Hotellerie

Neues Hotel in Solothurn? Die Pläne stossen bei einigen Hoteliers sauer auf

Für einige Hoteliers braucht Solothurn keineswegs mehr Gästebetten.

Für einige Hoteliers braucht Solothurn keineswegs mehr Gästebetten.

Bald ist das Hotel Astoria mit 37 Betten Geschichte. Solothurns Tourismusdirektor Jürgen Hofer möchte mit der Stadt zusammen Investoren bewegen, ein neues Hotel zu bauen. Diese Pläne für unliebsame Konkurrenz stossen einigen Hoteliers sauer auf.

Ende Januar schliesst das Hotel Astoria mit seinen 37 Zimmern. Die Aufgabe des Hotels durch die Genossenschaft Migros Aare hat vor alle Tourismusdirektor Jürgen Hofer beschäftigt. Er will im Kontakt mit der Stadt aktiv auf mögliche Investoren hinwirken, dass Solothurn als Ersatz ein neues Hotel mit «60 bis 80 Zimmern» im günstigen Dreistern-Bereich erhält, um so genügend Zimmer für seine Kongresse zu haben. Eine Ansage, die bei einigen städtischen Hoteliers nicht gut ankommt.

Rolf Trechsel, der zusammen mit Christian Stampfli das Hotel zum Roten Ochsen in der Vorstadt führt, meint: «Anlässe finden ja auch bei einer noch so aktiven Tourismus-Organisation nicht täglich statt. Nichts gegen die ausgezeichnete Arbeit von Solothurn Tourismus. Aber die Hoteliers müssen den Betrieb auch an allen anderen Tagen auslasten.»

Das «Astoria», dem Hofer nun nachtrauere, habe in den letzten Jahren eine tiefe Auslastung gehabt. Spreche doch Hofer von jährlichen Kurtaxen von 6000 Franken, was nur gerade 2000 Gästen entsprechen würde. Und dann greift er den Tourismusdirektor an: «Wie Hofer als Ersatz für ein Hotel mit weit unterdurchschnittlicher Auslastung gleich nach einer Verdoppelung der Zimmerzahl ruft, ist betriebswirtschaftlich schwer nachvollziehbar.» Der dringende Ruf nach einem neuen Hotel sei auch deshalb schwer verständlich, weil ja während der langen Schliessung des Hotels «Krone» zwischen 2012 und 2017 mit etwa gleich vielen Zimmern durchaus zahlreiche Kongresse stattgefunden hätten.

Es besteht keine Unterkapazität

Einig ist sich Trechsel auch mit Chris van den Broeke vom Hotel Wirthen, Daniela Bieri und Peter Basler («Roter Turm») sowie Walter Imober­steg vom Hotel Ambassador in einem wichtigen Punkt: «Der intensive Preiswettbewerb unter den Hotels zeigt deutlich, dass keine generelle Unterkapazität besteht.» Solothurn habe 2018 eine Zimmerauslastung von 62 Prozent und eine Bettenauslastung von 44 Prozent gehabt.

Das sei ähnlich wie in Biel, leicht höher als Olten mit 58 Prozent Zimmerauslastung, aber sehr viel tiefer als Zürich mit 72 oder Bern mit 70 Prozent, «wo auch ganz andere Hotelpreise erzielt werden.» Auch nach dem Wegfall des «Astoria» werde sich die Auslastung in Solothurn – bei im übrigen gleichbleibendem Angebot und gleicher Nachfrage – unter 70 Prozent bewegen, sind die Hoteliers überzeugt.

Konkurrenz in Zuchwil entsteht

Dann fällt ihr Blick auf Zuchwil. Dort eröffne der «Ersatz» für das «Astoria» bereits im nächsten April. Das Apartment-Hotel im Zuchwiler Hof – früher ein Kaufhaus – umfasse 60 Einheiten, die sowohl als Apartments, wie auch als Hotelzimmer genutzt werden könnten. «Und dies in ähnlicher Fussdistanz zum Hauptbahnhof wie das <Astoria>. Auch wenn es sich um ein andere Art Hotel handelt, wird das Zuchwiler «K Business Hotel» direkte oder indirekte Auswirkungen auf die Solothurner Hotellerie haben», ist Rolf Trechsel überzeugt.

Der Markt der Unterbringung Zuchwil und Solothurn könne durchaus als Einheit betrachtet werden. «So gesehen kann man sich fragen, ob es nach der «Astoria»-Schliessung betriebswirtschaftlich überhaupt eine grössere Lücke gibt.» Dass gegenwärtig eine Lücke für ein Hotel mit 80 Zimmern bestehe, sei daher «unwahrscheinlich».

Nicht gelten lassen wollen die Hoteliers auch Jürgen Hofers Aussage. die städtischen Hotels hätten sich nach dem Bau des H4-Hotels mit 100 Zimmern ja auch wieder gefüllt. «Tatsächlich sank die Auslastung nach der Eröffnung des damaligen Ramada 2006 auf historisch tiefe 35 Prozent», so Trechsel. Nur dank einer ausserordentlich stark anziehenden Nachfrage nicht nur in Solothurn habe diese Delle aber in den nachfolgenden Jahren ausgewetzt werden können. Zudem sei das H4-Hotel ein Business-Hotel, wie es das vorher in Solothurn nicht gegeben habe.

Die Schlussfolgerung von Rolf Trechsel: «Jetzt will Jürgen Hofer ein neues Dreistern-Hotel, von denen es in Solothurn auch ohne ‹Astoria› nicht weniger als sieben gibt.» Kurz: Die Situation damals und heute sei kaum vergleichbar.

Fragen an einem runden Tisch klären?

Ob es ein zusätzliches Hotel in Solothurn mit 80 Zimmern brauche, sei unter normalen Umständen keine Frage, die öffentlich diskutiert werden müsse. Denn der Markt regle das, sind die Hotel-Betreiber überzeugt. «Die Frage aber ist, ob es wirklich die Sache der Stadt und der Tourismus-Organisation ist, aktiv nach Investoren zu suchen, diese zu unterstützen und in dem Sinne in den freien Wettbewerb einzugreifen.» Und ob es nicht eine Zumutung für die Hoteliers der Stadt sei, dass ihre Kurtaxen dazu verwendet würden, Konkurrenz zu ihren Betrieben zu «organisieren». Rolf Trechsels Vorschlag daher: «Vielleicht wären solche Fragen einmal an einem runden Tisch zu klären. Dann gäbe es vielleicht auch Lösungen für die fehlenden Kongresszimmer, ohne gleich die Hotellandschaft umzupflügen.»

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Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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