Kulturfabrik Kofmehl

Neuer Rollstuhl mit Liftsystem ermöglicht Konzertgenuss auf Augenhöhe

Linda Halter testete am Bastian-Baker-Konzert den neuen Rollstuhl-Lifter.

Am Wochenende machte Bastian Baker im Kofmehl Stimmung. Das mehrheitlich weibliche Publikum zeigte sich vom geborenen Showman und Singer angetan. Unter ihnen eine Besucherin, die erstmals ein Konzert im Rollstuhl mit integriertem Liftsystem genoss.

Die Warteschlange vor dem Kofmehl ist vor der Türöffnung bereits lang. Mehrheitlich Damen jeglichen Alters reihen sich am Gehsteig und verhindern durch ihr Anstehen den Autos die Einfahrt zu den Parkplätzen unter der Leporellobrücke. Sie alle sind gekommen, um Bastian Bakers zu sehen und zu hören. Linda Halter ist eine von ihnen. Wie etliche andere Paare an diesem Abend besucht sie gemeinsam mit ihrem Freund das Konzert. Mit einem Unterschied: Linda Halter ist im Rollstuhl.

«Normalerweise kämpfe ich mich nach vorne»

«Ich gehe an viele Konzerte und Open-Airs», sagt die junge lebensfrohe Frau. Normalerweise kämpfe sie sich an diesen Anlässen nach vorne, um etwas von den Künstlern zu sehen. Heute ist es das erste Mal, dass sie an einem Konzert mit dem Rollstuhl mit Liftsystem dabei sein wird. Der Anlassmanager des Kofmehls, Dominik Grossenbacher, holt Linda Halter hinter der Warteschlange ab und winkt sie beim Seiteneingang durch. Die Übergabe des Rollstuhlliftes findet in der Raumbar statt. Einem Laien fällt die Besonderheit des Rollstuhles nicht auf. Er sieht massiger aus. Ansonsten ist er dem Rollstuhl von Linda Halter sehr ähnlich. Das Umsetzen von einem Stuhl zum anderen geht ziemlich unkompliziert vonstatten. Linda Halter scheint es wohl zu sein. Mit einem Hebel kann sie die Höhe einstellen. Bei maximaler Auslastung der Höhe, würden die Konzertbesucher so auf eine Augenhöhe von zirka 1.70 Meter kommen.

Den Rollstuhl mit Liftsystem bietet das Kofmehl seit einem Jahr an. Das Angebot wurde in Zusammenarbeit mit dem Verein «Selbstvertretung, Menschen mit Behinderung Solothurn» ausgearbeitet. «Ein super Zeichen für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen», steht auf der Website des Vereins. Beim Kauf eines Konzerttickets kann der Rollstuhl unentgeltlich dazu reserviert werden.

«Das Kofmehl ist seit Jahren barrierefrei. Mit dem Liftsystem gehen wir einen Schritt weiter», sagt Dominik Grossenbacher. Seit dem Bestehen des Angebotes kam der Rollstuhl nur am Probekonzert vor einem Jahr zum Einsatz. «Alle, die davon erfahren, finden es eine gute Sache», analysiert Grossenbacher. Jedoch sei wahrscheinlich das Bewusstsein, unkompliziert vom Rollstuhl Gebrauch zu machen, noch zu klein. Der gleichen Meinung ist auch Linda Halter. Obwohl sie das Angebot seit langem kenne, nutze sie es nicht. «Ich habe nicht daran gedacht und habe die Konzerte wie sonst besucht», sagt Halter.

Auch mit Lift-Rollstuhl keine Sichtgarantie

Eine Viertelstunde vor Beginn steht sie links von der Bühne ohne Rollstuhlerhöhung. Kurz bevor die Vorgruppe erscheint, betätigt sie die Erhöhung. Die vermehrt weiblichen Besucher stehen ihr vor dem Blickfeld. Als es nach langem Warten dunkel wird und Bastian Baker samt Band erscheint, ist das Publikum ausser sich. Baker singt, spielt Gitarre wie auch Klavier und unterhält die Besucher auf seine charmant spitzbübische Art.

Linda Halter ist dabei die ganze Zeit in den vorderen Reihen im Publikum mit Leuten, die vor ihr stehen. Der Rollstuhl mit Liftsystem garantiert ihr keine freie Sicht auf die Bühne. So wie der Kauf eines Tickets, diese Garantie auch nicht gibt. Zur Natur eines Konzertes gehört es, sich im Publikum zurechtzufinden und die Künstler vielleicht nur zu sehen, statt zu hören. Der Rollstuhl mit Liftsystem ermöglicht den Besuchern mit Gehbehinderung, ihren Platz zumindest auf Augenhöhe zu finden. Und vielleicht den einen oder anderen Blick auf Bastian Baker zu erhaschen. Wäre auch schade, ihn nur zu hören.

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