Technische Probleme
Neues Ticketing-System sorgt für Unmut bei den Filmtage-Besuchern

Eine erste Bilanz zu den 52. Solothurner Filmtagen zeigt: Technische Probleme haben einen Einbruch der Besucherzahlen nach sich gezogen. Das Wochenende verlief jedoch gut.

Andreas Kaufmann
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Ticketing-System an den 52. Solothurner Filmtagen
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Das Ticketdesk auf dem Klosterplatz ist Anlaufstelle für viele.
Anstehen muss man ab und zu aber trotzdem noch. Z.b. um Tickets zu kaufen oder um Platzreservationen zu tätigen.
Die Kassen sind durchgehend geöffnet.

Ticketing-System an den 52. Solothurner Filmtagen

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Wie Emotionen auf die Leinwand gezaubert werden, machen die Solothurner Filmtage heuer zum 52. Mal vor. Dass es aber auch ausserhalb der Kinosäle emotional werden kann, ist manchmal mehr, manchmal weniger beabsichtigt. Ein Kristallisationspunkt für Emotionen war in der Vergangenheit häufig das Buchungs- oder Ticketing-System des Festivals.

Insbesondere langes Schlangestehen vor der Kasse und lange Gesichter bei der Kasse, wenn nämlich die Tickets ausverkauft waren, wurden wiederkehrend zum Gesprächsthema. Wesentliche Neuerungen hatte die Organisation der Filmtage nun aber für die aktuelle Ausgabe angekündigt: Ein Vorverkauf, bei dem alle Karten erworben werden können, ein digitales Buchungssystem per App, kürzere Warteschlangen und ein System, bei dem Besitzer von Wochen- oder Tageskarten neu vorreservieren müssen.

Gleichzeitig wird ein Kontingent für Spontanbesucher an den Kassen bereitgehalten. Ausserdem können Karten für alle Vorstellungen – egal wo – von allen Kinokassen aus gekauft und reserviert werden. «Das System erlaubt es, dass auch ein Besucher aus Genf nicht vergebens anreist, da er im Vorfeld reservieren kann», erklärt Filmtage-Direktorin Seraina Rohrer.

Anfragen legten Server lahm

Soweit die Theorie: Praktisch betrachtet jedoch wurde das neue System bereits am Donnerstagmorgen zu Fall gebracht – durch technische Probleme. Während einer halben Stunde legte eine Flut an Buchungszugriffen die Serverinfrastruktur lahm. «Der Start war ehrlich gesagt etwas schwierig», gibt auch Rohrer zu.

Die Telefone liefen entsprechend heiss. Am Freitag funktionierte das Ticketing-System dann wieder, allerdings äusserst langsam. «Seit Freitagmittag aber läuft es grosso modo einwandfrei.» Doch: Es brauche noch Optimierungen: «Wir werden nach den Filmtagen kritisch auswerten, wo wir noch Anpassungen machen müssen.»

Eine Anpassung ist allerdings bereits erfolgt: So ist eine Reservation bereits ab acht Uhr statt neun Uhr möglich, um die Serverlast besser zu verteilen. «Das Ganze ist auch eine kommunikative Herausforderung», findet Rohrer.

So sei unnötigerweise ein Reservationsstress entstanden. «Es ist nicht so, dass man sofort für die nächsten Tage reservieren muss. Das kann man während des ganzen Tages – auch in einer Pause oder nach einem Film.» Oder man probiert sein Glück an den jeweiligen Kinokassen: «Für die meisten Vorstellungen hat es noch Plätze.»

Vor allem machten sich die technischen Probleme bei den Besucherzahlen bemerkbar. So verzeichnete man am Freitag aufgrund der Serverpanne klar weniger Eintritt als in Vorjahren. Es habe eher halbvolle als volle Säle gegeben. «Am Samstag und Sonntag hingegen lief es gut, sodass die Ausfälle von Freitag nicht mehr so gross waren.»

Ebenso schmerzhaft machte sich der Serverausfall aber bei den Besucherreaktionen bemerkbar: Diese seien laut Rohrer unterschiedlich ausgefallen. Einige Leute fänden das neue System grossartig. Gleichzeitig gebe es andere, «die bezeichnen das Ticketing-System als eine Katastrophe. Aber man muss die Relationen im Auge behalten», sagt Rohrer und fährt markig fort: «Für mich ist es eher eine Katastrophe, dass Trump am Freitag das Amt angetreten hat.»

Auf alle Fälle sei klar, dass man in Sachen Technik und Kommunikation noch einiges optimieren müssen. «Aber man darf nicht vergessen: Das System, das in einem einzigen Tag raufgefahren wurde, war fürs ganze Team mit 200 Mitarbeitenden neu. Und diese wahnsinnige Leistung haben alle sehr gut gemeistert», betonte Rohrer mit Bitte um Verständnis.

Reaktionen, wonach die Schlangen heuer nicht kürzer geworden seien, weist Rohrer zurück: «Sie sind kürzer geworden. Am Wochenende haben wir halt so oder so viele Besucher.» Und so habe es schon früher böse Twitter-Nachrichten wegen ausverkaufter Vorstellungen gegeben – aber Renner gibt es immer. Von den Vorstellungen seien – Stand gestern – aber bloss 17 ausverkauft, vor allem bei den Publikumslieblingen des «Prix de Soleure» und «Prix du Public».

Kulanz bei Ticket-Notfällen

«Es ist ja das Ziel des ganzen Teams, Filmbegeisterte in die Kinosäle zu bringen.» In Notfällen wie am Donnerstag zeige das Filmtage-Team dann auch entsprechende Kulanz und lasse auch «gestrandete» Filmliebhaber nicht vor den Kinotüren stehen. Ausserdem wurde für die diesjährige Ausgabe Wert auf eine zeitlich gestaffelte Programmierung gelegt: Diese erlaubt es, bei einem unverhofft ausverkauften Film eine kurz danach startende Alternativvorführung zu besuchen.

Im Zuge der Serverprobleme ist es in zehn Fällen im Übrigen auch zu doppelt gebuchten Sitzplätzen gekommen, dies allerdings lediglich am Vorführungsstandort Reithalle. «Man muss die aufgetretenen Probleme auch in Relation sehen», fasst Rohrer zusammen.

Stimmige Bilder zu den 52. Solothurner Filmtagen
23 Bilder
 Filmtage 2017 Feature, Stimmungsbilder
Das Ticketdesk auf dem Klosterplatz
Filmtage 2017 Feature
Filmtage 2017 Feature Filmtage 2017 Feature, Stimmungsbilder
Volle Reithalle
Solothurn by night: gelbes Licht an der Aare
Il Bar
Seraina Rohrer schreitet zur Eröffnungsrede
Lichter führen am Eröffnungsabend die Gäste zum Apéro in den Konzertsaal
Filmtage-Diskussion im «Barock Café & Bar»
Schaufenster des Chuchiladens
Landhaus-Quai
Kasse im Canva
Blick auf die St.Ursenkathedrale

Stimmige Bilder zu den 52. Solothurner Filmtagen

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