Solothurn

Neugestaltung des Postplatzes: Die Aaremauer bleibt wohl «unberührbar»

Nach dem Scherbengericht zur Neugestaltung des Postplatzes muss ein neuer Anlauf stattfinden – doch ein Wunsch bleibt wohl unerfüllbar.

«Solange Stefan Blank Denkmalpfleger ist, wird die Öffnung des Postplatzes gegen die Aare kein Thema sein.» Diese Aussage im Gemeinderat war nur ein Statement auf dem Weg zur «Versenkung» des offiziellen Umgestaltungsprojekts letzte Woche. Aber es war auch Bestandteil der grossen Unzufriedenheit, mit der die Ratsmehrheit der Umgestaltung begegnet war. «Weder Fisch noch Vogel» sei der Postplatz, falls die Umgestaltung so realisiert werde, war eine der wenig schmeichelhaften Titulierungen für das Vorhaben. In der Kritik standen primär die Tatsache, dass der aareseitige Teil des Platzes weiterhin als Verkehrsfläche für ­Linienbusse dienen sollte, dann aber auch, dass die Verweilqualität sich auf die baumbestandene Plattform im Norden des Platzes beschränken sollte, statt ganzflächig bis zu Aare hinab.

Zwar soll dort ein Steg unterhalb der Aaremauer gegen die Eisenbahnbrücke Nähe zum Wasser schaffen, doch ist dieser planerisch noch nicht genauer definiert und könne erst mit dem geplanten Ersatz der alten Eisenbahnbrücke durch eine neue Betonbrücke festgelegt werden. Die SBB haben den Brückenersatz ab 2025 ins Auge gefasst, nachdem bisherige Lärmsanierungen eher erfolglos geblieben waren.

Warum die Denkmalpflege keine Öffnung wünscht

Auch wenn das Stadtbauamt einen neuen Wettbewerb zur Umgestaltung des Postplatzes ausschreibt – ein Parameter bleibt wohl unverrückbar: die Abschlussmauer des Platzes gegen die Aare. «Auch wenn sie erst im 19. Jahrhundert entstanden ist, bleibt die Mauer wie auch am Landhausquai historisch. Sie macht Solothurn aus und hat einen prägenden Charakter für das Stadtbild», verteidigt Denkmalpfleger Stefan Blank seinen Standpunkt, dass die Mauer nicht anzutasten sei. «Und dafür haben sich schon meine Vorgänger eingesetzt», verweist er auf abgelehnte Versuche wie jenen von 2001, am Landhausquai eine Abtreppung zu realisieren (vgl. Kasten unten).

Eine Bresche war weiter östlich möglich

Tatsächlich sind weite Strecken der Aaremauer in der heutigen Form erst nach dem Abbruch der Schanzen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden. Mit dem gewonnenen Material wurden der Schanzengraben aufgefüllt und auch die Ufermauer über dessen Perimeter hinausgezogen. Nur der Bereich im Rollhafen vor der «Hafebar» bis zur Kreuzackerbrücke entlang des südlichen Aareufers ist noch «Original-Barock».

Und so gestattete man 2007 am Nordufer vis-à-vis die Aareabtreppung am Ritterquai. Man markierte damit eigentlich den Abschluss der barocken Stadtbefestigung durch die rekonstru­ierte Ecke der Bastion St.Peter. Eine Mauerlücke, die aber auch sinnbildlich für die damalige dortige Einmündung des Schanzengrabens stehen kann. «Ich war damals noch nicht verantwortlich», will sich Stefan Blank dieser Interpretation als möglicher Rechtfertigung für einen ähnlichen «Sündenfall» im Westen nicht anschliessen – er hatte erst 2009 sein Amt als Denkmalpfleger angetreten.

Mit dem Steg kann er als «Kompromiss» leben

So scheint es für die Denkmalpflege nur den Steg als möglichen Aarezugang beim Postplatz zu geben. «Das ist für mich ein Kompromiss», meint Stefan Blank, zumal der Zugang weit westlich bei der Eisenbahnbrücke – also dort, wo der Mauerbereich endet – zu liegen komme. Genau festgelegt soll dieser mit dem Brückenersatz werden, bestätigt er eine Lösung, die mit seiner Grundsatzhaltung zur Aaremauer «verträglich» sei.

Da das Nein des Gemeinderats noch taufrisch ist, wird ein neues Projekt für die Umgestaltung des Postplatzes wohl noch Jahre auf sich warten lassen. Stefan Blank wird allerdings erst in zwölf Jahren 65.

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Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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