Solothurn
Neugestaltung des Postplatzes: Die Aaremauer bleibt wohl «unberührbar»

Nach dem Scherbengericht zur Neugestaltung des Postplatzes muss ein neuer Anlauf stattfinden – doch ein Wunsch bleibt wohl unerfüllbar.

Wolfgang Wagmann
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Die Aaremauer zwischen der Wengi- und Eisenbahnbrücke wurde im 19. Jahrhundert nach dem Schanzenabbruch vor dem Postplatz errichtet.
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Die St.Georgs-Bastion mit dem Haffnersturm bildete den westlichen Abschluss der Stadtbefestigung.
Die Ecke der Bastion St.Peter wurde 2007 mit dem Bau der Aare-Plattform rekonstruiert und steht für den östlichen Abschluss der barocken Stadtbefestigung.
Das Bollwerk des «Ritters» und die Bastion St.Peter schirmten das Aareufer im Osten der Stadt ab.

Die Aaremauer zwischen der Wengi- und Eisenbahnbrücke wurde im 19. Jahrhundert nach dem Schanzenabbruch vor dem Postplatz errichtet.

Wolfgang Wagmann

«Solange Stefan Blank Denkmalpfleger ist, wird die Öffnung des Postplatzes gegen die Aare kein Thema sein.» Diese Aussage im Gemeinderat war nur ein Statement auf dem Weg zur «Versenkung» des offiziellen Umgestaltungsprojekts letzte Woche. Aber es war auch Bestandteil der grossen Unzufriedenheit, mit der die Ratsmehrheit der Umgestaltung begegnet war. «Weder Fisch noch Vogel» sei der Postplatz, falls die Umgestaltung so realisiert werde, war eine der wenig schmeichelhaften Titulierungen für das Vorhaben. In der Kritik standen primär die Tatsache, dass der aareseitige Teil des Platzes weiterhin als Verkehrsfläche für ­Linienbusse dienen sollte, dann aber auch, dass die Verweilqualität sich auf die baumbestandene Plattform im Norden des Platzes beschränken sollte, statt ganzflächig bis zu Aare hinab.

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Zwar soll dort ein Steg unterhalb der Aaremauer gegen die Eisenbahnbrücke Nähe zum Wasser schaffen, doch ist dieser planerisch noch nicht genauer definiert und könne erst mit dem geplanten Ersatz der alten Eisenbahnbrücke durch eine neue Betonbrücke festgelegt werden. Die SBB haben den Brückenersatz ab 2025 ins Auge gefasst, nachdem bisherige Lärmsanierungen eher erfolglos geblieben waren.

Warum die Denkmalpflege keine Öffnung wünscht

Auch wenn das Stadtbauamt einen neuen Wettbewerb zur Umgestaltung des Postplatzes ausschreibt – ein Parameter bleibt wohl unverrückbar: die Abschlussmauer des Platzes gegen die Aare. «Auch wenn sie erst im 19. Jahrhundert entstanden ist, bleibt die Mauer wie auch am Landhausquai historisch. Sie macht Solothurn aus und hat einen prägenden Charakter für das Stadtbild», verteidigt Denkmalpfleger Stefan Blank seinen Standpunkt, dass die Mauer nicht anzutasten sei. «Und dafür haben sich schon meine Vorgänger eingesetzt», verweist er auf abgelehnte Versuche wie jenen von 2001, am Landhausquai eine Abtreppung zu realisieren (vgl. Kasten unten).

Eine Bresche war weiter östlich möglich

Tatsächlich sind weite Strecken der Aaremauer in der heutigen Form erst nach dem Abbruch der Schanzen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden. Mit dem gewonnenen Material wurden der Schanzengraben aufgefüllt und auch die Ufermauer über dessen Perimeter hinausgezogen. Nur der Bereich im Rollhafen vor der «Hafebar» bis zur Kreuzackerbrücke entlang des südlichen Aareufers ist noch «Original-Barock».

Und so gestattete man 2007 am Nordufer vis-à-vis die Aareabtreppung am Ritterquai. Man markierte damit eigentlich den Abschluss der barocken Stadtbefestigung durch die rekonstru­ierte Ecke der Bastion St.Peter. Eine Mauerlücke, die aber auch sinnbildlich für die damalige dortige Einmündung des Schanzengrabens stehen kann. «Ich war damals noch nicht verantwortlich», will sich Stefan Blank dieser Interpretation als möglicher Rechtfertigung für einen ähnlichen «Sündenfall» im Westen nicht anschliessen – er hatte erst 2009 sein Amt als Denkmalpfleger angetreten.

Mit dem Steg kann er als «Kompromiss» leben

So scheint es für die Denkmalpflege nur den Steg als möglichen Aarezugang beim Postplatz zu geben. «Das ist für mich ein Kompromiss», meint Stefan Blank, zumal der Zugang weit westlich bei der Eisenbahnbrücke – also dort, wo der Mauerbereich endet – zu liegen komme. Genau festgelegt soll dieser mit dem Brückenersatz werden, bestätigt er eine Lösung, die mit seiner Grundsatzhaltung zur Aaremauer «verträglich» sei.

Da das Nein des Gemeinderats noch taufrisch ist, wird ein neues Projekt für die Umgestaltung des Postplatzes wohl noch Jahre auf sich warten lassen. Stefan Blank wird allerdings erst in zwölf Jahren 65.

Solothurn und sein Kampf ums «Meer»

Aare-Projekte 1998 wurde erstmals der Ruf nach einem besseren Zugang zur Aare laut: Eine Art Kiosk sollte am Landhausquai auf die Aare hinaus errichtet werden. Es kam ein absolutes Verbot des Kantons, irgendetwas auf seinem Hoheitsgewässer zu errichten. Ein Aarenutzungskonzept, erarbeitet mit der Stadt, schaffte dann doch Raum für gewisse Ideen. So sollte an die bestehende Abtreppung am Landhausquai ein Aaresteg knapp über dem Wasserspiegel parallel zum Aaremürli errichtet werden. Doch dem Projekt «Leicht italienisch» des Architekten Philippe Jean Richard erwuchs 2001 plötzlich Opposition aus der Bevölkerung: Ein «normaler Bürger» namens Hanspeter Bader schlug statt des Stegs eine Abtreppung zur Aare am Quai vor, die 200 Sitz- statt der nur 50 Stehplätze auf dem Steg ermöglicht hätte. 3100 Unterschriften und politischer Support reichten aber nicht aus, um der Idee zum Durchbruch zu verhelfen – das Stadtbauamt und die Denkmalpflege stellten sich klar dagegen. Zuletzt blieb die Landhausquai-Umgestaltung ohne den Steg; der Gemeinderat «versenkte» ihn auch aus Frust über die verweigerte Abtreppung.

Diese kam dann im Herbst 2007 doch noch zu Stande: Wiederum Architekt Jean Richard hatte das Projekt einer Abtreppung mit einer 16 Meter breiten Lücke in der Aaremauer am Ritterquai erarbeitet, das nun mit dem Neubau der Rötibrücke umgesetzt wurde. Die 20 Meter breite Plattform unterhalb der Abtreppung kragt 60 cm weit in die Aare hinaus und nimmt als historischen Kontext die neu errichtete Schanzenecke der ehemaligen Barock-Bastion St. Peter auf. Der damalige Denkmalpfleger Samuel Rutishauser hatte sich zu dieser offensichtlichen Kompensation für die verweigerte Abtreppung am Landhausquai «erweichen» lassen.

Bereits zuvor hatte Solothurn sein «Meer» aber anders erobert: Mit neuen Aare-Treffs am Landhausquai, der «Hafebar» oder dem «Solheure». (ww)