Die Restaurierung der Jesuitenkirche wird zwar termingerecht abgeschlossen, doch die Gesamtkosten werden fast 4 Mio. Franken erreichen und um rund eine halbe Million Franken höher ausfallen, als ursprünglich budgetiert.

Ein Grund: Das Eingangsportal musste hindernisfrei, also rollstuhlgängig umgestaltet werden. «Daran hatten wir gar nicht gedacht, als wir das Baugesuch einreichten», räumt Karl Heeb, Präsident der Römisch-katholischen Kirchgemeinde Solothurn unumwunden ein.

Doch bei grösseren Umbauten von öffentlichen Bauten wie Kirchen tritt automatisch Procap, die Selbsthilfeorganisation für Menschen mit Handicap in der Schweiz, auf den Plan.

«Jedes Baugesuch geht an Procap vorbei, und so mussten wir uns mit dem Thema befassen.» Ein Zusatzprojekt, das massgeblich zur Kostensteigerung von insgesamt 480 000 Franken beitrug.

Die Sanierungsarbeiten an der Jesuitenkirche laufen noch - und werden teurer

Die Sanierungsarbeiten an der Jesuitenkirche laufen noch - und werden teurer

Rampe wird verlegt

Die nun links von der Eingangstreppe geplante Steinrampe findet Karl Heeb zwar «architektonisch unschön», aber sie ist von der Denkmalpflege genauso abgesegnet, wie der verwendete Stein. Kein echter Solothurner Stein zwar, «aber er ist qualitätssicher und passt auch farblich», ist der Kirchgemeindepräsident überzeugt.

Die Rampe mit der von Procap verlangten Neigung, um Rollstühlen den hindernisfreien Zugang zu ermöglich, habe sich als gangbarste Lösung herausgeschält, Varianten einer Zufahrt über die Infothek im Osten oder das Lapidarium (Steinmuseum) im Westen seien verworfen worden, erklärt Heeb weiter.

«Der Eingangsbereich reicht damit weiter nach vorne und tritt prominenter hervor», sieht er auch Vorteile im neuen Eingangsregime.

Dieses erfordert aber noch eine weitere Neuerung. «Jeder Rollstuhlfahrer muss allein die Kirche erreichen können», meint Karl Heeb angesichts der Tatsache, dass gerade die Jesuitenkirche wegen ihrer hervorragenden Akustik bevorzugt für Konzerte genutzt wird.

Damit auch diese Vorgabe eingehalten werden kann, hat nun die Kirchgemeinde das Portal zu elektrifizieren. «Es wird beim Eingang einen schwarzen Kontaktbalken geben, damit Leute mit Rollstühlen oder Rollatoren die Türflügel mit einem Tastendruck öffnen können», schildert Heeb diese weitere Massnahme, die natürlich ebenfalls ein Eingriff in die historische Bausubstanz sei.

Nässe und andere Probleme

Als zweites Zusatzprojekt sei eine weitergehende Fassadensanierung aufgrund von eindringendem Wasser im letzten Jahr veranlasst worden. Dagegen hätten mehrere Faktoren die veranschlagten Kosten für die Innensanierung um 100 000 Franken erhöht.

Karl Heeb: «Die Altarbekrönung ist bei der letzten Restaurierung 1952/53 mehr notdürftig zusammengeflickt als restauriert worden und musste nun umfassend renoviert werden. Zudem zeigten sich bei allen drei Deckengemälden Hohlstellen, die hinterfüllt werden mussten.

Dies zusätzlich zu den dort vorher festgestellten Farbabpuderungen.» Und ebenfalls das Budget belastet habe die Schaffung eines neuen Fluchtwegs über die Westempore hinüber ins Lapidarium.

Lotteriefonds sei Dank

Geregelt ist jedoch für Karl Heeb und die Kirchgemeinde die Finanzierung des Mehraufwandes. Die Kredite für die beiden Zusatzprojekte der umgestalteten Eingangspartei und der Fassadensanierung seien über das ordentliche Budget 2015 bewilligt worden.

Und für den Mehraufwand im Kircheninnern «haben wir einen Nachtragskredit von 100 000 Franken gesprochen.» Mehr als die Hälfte des jetzigen Mehraufwandes, nämlich 250 000 Franken, «sponsert» der kantonale Lotteriefonds.

Damit hat die Regierung den bereits gesprochenen Kantonsbeitrag für die Innenrestaurierung von fast 545 000 Franken nochmals erheblich aufpoliert. Zumindest aber terminlich steht dem Sanierungsvorhaben nichts im Weg.

Nach den Eröffnungsfeierlichkeiten vom 22. November, «ist die Jesuitenkirche wieder öffentlich zugänglich», betont Karl Heeb.

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