosten alleine sitzen. «Dass das Bad bald schliessen müsste, will eigentlich niemand», betont Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli auf Anfrage: «Der Kanton ist offen für verschiedene Optionen. Eine faire Kostenverteilung unter den Nutzern wäre der gangbare Weg.» So hat der Kanton der Stadt ein entsprechendes Angebot unterbreitet, in die Bresche zu springen. Der erste Schritt auf dem Instanzenweg ist mit dem GRK-Beschluss schon getan.

Finanzen standen im Vordergrund

«Ausschlaggebend für den Variantenentscheid ohne Lehrschwimmbecken war vor allem die finanzielle Situation», so Stadtpräsident Kurt Fluri. So müsse man nicht zuletzt auf dem Hintergrund der anstehenden Stadttheater-Sanierung die Finanzen in den Griff bekommen. Mit dem Wegfall der Variante Lehrschwimmbecken wird die Doppelturnhalle kostengünstiger zu realisieren sein. Weitere praktische Gründe stützen den Entscheid zusätzlich: «Aus architektonischer Sicht wäre ein 25-Meter-Becken beim Hermesbühl platzmässig nur schlecht realisierbar», so Fluri weiter. Und mit einem Becken von nur 16 Metern Länge würden die sportlichen Anforderungen der Wettkampflänge von 25 Metern nicht erfüllt. Für die Stadtschulen sollte die Lösung mit der PH keine Probleme mit sich bringen, auch wenn das dortige Sportbecken für Schwimmanfänger kaum taugt: «Schwimmunterricht ist ohnehin fakultativ. Auch die Frage der Verantwortung und Sicherheit für künftigen Schwimmunterricht ist problematisch.»

Flankierende Massnahmen nötig

Noch ungelöst ist die Frage, wo der Solothurner Schwimmklub inskünftig seine Schwimmschule abhalten soll. Seit der Schliessung des alten Hermesbühl-Hallenbads sitzt der Klub wortwörtlich auf dem Trockenen. Und für die Schwimmschule ist das Sportbecken in der PH keine Option, weshalb es dafür flankierende Massnahmen braucht. «Wir bemühen uns, in näherer Umgebung ‹Wasser› für den Schwimmklub zu finden», so Fluri weiter. Auch andere nutzniessende Vereine, vorderhand der Triathlon-Klub und die Lebensrettergesellschaft, wurden von Fluri schriftlich angefragt, ihre Bedürfnisse hinsichtlich «Schwimmraum» zu erläutern. Bis zur Gemeinderatssitzung am 1. Februar folgen weitere Abklärungen. Dazu zählt auch die Frage, ob das Hallenbad im Baurecht oder in Miete übernommen würde. Für den Fall, dass die Stadt künftig als Mieterin auftritt, nennt Fluri einen jährlichen Miet- und Betriebsaufwand von rund 320000 Franken. Davon ausgenommen ist ein ausstehender Investitionsbedarf in noch unbekannter Höhe.

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