Ist es ein Fernseher? Ein Gemälde? Oder ein Fenster, das durch die Wand der Galerie 9 gebrochen wurde, um den Blick nach draussen zu gewähren? Ganz sicher ist sich der Betrachter nicht, wenn er vor den grossformatigen Werken Sam Foleys steht.

Plötzlich huschen über die Kreuzackerbrücke geisterhafte Gestalten, während die Kathedrale zur Blauen Stunde ungewöhnlich lebhaft aus der dunklen Dächersilhouette aufleuchtet.

Schwärme von Insekten patrouillieren um eine Strassenlampe und über die Strukturen des Malgrundes fliesst die Aare. Nein, der Betrachter schuldet es nicht seiner lebhaften Fantasie, dass hier ein Gemälde in Bewegung kommt. Der Anblick ist vielmehr der konzeptionellen Arbeitsweise des Neuseeländers zu verdanken, der in den vergangenen drei Monaten als Gastkünstler im Alten Spital weilte.

Bilder, die hineinziehen

Foley macht sich jeweils auf die Suche nach Motiven, fotografiert und filmt sie und malt sie nach. Um die Werke zu präsentieren, werden die Filmsequenzen via Beamer über das Bild gelegt und in einem regelmässigen Turnus ein- und ausgeblendet, sowohl als Standbild als auch bewegt.

Technisch entlockt der 36-jährige Künstler seinen Bildern so einen Kontrastumfang, wie er durch Farbe allein nicht zu erreichen wäre. Künstlerisch zieht der eingerahmte Mix multimedialer Eindrücke den Betrachter ins Bild hinein.

Dass er der Heimatliebe der Solothurner schmeichelt, beweist Foley auch bei seinen Kleinformaten, die ein wenig zu seinem Tagebuch geworden sind: «Ich habe die Gegend joggend oder fahrradfahrend erkundet, um zu meinen Motiven zu gelangen – und dabei viel entdeckt.»

Hier sind Reflexionen des wirbelnden Flusswassers zu sehen, dort eine nächtliche Momentaufnahme des Alten Spitals, wo er wohnte. Dann wieder blickt man durch Foleys Bilder verstohlen in die dämmrige Seilergasse bei der Kathedrale oder lässt sich auf einen gemalten Bergspaziergang auf den Weissenstein mitnehmen.

Die Nähe zum Bild entsteht nicht nur, weil man ans Bild herantreten muss, sondern weil es in unterschiedlicher Maldichte und Detailtreue Vertrautes auslöst. Immer wieder beweist er lustvoll – insbesondere durch die kontrastorientierte Chiaroscuro-Technik – dass das Auge gerne mehr sieht, als die Fotokamera festzuhalten vermag.

Nicht nur Kunst geschaffen

«Ich habe die Zeit hier sehr genossen und viele Leute kennengelernt», blickt Foley zurück. Trotzdem sei es auch künstlerisch eine sehr produktive Zeit gewesen. Das zeigt sich an den beiden anderen gearbeiteten Grossformaten, die ebenfalls durch je einen Beamer detailreich zum Leben erwachen, sei es das Matterhorn von einer ungewohnten Flanke und ein Bergbach, der Schmelzwasser zu Tale führt, während eine Geräuschkulisse das ihre beiträgt.

Oder das Blätterdach der Bucheggberger Waldes, dessen Laubwerk durch den Wind in Bewegung gebracht wird und vergessen lässt, wo man sich befindet. Apropos: Dass dem Neuseeländer die Natur am Herzen liegt, beweist er auch durch ein weiteres Werk. So hat er hier – mit Solothurner Holunder und nach neuseeländischem Rezept – «Elderflower Champagne» kreiert und wie erschmunzelnd sagt: «2013 den zweiten Sommer auf der nördlichen Halbkugel gefeiert.»

«Moving Image Paintings» Freitag, 17–20 Uhr, Sa/So, 14–17 Uhr.