Offene Türen, das hat Thomas Ruckstuhl schon. Der römisch-katholische Stadtpfarrer, der vor einem halben Jahr die Nachfolge des Hals über Kopf verschwundenen Niklas Raggenbass antrat, sitzt im Garten des Pfarrhauses an der Propsteigasse. Der Garten ist am Dienstagnachmittag für Familien geöffnet. Ruckstuhl sucht den Austausch. Auch deshalb macht der römisch-katholische Pfarrer am Freitag an der langen Nacht der Kirchen mit – ein Anlass, der von der reformierten Kirche ins Leben gerufen wurde.

Thomas Ruckstuhl, Sie sind seit einem halben Jahr Stadtpfarrer von Solothurn. Wie sind Sie angekommen?

Thomas Ruckstuhl: Gut. Die Stadt ist schön. Und die Leute, denen ich bereits begegnet bin, erfahre ich als offen. Ich habe mich eingelebt und fühle mich willkommen. Aber ein Jahr braucht es, um alle Bräuche und Eigenheiten kennenzulernen. Wenn es mir gelingt, einen intensiveren Austausch herzustellen, sehe ich dies positiv.

Ihr Vorgänger war sehr offen, ging aber auch Knall auf Fall. Spüren Sie noch Nachwirkungen?

Indirekt schon. Es gibt Leute, die verunsichert oder enttäuscht sind, sei es nun von der Person oder von der Kirche. Ich hörte die Ausdrücke Sternschnuppe oder Strohfeuer über die Öffnung, ein Feuerwerk, das in kurzer Zeit abgeschossen wurde.

Wie wollen Sie Ihre Rolle interpretieren?

Wichtig scheint mir, verlässlich zu sein. Und offen. Wir versuchen mit dem Seelsorgeteam, Türen aufzumachen, Kontakte herzustellen. Ich wünsche mir, dass ein Aufbruch beginnt. Einiges scheint eingeschlafen zu sein. Das kann man aber nicht alleine. Es braucht Mitarbeit von verschiedenen Seiten.

Sie waren die letzten 17 Jahre in der Priesterausbildung tätig. Wie war es, zurück in die Seelsorge zu kommen?

Es ist kein allzugrosser Unterschied. Es geht an beiden Orten um den Umgang mit Menschen. Was schön ist in der Seelsorge, ist die Breite der Aufgaben, durch die ganze Biografie hindurch. Und: In der Stadt habe ich eine öffentlichere Rolle. Ich werde erkannt, wenn ich über den «Märet» laufe.

Wie hat sich die Akzeptanz der Kirche in den 17 Jahren verändert?

In Solothurn fällt mir schon auf, dass ein recht starke Distanzierung stattgefunden hat, nicht nur in den letzten zehn oder zwanzig, sondern wohl in den letzen 40 Jahren. Es gab viele Kirchenaustritte und eine starke agnostische Distanz zur Kirche. Ich will dies nicht beurteilen. Ich stelle es nur fest und frage mich, weshalb es so ist. Es ist mir nicht egal. Ich möchte wissen, warum sich die Leute dafür entschieden haben.

Wie möchten Sie den Austausch angehen?

Sicher nicht durch Anbiederung. Allenfalls durch das Heraustreten. Wir wollen Angebote machen. Wir sind ein junges Team und haben viel zu bieten: zum Beispiel in der Familienpastoral oder musikalisch im Gottesdienst.

Nun machen Sie mit bei der langen Nacht der Kirchen.

Es ist ein Projekt der reformierten Kirche. Wir sind da aufgesprungen. Ich wollte mitmachen. Und das stiess sofort auf ein positives Echo.

Die lange Nacht der Kirchen findet mit den beiden anderen Landeskirchen gemeinsam statt. Wäre das vor ein paar Jahren möglich gewesen?

Es ist sehr schön, dass es ein ökumenisches Angebot ist. Es zeigt, dass die Christen vermehrt gemeinsam auftreten müssen, wenn sie eine Stimme in der Gesellschaft haben wollen. Ich erfahre die Ökumene als stark in Solothurn. Es gibt ganz gute Kontakte, nicht nur mit den Landeskirchen, sondern auch mit den Freikirchen.

Wen möchten Sie ansprechen?

Wir wollen Leute ansprechen, die nicht das klassische Publikum sind. Leute, die in den Ausgang gehen oder vom Ausgang nach Hause kommen. Leute, jung und alt, die hinter die Mauern schauen wollen. Kritische Leute auch. Vielleicht entstehen auch zufällige Begegnungen. Wir gehen auch auf die Strasse raus und sprechen Leute an.

Was erwartet die Leute, die kommen?

Eine ganze Palette vom Kulinarischen über Musikalisches bis zu Gebetszeiten, die Besteigung des St. Ursen-Turms oder die Führung durch den Domschatz. Sehr schön finde ich, dass die Portugiesen, Spanier und Eritreer gemeinsam etwas machen. Man darf nicht vergessen, dass ein Drittel der Katholiken hier Migrationshintergrund hat.