Stadtbummel
Neues für neugierige Bummler

Mark A. Herzig
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Die Kaffeerösterei Oetterli wird ihre Produktionsräumlichkeiten verschieben – unter anderem auch damit niemand mehr durch Geruchsemissionen gestört wird.

Die Kaffeerösterei Oetterli wird ihre Produktionsräumlichkeiten verschieben – unter anderem auch damit niemand mehr durch Geruchsemissionen gestört wird.

Wolfgang Wagmann

Was verführt uns eigentlich zum Bummeln? «Einfach so» geht nicht, oder zumindest nicht lange. Natürlich kann auch der Weg das Ziel sein, aber ohne jegliche Möglichkeit, sich etwas Interessantes anzusehen, Fortschritte zu beobachten, wahrzunehmen, ist das auch nicht allzu lange lustig. Und wenn ein rein therapeutischer Bummel unternommen wird, so kann sich der sogar negativ auswirken, wenn wir dabei nichts erleben.

Die Stadtplanung- bzw. -entwicklung für die kommenden Jahre und Jahrzehnte sieht unter anderem die Aufwertung oder Verbesserung der Fussgänger- und Veloverbindungen vor. Bei den Fussgängerwegen, insbesondere wenn sie als Trottoirs angelegt sind, taucht dann schnell die Frage auf: Für wie viele Reklamereiter soll ausreichend Platz geschaffen werden? Hoffentlich nicht für zu viele, sonst müssten die Velofahrer ja vom Geh(!)steig auf die Strasse ausweichen - wo die Fussgänger bleiben, ist eine ungelöste Frage.

Die Kaffeerösterei soll, wie man hörte und las, ihre Produktionsräumlichkeiten in der Vorstadt Richtung Westen verlagern und sich an der Auffahrt zur Autobahn und Entlastung West ansiedeln. Dort werde eine Rauchverbrennungsanlage installiert, damit keine und keiner durch Geruchsemissionen gestört werde. Nun, das ist für einmal nicht Geschmacks-, sondern eben Geruchssache.

Den Stadtbummler hat weder der Duft nach geröstetem Kaffee noch jener nach dem an der Niklaus-Konrad-Strasse ebenfalls produzierten Essig gestört. Vielmehr nutzte er, Jahrzehnte nach Bern pendelnd, den Röstgeschmack respektive den Geruch vor sich hin gärenden Essigs als Wettervorhersage – Regen im Anzug?

Weniger angenehm sind die Dämpfe, die etlichen Kebabbuden entweichen. Doch veranlassen sie, wenn sie von einigermassen Qualität künden, dem Magen zu signalisieren: Hunger! So schnell kann das gehen.

Essig kann nicht nur aus Früchten und Wein, sondern auch aus vielen anderen Grundstoffen hergestellt werden. So auch aus Bier oder noch besser den Maischerückständen. Mit 2016 ist ein spezielles Bierjahr zu Ende gegangen: Es wurde allenthalben 500 Jahre (bayrisches) Reinheitsgebot gefeiert, nach dem für Bier «allain Gersten, Hopffen und Wasser, genommen und gepraucht sollen werden.»

Bier sollte, vorab in seinen etwas «dickeren», stärkeren Formen, den Klosterleuten das Überleben der Fastenzeit erleichtern. Und vom Stadtbummler spricht keiner?! Nun: Wir werden auch im eben angebrochenen Jahr etwas zum Feiern finden, und entsprechender «Hilfsstoff» steht ebenfalls zur Verfügung - sogar regionaler.