Aktionsmonat Platz da?!

«Nicht einfach zu verstehen»: Installationen geben gewollt Anlass zu Diskussionen

Zum sechsten Mal wird im Mai unter dem Namen «Platz da?!» ein Aktionsmonat mit dem Untertitel «Öffentlicher Raum für alle» durchgeführt, der die Einnahme des öffentlichen Raums im Fokus hat.

Ein Samstagnachmittag im Mai in der Altstadt. Es ist im Vergleich zu den vorangegangenen Tagen warm, die Leute kaufen ein, flanieren, sitzen draussen und freuen sich über die wenigen Sonnenstrahlen, die sich durch die Wolkendecke kämpfen Auf dem Friedhofplatz zeigt die Tanzgruppe Roundabout ihre Künste, und eine Gruppe von 50 Leuten folgt gelben Markierungen und bleibt da und dort stehen. Aus unauffällig platzierten Klangkörpern ertönen monotone akustische Signale.

«Wie kann man hier noch wohnen. Hier gibt es zuviel Lärm», sagt der sich mit raumgreifenden Installationen im öffentlichen Raum beschäftigende Kölner Künstler Max Erbacher durch sein Megafon und lehnt sich auf der Wengibrücke ans Brückengeländer. Er ist zusammen mit zehn Studierenden der Münchner Akademie der Bildenden Künste nach Solothurn gekommen, eingeladen vom Team des Alten Spitals. Zum sechsten Mal wird im Mai unter dem Namen «Platz da?!» ein Aktionsmonat mit dem Untertitel «Öffentlicher Raum für alle» durchgeführt, der die Einnahme des öffentlichen Raums im Fokus hat. Gezielt haben die Kunststudierenden für ihre Installationen Orte in der Stadt ausgesucht, wo Passanten während der vergangenen Woche Überraschungseffekten ausgesetzt waren.

Von Abfalleiner zu Abfalleimer

Früh schon auf dem abschliessenden Rundgang lässt Erbacher erkennen, dass es ihm nicht nur um sinnige Gedankengänge geht, sondern auch darum, Hand anzulegen. Lautlos sammelt er Zigarettenstummel und anderen Unrat ein und putzt – man staunt – in stoischer Ruhe einen Abfalleimer nach dem anderen. «Schliesslich ist die Stadt auch ein Arbeitsplatz», lässt er die an jeder Station geduldig wartende Gruppe wissen. Kein Zweifel, das Littering ist auch in Solothurn ein Thema. Wie hoch der Müllberg anwachsen wird ist im Moment noch offen, denn der Aktionsmonat dauert noch bis am 31. Mai. Eines steht schon jetzt fest: kaum ein Solothurner wusste bis anhin, dass es in der Stadt so viele Abfalleimer gibt.

Es ist nicht so einfach zu verstehen, weshalb er das tut», sagt ein älterer Passant, der stehen geblieben ist und sich ganz offensichtlich ein bisschen schwertut mit dieser Art von Kunst. «Schliesslich ist das Putzen der Abfalleimer Sache des Werkhofes, aber jedem das seine», meint er und entfernt sich wieder.

Bei der St.-Ursen-Kathedrale fehlt der gelbe Tatzelwurm, der von den Kunststudierenden selbst genäht wurde, und der sich während der Woche die dortige Treppe hochschlängelte. Wir finden ihn auf der «Chatzestäge» wieder und machen auf Anweisung von Erbacher fünf Minuten Pause. Für viele eine willkommene Gelegenheit, sich auf den weichen Kissen mit den unzähligen Reissverschlüssen ein wenig auszuruhen, bevor es zu weiteren Stationen in die Vorstadt geht.

Einmalige Chance

«Die jungen Leute und einer ihrer Professoren kamen im Februar nach Solothurn und entwickelten Ideen für die Bespielung des zur Verfügung stehenden öffentlichen Raums. «Ich war sehr gespannt, welche Orte sie sich für ihre Installationen aussuchen werden», verriet zum Abschluss die Bereichsleiterin des Begegnungszentrums, Eva Gauch. Als dies bekannt war, staunte sie nicht schlecht. «Ich war selbst noch nie im Rollhafen.»

Die Aktion sei aber auch für die experimentierfreudigen Studierenden eine einmalige Chance gewesen. In der Regel stünden ihnen keine derartigen Lernfelder zur Verfügung. «Für uns war es zugegebenermassen ein grosser Aufwand, und wir brauchten viel Zeit zum Organisieren, aber die Gelegenheit, ausländische und so motivierte Studierende hier zu haben, kommt nicht so schnell wieder.»

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