Solothurn
Neuland an den Filmtagen: Jetzt führt sie die Regie statt 330 Mitarbeitende

Für die Home-Edition der Solothurner Filmtage ist Jacqueline Grütter für die Livegespräche zuständig – Neuland für die Solothurnerin.

Judith Frei
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Jacqueline Grütter (rechts) und die Kamerafrau Meret Madörin bei der Besprechung vor einer Live-Schaltung.

Jacqueline Grütter (rechts) und die Kamerafrau Meret Madörin bei der Besprechung vor einer Live-Schaltung.

Michel Lüthi

Jacqueline Grütter legt ihr Handy vor sich auf den niedrigen Salon-Tisch im Foyer des Kinos Canva. Dabei kontrolliert sie, ob jemand versuchte, sie zu erreichen. «Es ist so seltsam. Während eines normalen Jahres würde mein Handy ständig klingeln», sagt sie. Seltsam sei, dass sie jetzt ungestört ein Gespräch führen kann. «Jetzt habe ich es sogar häufig auf Flugmodus gestellt», sagt sie. Für die Home-Edition der Solothurner Filmtage ist Grütter Aufnahmeleiterin für Livegespräche im Kino Canva.

In einem normalen Jahr würde Grütter am Infostand im Landhaus stehen. Sie ist seit acht Jahren die Ansprechperson für ungefähr 330 Mitarbeitende, die während der Filmtage im Einsatz sind, und noch mal 170 Personen, die auf der Warteliste sind und eingesetzt werden, sobald jemand ausfällt.

"Es freuen sich immer alle, zu arbeiten"

«Es ist sehr schön, mit diesen Mitarbeitenden zu arbeiten. Es freuen sich immer alle, zu arbeiten», meint Grütter. Mithelfen wollen viele und auch ganz unterschiedliche Menschen: Von der 16-jährigen Schülerin bis zum Rentner, und gar Berufstätige würden für die Filmtage freinehmen.

Jacqueline Grütter arbeitet das ganze Jahr für die Filmtage. Sie organisiert, koordiniert und informiert, für diese Ausgabe hat sie auch Schutzkonzepte entwickelt. Seit März letzten Jahres hat sie stets die Lage beobachtet und verschiedene Optionen abgeklärt – die Online-Version haben sie schon seit Frühling ins Auge gefasst.

Hü-Hott-Kurs auf Mitarbeitende übertragen

Dass es trotzdem physisch durchgeführt werden könne, hat sie bis zum Schluss gehofft. Einige Konzepte, die sie dann im Verlauf vom Herbst entwickelte, hat sie gar nicht abgeschickt, da sich die Bestimmungen in der Zwischenzeit geändert haben. Was sie bei diesem Prozess am meisten gestört hat, war, dass sie diesen Hü-Hott-Kurs auch auf die Mitarbeitenden, übertragen musste. Einmal hat sie ihnen gesagt, dass sie arbeiten können und dann kurze Zeit später, dass sie zu Hause bleiben müssen. «Ich bin ein zuverlässiger Mensch, und ich habe immer das Gefühl gehabt, dass ich ein Versprechen breche, als ich absagen musste», sagt sie:

«Als es im Dezember dann klar wurde, in welche Form es stattfinden würde, hat es mir von Herzen wehgetan, so vielen Leuten absagen zu müssen.» Denn sie wisse, dass viele für diese Zeit extra freigenommen haben und nun deren Pläne durcheinander gekommen sind.

IT-Spezialisten waren dieses Mal gefragt

Zuerst seien sie davon ausgegangen, dass sie kaum Mitarbeitende brauchen. Erst Anfang Januar haben sie bemerkt, dass sie spezialisierte Mitarbeitende benötigen. So haben sie dann die Informatiker unter ihren Helfern angefragt. Ein spezialisiertes Zoom-Team Heute gibt es ein «Zoom-Team», bestehend aus zehn Helfern, die dafür zuständig sind, dass die Zoom-Schaltungen funktionieren. Neben diesem Team gibt es ein Team von 15 Personen, die für die Reinigung zuständig sind und regelmässig die Studios im Kino Uferbau und Canva desinfizieren.

Jetzt ist sie nicht nur Ansprechperson für die wenigen Mitarbeitenden, sie ist hauptsächlich Aufnahmeleiterin. Sie ist dafür zuständig, dass die Filmgespräche, die jeweils nach den Filmen stattfinden, reibungslos funktionieren. Dafür hat sie ihr Natel auf Flugmodus gestellt, über Kopfhörer ist sie mit der Regie verbunden und gibt das Signal, sobald man live geht. Dann muss alles stimmen: Die Gäste am richtigen Ort sitzen, eventuell noch gepudert sein, falls sie physisch ins Kino kommen.

Wie beim Fernsehen

«Es ist ein wenig wie beim Fernsehen. Kurz vorher herrscht grosse Hektik, und sobald man dann live ist, dann sind alle ruhig», erklärt sie. Manchmal würde sie dem Moderator oder der Moderatorin ein Zeichen geben, dass sie wieder aufrechter sitzen müssen, mehr lächeln sollen und weniger mit dem Stuhl hin und her wippen. Sie gibt der Moderation auch ein Zeichen, falls eine Frage aus dem Publikum kommt.

Jacqueline Grütter hat keine Fernseherfahrung. Sie kennt sich mit der Produktion von Filmen aus. Vor ungefähr 20 Jahren hat sie den Regisseur Cihan Inan kennen gelernt und war bei seiner ersten Filmproduktion auf dem Set. Seither war sie bei jeder Produktion dabei. «Dieser Job bei den Solothurner Filmtage ist wie für mich gemacht», erklärt sie. Er hat kaufmännische Aspekte, aber trotzdem ist sie mit Filmschaffenden verbunden.

Direkte Kontakte fehlen

Die neuen Aufgaben, die sie dieses Jahr angenommen hat, sind völliges Neuland für sie. «Ja, es macht schon Spass, was Neues zu lernen, aber ich freue mich darauf, dass die Filmtage wieder wie früher durchgeführt werden können», sagt sie. Ihr fehlt der direkte Kontakt mit den Arbeitskollegen und mit den Gästen. Jetzt meldet ihr die Regie durch die Kopfhörer, dass in 15 Minuten das nächste Gespräch stattfinden wird. Der Moderator ist schon hier, die Gäste auch – via Zoom zugeschaltet.